"Zerstörungspornos" - Netflix und Co. müssen Kino vor Monstern retten

Screenshot: YouTube / Marvel Entertainment
Hehe- James Spader ("The Blacklist") wird den Bösewicht "Ultron" geben, den "Iron Man" Tony Stark versehentlich auf die Welt loslässt. Aber das wird schon. Schließlich sind sie alle Superhelden mit Superkräften. Thor wird wieder den Hammer schwingen und der Hulk wird sich aufregen. Weiterhin wird niemand den Mut besitzen, Scarlett Johansson alias "Black Widow" zu sagen, dass ihr rothaarige Oma-Dauerwellen nicht stehen. Und "Captain America" wird weiter tapfer sein altrömisches Schild durch die Gegend tragen.

Die "Avengers" von Marvel kommen im nächsten Mai zurück ins Kino und mit Sicherheit wird es wieder richtig krachen. Fans in aller Welt freuen sich gerade schon über den ersten Trailer. Und es gibt ja auch noch die galaktische Abteilung der Rächer. Dort heißen sie "Guardians"- sprechende Bäume und schießwütige Waschbären retten als "Guardians of the Galaxy" nicht nur die Welt, sondern das Weltall vor den all-gegenwärtigen Superschurken und alle haben einen Heidenspass dabei. Vor allem auch die Buchhalter in Hollywood. Mit 700 Millionen Dollar Einspielergebnis weltweit poliert der Blockbuster die Jahresergebnisse fast ganz allein.

Was soll daran falsch sein? Filmuniversen gehört die Zukunft und das Marvel-Universum ist mittlerweile fast schon eine eigene Galaxie für sich. Hollywood-Regisseur David Fincher, gerade mit "Gone Girl" in den Kinos und als Macher von "Sieben", "The Social Network" oder auch von "House of Cards" fester Bestandteil der Kategorie "Star-Regisseure", hat sich jetzt in einem Spiegel-Beitrag die Wut und Frustration über diese neue Art Filmproduktionen von der Seele geschrieben.

"Zerstörungspornos" seien das, so der Golden-Globe-Gewinner. "Durchkalkulierte Produkte", die den Zuschauer zum Konsumenten werden lassen". Als Regisseur werde man "zum Pizzaboten, der immer pünktlich liefern muss" degradiert. Alles, was Filme komplex mache, bleibe auf der Strecke. Die Zukunft des Erzählens sehe er deshalb nicht im Kino, sondern im Serienformat, dort habe man die notwendige Zeit "sich um die menschlichen Dramen" zu kümmern.

Da hört man die Frustration deutlich durch. David Fincher hat mit "Gone Girl" einen wirklich großen, überragenden Film gedreht und muss sich trotzdem in den großen Kinos weltweit hinten anstellen. Guardians und Avengers blockieren die Kinosäle und räumen die Kinokassen. Und da hat David Fincher noch Glück. "Gone Girl" gehört zu der immer kleiner werdenden Anzahl von Filmen, deren Handlung im realen Leben spielt und die es "trotzdem" überhaupt noch bis ins öffentlich wahrgenommene Kinoprogramm schaffen.

Andere müssen da schon nach alternativen Lösungen suchen. "Der Teufel trägt Prada" war ein Riesenerfolg. Trotzdem kam Regisseur David Frankel mit seinem neuen Werk "One Chance" in die US.Kinos nicht hinein- und feierte, sicher ebenso wütend wie David Fincher, seine Filmpremiere ohne Eintritt für die Zuschauer im Internet bei Yahoo.

Das bleibt natürlich alles nicht ohne Folgen für die Budgets. Hollywood hat zahllose neue Blockbuster in Arbeit. Guardians und Avengers sind natürlich dutzendweise dabei, genauso wie StarWars und StarTreks, Harry Potter - Filme ohne Harry Potter, Batmans, Hobbits und Transformers und auch Panem wird noch viele Tribute an den Kinokassen fordern. Der "Hollywoodreporter" kommt allein bei der Kategorie "Superheros" auf 29 aktuelle Projekte bis 2020. Wer noch einen "normalen" Film machen will, dem kommt es wahrscheinlich so vor, als hätte sich der "Pacific Rim" tatsächlich geöffnet und schicke für jeden freien Kinosessel ein eigenes Monster, bis alle aber auch wirklich belegt sind.

Robert Redford wird zusammen mit Cate Blanchett jetzt für "Truth" vor der Kamera stehen. Eine große Geschichte um das US-TV-Nachrichtengeschäft. Fürs Kino? Einige kleine Kinos, sicher. Netflix engagiert sich ja jetzt auch für Kinofilme. Könnte gut sein, dass die Video on Demand-Anbieter nicht nur für das Fernsehen gekommen sind, sondern auch gerade noch rechtzeitig, um das Kino vor dem Kino zu retten.

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