Yahoo: TV-Werbung statt Online-Marketing-Banner. Display 2.0 ist Video.

Fotos: Yahoo
Zum Jahresende wird die "Yahoo Directory" vom Netz genommen, so hat es Yahoo verkündet. Damit verschwindet ein Teil der Internetgeschichte. Höchstens einige Suchmaschinenoptimierer (SEO) werden das "Webverzeichnis" noch vermissen. Die Links daraus waren lustigerweise lange Zeit sehr wertvoll beim Erreichen besserer Positionen- bei Google.

Die Yahoo-Gründer Jerry Yang und David Filo hatten den Katalog 1994 als "Jerry and David's Guide to the World Wide Web" ins Netz gestellt. Die Links wurden von einer Redaktion recherchiert und eingepflegt. Wohl deshalb wurden sie von der heute alles beherrschenden Suchmaschine sehr stark positiv bewertet.

Im Herbst 1994 wurden eine Million Anfragen und 100.000 Nutzer gezählt. Im Jahr danach entstand daraus das Unternehmen Yahoo. Das wiederum ging 1996 an die Börse. Dann kam Google und keiner suchte mehr nach Webseiten in einem "Verzeichnis". Eine Zeit lang gab es auch einen deutschsprachigen "Yahoo-Katalog".

Heute ist Yahoo ein Milliarden-Unternehmen im Internet und lebt vor allem von Werbeeinnahmen. Aber irgendwie ohne ein klares Profil und Zukunftskonzept. Marissa Mayer will das ändern. 2012 wurde die ehemalige Vizepräsidentin von Google Chefin bei Yahoo. Die Kriegskasse von Yahoo dürfte nach dem Rekord-Börsengang des chinesischen Amazon-Konkurrenten Alibaba gut gefüllt sein- 20% von Alibaba waren noch im Yahoo-Besitz.

Letzte Woche war die "Advertising Week" in New York. Marissa Mayer warb dort um die Werbekunden für Yahoo- und sagte dort etwas sehr interessantes. Dass Yahoo mehr und mehr auf bewegte Bilder als den Kern des zukünftigen Internet-Geschäfts setzt, ist bekannt. Aber auch die Werbung im Internet der Zukunft wird nach Ansicht von Marissa Mayer Bewegtbildwerbung sein.

"Yahoos Werbegeschäft besteht aus Suchmaschinen- und Display-Werbung", so Mayer. "Display 2.0 ist Video. Die Möglichkeit, eine Geschichte zu erzählen und so die Aufmerksamkeit eines Nutzers länger aufrecht zu erhalten, um eine inhaltsreichere Botschaft zu vermitteln- wir denken, das ist das Beste, was der Werbung in Zukunft passieren kann."

Weltweit rätseln die Internet-Werber, wie es weiter gehen soll. Obwohl die Online-Werbung nach wie vor wächst, fallen bei vielen die Einnahmen. Das angebliche "Wachstum" der Online-Werbung kommt aus der sich größtenteils auf dem Weg in die komplette Automatisierung befindenden Suchmaschinen-Werbung. Und Video. Also eigentlich TV-Werbung im Internet, die langsam anfängt, die neuen Möglichkeiten des Internets zu begreifen. Internet-Tracking geht da- also sofortige und genaue Information, wer zuschaut und wie lange. Und es gibt einen Rückkanal, auf dem der Kunde antworten kann. Wo ganz neue Dinge möglich werden.

Dagegen glauben immer weniger Werbekunden daran, dass es ihnen irgendwie weiterhilft, wenn auf irgendwelchen ans Internet angeschlossenen Bildschirmen irgendwo nervende bunten Werbebanner blinken- womöglich sogar außerhalb des sichtbaren Bereichs. Denn die bisherigen Desktop-Bildschirme der "Internet-Surfer" werden beim User rasant durch die kleineren Smartphone-Bildschirme ersetzt. Oder durch die großen Screens der smarten TV. Die Zielgruppe "surft" nicht mehr, sondern versammelt sich in Apps und Mediatheken. Klassische Internet-Werbebanner sind fast schon so unmodern wie das "Yahoo Directory". Die zu erzielenden Werbepreise fallen ins Bodenlose.

Marissa Mayer hat also recht. Ob die Botschaft auch irgendwann in Deutschland ankommen wird? Noch immer schalten da relativ viele Werbekunden insbesondere auf Zeitungs-Webseiten nervige Displays zu erstaunlichen Höchstpreisen. Wahrscheinlich wie Zeitungsanzeigen auf Papier- weil es schon immer so war. Oder Verkäufer ihnen mit "Windows Powerpoint" erklärt haben, wie toll das doch ist. Was der User am Smartphone damit anfangen soll? Keine Ahnung. Der guckt dort Videos.

Hallo? Wir haben 2014. Das Internet ist jetzt mobil. Die Bilder laufen. Und das Internet kann sogar besseres Fernsehen. Liebe Werber, steht auf von eurem "Windows Office"-Desktop, geht hinaus aus dem Büro und schaut euch um in der Außenwelt. Wo die Zielgruppe gerade ist. Gewiss nicht per "Internet Explorer" am Windows-Desktop-Computer. Nur so hat Online-Marketing außerhalb von Suchmaschinenwerbung eine Zukunft. Die Zeit der blinkenden Banner ist vorbei.

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