Ron Burgundy in Gefahr? Web-TV könnte US-Lokalfernsehen zerstören

(c) Paramount Pictures
Ron Burgundy ist zurück, Die Legende geht weiter. Der wohl bekannteste Anchorman der Welt alias Will Ferrell wird auch in der Fortsetzung des mindestens noch legendäreren ersten Teils aus dem Jahr 2004 in bekannt geradliniger Weise die Karriereleitern und Quotencharts der US-Networks stürmen und schließlich sogar "Global News" vom Teleprompter ablesen.

Die Welt aber aus der er kommt und in der er zur Legende wurde, die Welt der lokalen Fernsehnachrichten von Channel 4 in San Diego, diese etwas merkwürdige aber liebenswerte Welt ist in Gefahr. Und Schuld ist -wie eigentlich bei fast allen Medien-Übeln dieser Zeit- mal wieder dieses Internet.

Denn HBO und CBS wollen jetzt eigene Streeming-Portale eröffnen, um ihre attraktiven Programme nun auch im Internet zu verbreiten und ihre potentiellen Zuschauer dort nicht mit Amazon oder Netflix allein zu lassen. Was das mit Lokalfernsehen zu tun hat? Erst einmal nichts. Auf den zweiten Blick aber sehr viel.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo es wohl nichts mehr werden wird mit diesem Thema, ist Lokalfernsehen in den USA ein florierendes Geschäft. Denn in großen Teilen der USA ist Lokalfernsehen das "große Fernsehen"- nationale Sender wie zum Beispiel CBS verbreiten ihre Sendungen als "Mantelprogramm" über "Affiliates"- eben die lokalen Sender. Man sieht auf dem Kanal dann eben beispielsweise von 17 bis 20 Uhr die Neuigkeiten vom Stadt-TV und ab 20 Uhr die Shows, Serien und Filme vom landesweiten "Network".

Beide Partner zusammen haben dadurch die Zuschauer und damit die Werbegelder. Als zusätzliches Standbein bekommen sie von den TV-Kabelfirmen die "Transmission Fees"- weil diese ja die Programme im Prinzip an ihre Kunden weiterverkaufen.

Das wird im "on Demand"- Zeitalter so nicht mehr funktionieren. Die Zuschauer werden beginnen, zu jeder Zeit die attraktivsten Shows und Serien zu schauen. Die Kabel-TV-Kunden werden überlegen, ob sie das oft mehr als 100 Dollar teure Programmpaket noch brauchen, wenn sie statt dutzender Sender, die sie eh nie schauen, einfach "a'la Carte" für weniger Dollars die Football-Liga, HBO, Netflix und einen schnellen Internetanschluss bestellen könnten. Die hohen Kosten der Kabel-TV-Pakete sorgten auch bisher schon für staunenswerten Erfindungsreichtum- mit "Cordcutter" gibt es sogar einen eigenen Begriff für die, die den "Absprung" geschafft haben.

Dadurch könnte bei den Lokal-TV-Stationen die Zuschauerzahl, die Werbeeinnahmen und die "Transmission Fees" gleichzeitig sinken und aufwendiges Programm in der bisherigen Form unmöglich werden.

Ron Burgundy, so wie wir ihn kennen, wird eine Lösung finden. Das reale Leben ist aber kein Film und der digitale Wandel ist gnadenlos. Bis dahin: Genießen sie den Blick hinter die Kulissen dieser merkwürdigen Welt- so lange es sie noch gibt:

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