BITKOM: "Videostreaming verändert gesamten Markt für bewegte Bilder"

Grafik: BITKOM
Ja, was denn nun. "Generell ist eine Substitution der Fernsehnutzung durch Online-Bewegtbildinhalte nach wie vor nicht erkennbar." Diese beruhigende Erkenntnis hat erst kürzlich noch die aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie 2014 herausgefunden. 94 Prozent der gesamten Bewegtbildnutzung aller deutschen Internetnutzer entfallen dort auf klassisches Fernsehen (202 Min. pro Tag) und nur 6 Prozent (13 Min.) auf alle Formen der Bewegtbildnutzung im Internet (also einschließlich TV online).

Zwar bin auch ich der festen Überzeugung, dass Video on Demand das bessere Fernsehen ist. Als eifriger Nutzer eines Amazon Prime Video-Accounts hatte ich aber bisher eher das gute Gefühl, einer Elite anzugehören. Einer zahlenmäßig recht überschaubaren Elite, die dem großen Rest der Bevölkerung recht weit voraus ist. Fast alle die ich kenne, schimpfen über das Fernsehprogramm. Dann kommt der Abend und sie schalten nach wie vor ein und gucken, was kommt.

Das genaue Gegenteil hat nun BITKOM, der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V, herausgefunden. Die Angaben würden auf einer repräsentativen Umfrage, die Bitkom Research in Zusammenarbeit mit Aris durchgeführt hat, basieren. Dabei wurden 1.004 Personen ab 14 Jahren befragt. Das ist theoretisch weitaus repräsentativer als mein privater Überblick.

Die Kernaussage: Videostreaming verändert die Fernsehgewohnheiten vieler Verbraucher. Jeder dritte Nutzer von Videostreaming (33 Prozent) ab 14 Jahren ersetzt das klassische Fernsehen ganz oder teilweise durch Streaming-Angebote. Das entspricht gut 13 Millionen Bundesbürgern. Und zwar nicht irgendwann in der Zukunft, sondern jetzt.

Fast jeder zweite Streaming-Nutzer (44 Prozent) schaut weniger Fernsehen über Kabel oder Satellit, seitdem er Videoinhalte im Internet ansteuert. Fast jeder Fünfte (18 Prozent) würde künftig sogar komplett auf klassisches Fernsehen verzichten. "Die kommende Zuschauergeneration wird kaum noch feste TV-Sendezeiten kennen", so BITKOM-Experte Timm Hoffmann. "Über Mediatheken, Videoportale oder On-Demand-Angebote wird man sich sein eigenes TV-Programm im Internet zusammenstellen."

Selbst bei Live-Übertragungen würden viele Verbraucher auf das Internet statt auf klassisches Fernsehen setzen. Mehr als jeder dritte Streaming-Nutzer (37 Prozent) bestätige dies. Timm Hoffmann: "Videostreaming verändert den gesamten Markt für bewegte Bilder."

Ich glaube, da war man bei BITKOM irgendwie mit einer Zeitmaschine unterwegs. Genauso wird es kommen- in einigen Jahren. Aber ich habe nur meine privaten Erkenntnisse. Vielleicht ist die Welt ja noch schneller als gedacht. Vielleicht sollte man morgen Börsennachrichten hören. BITKOM hat gerade die bis zuletzt noch sehr gewinnträchtigen Aktien von TV-Sendern auf Ramschstatus heruntergestuft.

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