The Walking Dead des Netz-TV: Googles "Nexus Player" und "Apple TV"

Foto: Amazon © Gene Page AMC
Diese Woche war wieder mal "Apple Event". Es gibt jetzt neue Ipads, Mac-Monitore und diversen anderen "upgedateten" App- und Nerdkram. Das "Event" aber war vor allem eins: Krachend langweilig. Nennenswerte Beiträge zum heißesten Netz-Thema überhaupt, Internet-TV, blieben aus. Nach wie vor ist der Apple-TV-Würfel technisch auf dem gefühlten Stand des Bildröhrenzeitalters. Okay, die wirklich bibeltreuen Katholiken sind bei der Messe noch dabei. Aber dass ausgerechnet Apple zum derzeit heißesten Thema rund ums Internet offenkundig nichts anzubieten hat, ist erstaunlich. Ob irgend jemand noch eine überzeugende Erklärung für das "Warum" liefern könnte, bleibt zweifelhaft. Es sei denn, die Erklärung ist, dass Apple mit Blick auf die Entwicklungen bei Smart TV, Amazon oder Netflix das Rennen möglicherweise bereits aufgegeben hat.

Screenshot: google.com/nexus/player/
Google hatte dagegen in dieser Woche mit dem "Nexus Player" zumindest etwas Neues. Der ist eine sehr schön rund designte Sache und bringt Googles neues "Android TV" auf Fernseher, die es sonst nicht haben. Die Frage ist nur: Wozu? Okay, es kommen etliche Apps mit- das übliche halt, was keinen vom Hocker reißt. Ich kann bequem Filme im "Play Store" kaufen. Weder ist das günstig, noch gibt es dort Angebote, die ich nicht auch an etlichen anderen Stellen im Netz bekommen könnte. Und Google hat ja auch noch den Stick fürs Internet-TV, den Chromecast.

Der "Nexusplayer" von Google sieht also gut aus, wird nicht viel kosten, nur: Ich brauche das nicht. Heute zum Beispiel hab ich viel zu viel Zeit vertändelt- mit "Boston Legal" bei Amazon Prime. Mein zwei Jahre alter LG hat das problemlos per App auch ohne kabelsalatiges Zusatzkästchen drauf, genau so wie Netflix oder YouTube. Dann noch die Mediatheken per HbbTV. Das reicht. Gaming? Gute Idee. Aber wenn ich Gamer bin, will ich die Playstation oder eine X-Box. Es entsteht ein Verdacht: Google und Apple wollen die Kontrolle über meinen Fernseher und bieten dafür- eigentlich nichts.

Denn das bisherige Internet-Erfolgsrezept funktioniert im Zeitalter der Bewegtbilder nicht mehr. Es reicht nicht aus, fremde Inhalte gut aufzufinden wie mit Google oder besonders elegant verpackt weiterzuverkaufen, wie Apple das tut. Eigene Inhalte sind gefragt. Netflix hat das als Erster wirklich begriffen und wurde damit groß. Als Zweiter begriffen hat Amazon.

Zwar ist Amazon Prime und Instant-Video vor allem ein günstiges und sehr großes Angebot fremder Inhalte, die weiterverkauft werden. Verkaufen kann Amazon. Aber die Eigenproduktionen werden jetzt mit Hochdruck angekurbelt. Und vor allem ein Erfolgsprinzip hat Amazon schon immer beachtet: Mach es den Kunden so einfach wie möglich. Ja, mit dem Fire-TV hat man auch ein eigenes "Zusatzkästchen". Natürlich bei Bedarf auch mit Gaming-Angebot. Parallel jedoch stürmt Amazon mit seiner App auch direkt auf möglichst viele Smart-TV und hat mit dem Kindle noch einen weiteren starken Abspiel-Kanal für sein Bewegtbildangebot.

Am wichtigsten aber ist die enge Zusammenarbeit von Amazon mit den Smart-TV-Herstellern. Denn ohne diese wird in Zukunft gar nichts gehen. Sie sind die Herren der Technologie für immer größere und schärfere Bildschirme. Das werden sie nutzen. Es gibt eigentlich nur wenige Hersteller, die die besten Screens liefern. Sie alle werden ihre beste Technologie zuerst in die eigenen Geräte einbauen und gewiss nur sehr zögerlich als Zulieferer mit Preisdruck unter einer fremden Marke wie zum Beispiel Apple verkaufen.

Staffel 1 bis 3 der Mega-Erfolgsserie "The Walking Dead" sind jetzt bei Amazon Prime-Video eingetroffen. So sehen Sieger aus. Die Zombies im großen Zukunftsgeschäft Internet-TV, die zwar noch herumlaufen aber eigentlich schon tot sind, heißen zur allgemeinen Überraschung derzeit Google und Apple. Aber vielleicht hat ja einer der beiden irgendwann "one more thing".

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