Streaming-Game of Thrones: HBO baut ein eigenes Netflix. Und CBS... Und...

Screenshot: foofighters.com 
Die "Foo Fighters" haben ein neues Album. Das wird einge interessieren. Ihr letztes, "Wasting Light" ist drei Jahre her und stand in Deutschland 30 Wochen auf Platz 1 der Charts. "Sonic Highways", so heißt das neue Werk, erscheint am 10. November. Das eine oder andere daraus kann man morgen live hören- im "Cubby Bear" in Chicago, einem Club, in dem der ehemalige Nirvana-Schlagzeuger und heutige "Foo-Fighter" Dave Grohl erstmals im Leben eine Punk-Rock-Show live auf der Bühne sah.

Obwohl "Cubby Bear" recht klein ist, können alle dabei sein. Na ja, genauer: Alle US-Amerikaner mit Internetabschluss. Denn das Konzert wird live übertragen. Auf Facebook. Nein, nicht in Status-Reports. Facebook sucht auch nach seinem Platz im Internetfernsehen, einem Platz entsprechend seinem Konzerngewicht und am morgigen US-Abend kann man auf der Facebook-Seite des US-Fernsehsenders HBO das Konzert live erleben. Kostenlos.

Der Grund: Werbung. "Foo Fighters: Sonic Highways" ist mehr als ein Album, sondern auch eine neue Dokumentarserie von HBO zur US-Musikgeschichte unter der Regie von Dave Grohl. Das Live-Konzert ist auch die Premieren-Party der Serie, deren erste Folge sich um Chicago und das "Cubby Bear" dreht.

Warum ist das für uns interessant? Ganz einfach: Neid. Ich bin jedenfalls neidisch auf die Amis, was die so geboten bekommen. Zum Beispiel von HBO. Man stelle sich nur mal vor: Herbert Grönemeyer bekommt den Regie-Auftrag für eine achtteilige Serie von Dokumentationen zur deutschen Rock-Geschichte. Und ausreichend Geld. Und freie Hand. Und macht dann parallel noch ein neues Album dazu. Dann feiert man die Premiere von Dokumentation und Album mit einem Livekonzert im Fernsehen und das alles noch vor Mitternacht. In Deutschland? Unvorstellbar.

Wenn man US-Amerikaner befragt, warum sie hohe Gebühren fürs Kabelfernsehen bezahlen, kommt zumindest von den Nicht-Sportfans zumeist die Antwort "HBO". Denn auf HBO wird zwar traditionell auch geboxt, die NFL jedoch läuft woanders und kostet natürlich extra. HBO kann dafür auf zahlreiche Oscar-prämierte Dokumentationen verweisen- und natürlich "Game of Thrones". Und "The Wire". Und "The Newsroom". Und, und, und. HBO gilt als die Benchmark für modernes Qualitätsfernsehen. Es ist kein Zufall, dass dort sogar die hippen Punk-Reporter von "Vice" ein erstes TV-Zuhause außerhalb des Web-TV fanden.

Die Ankündigung von HBO, man wolle 2015 einen ähnlichen Streamingdienst wie Netflix an den Start bringen plus geringfügig schlechter als erwartet ausgefallene Quartalszahlen- das reichte in dieser Woche aus, um die Aktien von Netflix in den Börsen-Keller zu schicken und die Aktionäre des Streaming-Pioniers um Milliarden ärmer zu machen.

Das ist sicher völlig übertrieben. Es ist nicht ganz so einfach, einen rentablen Video on Demand-Streamingservice zu etablieren, wie manche glauben. HBO hat zwar schon das Wichtigste dafür- eigenproduzierte, hoch attraktive Programm-Inhalte. Allerdings wird man abwägen müssen, was man davon wie schnell ins Netz stellt. Denn das Geld für HBO kommt aus den Kabelanschlüssen. Wenn die massenweise gekündigt werden, weil sich per Streaming TV a'la Carte ein attraktiveres Programm für weniger Geld zusammenstellen lässt, entsteht ein Problem.

Der Erfolg von Netflix im Streaming-Markt hat die Dämme allerdings erst einmal gebrochen. Auch CBS ist seit heute am Start.

Das "Game of Thrones" ist gnadenlos. Der Kampf um den Thron im Streaming-Markt wird ähnlich brutal werden und zumindest auf den Konten der Beteiligten noch zahlreiche Opfer fordern.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: