YouTube als Pay-TV ? Logisch und verrückt zugleich.


YouTube als Pay-TV? Schwer vorstellbar. Aber YouTube-Chefin Susan Wojcicki will es ganz einfach mal ausprobieren. Das demnächst zu erwartende Abo-Modell solle den Nutzern eine Wahl geben, so Wojcicki am Montag bei der Technologiekonferenz "Code Mobile" im kalifornischen Half Moon Bay. Insbesondere die zunehmende Anzahl mobiler Nutzer, die nur schwer die Werbung wegklicken könnten, bräuchten einen alternativen Weg um Anzeigen aus dem Weg zu gehen. Das "Pay-YouTube" solle parallel zum bekannten werbefinanzierten Modell existieren.

YouTube mit seinen Millionen verschiedenster Videos und Kanäle ist mit seinen gigantischen Abruf- und Nutzerzahlen eigentlich das Bewegtbild im Netz an sich. Will der Platzhirsch aber die Nummer eins bleiben, muss er nach einer auch für den smarten Fernseher wirklich funktionierenden Antwort auf die neue Generation der Streaming-Dienste suchen. Diese punkten mit Qualitäts-Serien und mittlerweile sogar Filmpremieren und das lässt sich mit einzelnen, abwählbaren Werbespots nicht refinanzieren.

Jetzt will man auf ausgewählte Kanäle zugehen, auch vom Thema News ist die Rede, und ein attraktives Angebot zusammenstellen. Auch der von YouTube schon länger erwartete kostenpflichtige Musikdienst könnte da gut hineinpassen.

Zwar war auch der Begriff "Netflix" zu hören. Aber noch sieht es ein wenig so aus, als wisse man nur, dass man diesen Neulingen genauso wie Amazon oder den kommenden HBO & Co. auch den großen Bildschirm im Wohnzimmer streitig machen will- nur eben noch nicht so genau, wie. Eine eigene Produktion auf professionellem Hollywood-Niveau ist jedenfalls bisher anscheinend nicht geplant.

Dennoch, so unwahrscheinlich es sich auch anhört: YouTube könnte auch im Pay-TV-Bereich punkten. Sie haben die Stars des neuen Mediums und die Musik. Dazu dann vielleicht noch Nachrichten und ein weiter ausgebautes YouTube Live. So könnte gebündelt ein wesentlich attraktives Angebot entstehen als die wenigen schon bestehenden "Paid"-Channels bisher allein.

Auch wenn es im Moment so aussieht, sind Movies und Serien nicht die ganze schöne neue Streaming-Welt. So hat "Youku Tudou", das chinesische Gegenstück zu YouTube, gerade bei Endemol die "Big Brother"-Rechte für China gekauft. Ja, auch "Reality TV", Casting und ähnliches muss nicht mehr zwangsläufig fürs klassische lineare Fernsehen reserviert sein. Das wäre dann so etwas wie das ultimative Bedrohungsszenario für RTL & Co.

6 Millarden US-Dollar an Werbegeldern wird das Netz in diesem Jahr auf YouTube und seine Partner herabregnen lassen- eine finanzielle Position der Stärke, aus der heraus man gestalten und Services wie Netflix auch schnell in Bedrängnis bringen kann. Aber auch eine sehr wertvolle Position bei den Usern, die schnell verloren gehen kann, wenn geliebte Inhalte plötzlich hinter Bezahlschranken verschwinden sollten. Was wiederum ziemlich verrückt wäre, sollte man dies riskieren.

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