Schön ist die Jugendzeit- jetzt auch mit Kanal

Screenshot: YouTube/phoenix
Es war irgendwie, als hätte der legendäre König Salomo höchstselbst mitgewirkt.

Die Ministerpräsidenten der Länder haben getagt und ein abschließendes Urteil gefällt: Die deutsche Jugend bekommt einen Kanal und ARD und ZDF dürfen ihn machen. Damit sie sich vielleicht selbst nicht mehr so alt fühlen. Und weil die deutsche Jugend auf der Flucht vor den traditionellen Medien mittlerweile fast komplett im Internet anzutreffen ist, sollen die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF ihren Jugendkanal auch dort zu der so begehrten Zielgruppe graben. Und auch nur dort.

Für den Internet-Jugendkanal werden 45 Millionen Euro Rundfunkgebühren bereitgestellt. Dafür gehen bei ZDFkultur und EinsPlus im Digitalfernsehen die Scheinwerfer aus. Der Jugendkanal muss seine Inhalte im Internet nicht nach sieben Tagen löschen und darf auch Web-Angebote ohne "direkten Sendungsbezug" machen.

Schon das Begleitprogramm zur schweren Geburt hat immensen Unterhaltungswert.

So Peter Boudgoust, Intendant des "federführenden" SWR, offenkundig jäh aus den Träumen vom neuen, "trimedialen" Funkhaus erwacht: "Die Beauftragung entspricht nicht dem ursprünglichen Konzept eines crossmedialen Angebots. ARD und ZDF hatten auf die konsequente Verschmelzung von Hörfunk, Online und Fernsehen gesetzt, ein innovativer, multimedialer, durchdachter Ansatz. Nun müssen wir uns auf eine Ausstrahlung im Internet beschränken. Das bringt Probleme mit sich, beispielsweise mit Blick auf Urheberrechte. Obwohl unser Konzept von vielen gesellschaftlichen Gruppen unterstützt wurde, wird es nun schwerer, das Jugendangebot zum Fliegen zu bringen. Aber klar ist: Wir arbeiten weiter konsequent an jungen Programminnovationen. Das sind wir der jungen Generation schuldig." Klingt wie ein Bundesliga-Trainer nach dem 0:3 daheim und fünf Spielen ohne Tor. "Ausstrahlung im Internet"- ja, hier wird mutig Neuland betreten.

Genau so schön Dr. Tobias Schmid für die Privatsender-Lobby VPRT: "Der VPRT nimmt erleichtert zur Kenntnis, dass die konzeptlose Expansion der öffentlich-rechtlichen Spartensender durch die Ministerpräsidentenkonferenz beendet wurde. Wir begrüßen die Einstellung von zwei Kanälen sowie den Stopp des am Bedarf vorbei konzipierten Jugendkanals von ARD und ZDF." Die positive Einordnung des Verbandes werde allerdings dadurch erheblich getrübt, dass das alternative Onlineangebot den Grundfehler des öffentlich-rechtlichen Systems fortsetze: "Die Idee, ein Projekt ohne inhaltliche Begrenzung aufzusetzen, hat bei den Digitalkanälen schon nicht funktioniert. Jetzt ein Onlineangebot mit einem Blankoscheck von 45 Millionen Euro auszustatten, wird es kaum besser machen. Mit der angestrebten Crossmedialität, insbesondere der Vernetzung mit den jungen Hörfunkwellen der ARD, wird ein übergreifendes Jugendangebot entstehen, das den Wettbewerb erheblich zu Lasten der Privaten beeinträchtigt. Angesichts all dieser Punkte würde es uns wundern, wenn die Beauftragung nicht einen neuen Konflikt mit allen anderen Mediengattungen zur Folge haben wird." Tja. Heul doch, möchte man da rufen.

Der für Netz-TV interessanteste Punkt wurde noch nicht erwähnt. Im Internet lässt sich alles sehr exakt messen. Viel exakter als mit "GfK-Quoten". Das wird spannend. Zuerst, inwiefern der "Jugendkanal" diese Zahlen veröffentlicht. Und dann, wie sie so aussehen im Vergleich zu YouTubern, die mit erheblich geringerem Budget drehen. So ein schöner Effizienz-Vergleich, der zeigt, inwiefern die klassischen Strukturen überhaupt noch dazu in der Lage sind, die so begehrte Zielgruppe zu bedienen.

Das wird alles sehr spannend. "Jugendkanäle" im Netz gibt es schon. YouTube, natürlich. Oder Twitch. Oder Vice. Oder Dinge, für die ich zu alt bin, um sie zu kennen. Vice hat übrigens gerade verkündet, jetzt auch ein Fernseh-"Sender" werden zu wollen...

Hoffentlich darf das länger als sieben Tage bleiben- es ist ein "historisches" Dokument:



Ansonsten hier ein Alternativ-Programm für später:

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