Von Pablo Escobar bis Adam Sandler- der Netflix-Nachrichtenticker

Screenshot: Twitter- @JuanManSantos
Er war der "Staatsfeind Nr. 1" der USA, bevor Osama bin Laden kam. Die Elite-Polizisten, die ihn erschossen, machten danach Erinnerungsfotos mit der Leiche wie nach einer Großwildjagd. Pablo Escobar starb 1993 in Medellin und gilt bis heute als einer der brutalsten und mächtigsten Drogenhändler aller Zeiten. Eine Zeit lang herrschte er praktisch über Kolumbien, war brutaler Massenmörder, anscheinend unantastbarer Staatsfeind und Volksheld in einer Person.

Demnächst wird seine Geschichte unter dem Titel "Narcos" als Serie erzählt. Von Netflix. Der brasilianische Schauspieler Wagner Moura wird ihn spielen. Jose Padilha ("Robocop") wird Regie führen. Sie drehten zusammen auch schon "Tropea de Elite" ( englisch: "Elite Squad" ), der 2008 den "Goldenen Bären" als bester Film der Berlinale gewann. 2010 kam die Fortsetzung "Tropea de Elite 2" in die brasilianischen Kinos.

"Jose und Wagner erschufen zusammen in ihren "Elite-Squad"-Filmen eines der anspruchsvollsten und eisigsten Porträts von Kriminalität und öffentlicher Korruption", so Netflix's "Chief Content Officer" Ted Sarandos. "Ihre Version der Escobar-Saga wird eine sein, wie sie nie zuvor gesehen wurde."

Alles schön und gut. Kann man auch das europäische "Gomorrah" gucken. Wo ist das Highlight? Im Bild oben. Da empfängt der kolumbianische Staatspräsident (!) Netflix-Vertreter, um über eine "signifikante" finanzielle Unterstützung der Produktion zu reden. Mit am Tisch, an dem von Netflix nur der Programmchef erschien: Cecilia Alvarez-Correa, Ministerin für Handel, Industrie und Tourismus. Kulturministerin Mariana Garces und der "Minister für Informationstechnologie" (ja, Kolumbien hat so etwas), Diego Molano.

In anderen Ländern als Deutschland hat TV- und Filmproduktion offenkundig einen anderen Grad an Bedeutung. 40% der Rechnungen, die für "künstlerische und technische Dienstleistungen" bei der "Narco"-Produktion in Kolumbien anfallen, gibt es wohl jetzt aus der kolumbianischen Staatskasse. Und 20% für Catering, Hotelkosten und Transport obendrauf. Für Kolumbien ist es offensichtlich wichtig, dass Filme im Land produziert und seine Geschichten, auch gerade die schwierigen, weltweit erzählt und bekannt werden. Gerade auch von Netflix.

Denn Netflix ist irgendwie anders. Wie anders, zeigt eine offizielle Pressemitteilung von heute. Die kann ich mir so von keiner deutschen PR-Abteilung vorstellen. Denn dazu bräuchte es dort angstfreie Mitarbeiter. Dann aber hätte man vielleicht ähnliche PR-Erfolge wie Netflix. Da muss man Berichterstattung fast bremsen. Denn die geschickt gestreute Nachricht (offiziell berichtet man solche Zahlen nicht), Netflix habe in Frankreich kurz nach dem Start schon über 100.00 Abonnenten, die lassen wir heute mal weg.

Adam Sandler, so die Pressemitteilung, wird vier Filme exclusiv für Netflix produzieren. Adam Sandler ist mehrfacher Gewinner der "Goldenen Himbeere", bekannt für einen eher, sagen wir mal brachialen, Humor und wohl gerade deshalb einer der ganz großen Stars in Hollywood. Sein Statement zum Deal:

"Als diese netten Menschen mit dem Angebot, vier Filme exklusiv für Netflix zu produzieren, an mich herantraten, habe ich aus einem einzigen Grund sofort zugesagt: Netflix reimt sich mit ‚wet chicks‘ (dt.: ‚feuchte Weiber‘)", so Sandler. "Möge das Streaming beginnen!!!"

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