Peel: Es geht um Kontrolle - 50 Alibaba-Millionen für eine TV-App

Screenshot: peel.com
Kennen Sie Peel? Nein? Macht nichts. Muss man auch nicht sofort ausprobieren. Peel ist eine "Smart Remote App" unter Android und iOS. Also eine App-Fernbedienung für den Fernseher per Smartphone oder Tablet, die schlauer ist, als die für den Fernseher mitgelieferte mit den vielen Knöpfen. Funktioniert auch (noch) nicht mit allem und überall. Eine von vielen. Aber eine sehr erfolgreiche.

Peel meldet aktuell fast 100 Millionen Nutzer weltweit. Und, wenn man der Homepage glauben mag, steigt deren Zahl weiterhin rasant an. Und Peel will noch weit mehr. "Können wir es schaffen, die Kontrolle über alle Dinge im Wohnzimmer zu bekommen?" fragt sich Peel-CEO Thiru Arunachalam. Und er meint eigentlich das ganze Haus. An Lichtschalter oder Temperatursteuerung ist als nächstes gedacht.

"Smart Home" nennt sich dieser Trend, und wir werden demnächst viel davon hören. Bei Apple soll wohl Apple-TV die Wohnung steuern, auch Google hat viel Geld für den intelligenten "Nest"-Thermostaten ausgegeben und die Telekom hat ihre Smart-Home-Lösungen gerade auf der IFA gezeigt. Während deutsche Firmen dabei eher technisch denken, geht es im Silicon Valley wie üblich zuerst um eines: Kontrolle.

Was braucht man, um die Funktionen eines Hauses bequem zu steuern? Einen Screen. Einen, der möglichst leicht erreichbar ist. Am besten: Den jetzt ja meist intelligenten Fernseher. Denn da sitzen ohnehin fast immer alle davor. Dazu dann die mobile Fernbedienung per App, die von weit weg alles kontrollieren und Licht oder Heizung an und ausschalten kann. Fertig ist das perfekte Kontrollzentrum für das irgendwann gesamte tägliche Leben daheim.

Also geht gerade wieder einmal das große Rennen los. Denn wer die Kontrolle über Haus und Fernsehgerät der Konsumenten hat, wird in der neuen digitalen Welt geschäftliche Möglichkeiten bekommen. Gewaltige Möglichkeiten.

Peel ist eigentlich noch ein Startup-Unternehmen. Der chinesische Alibaba-Konzern, Amazons wichtigster Konkurrent und auch sehr am Thema Film und Fernsehen interessiert, investiert 50 Millionen Dollar in Peel. Eigentlich schon im Frühjahr- aber es wurde erst nach dem kürzlich erfolgten Rekord-Börsengang des E-Commerce-Giganten bekannt gegeben.

"Sie agieren zunehmend wie Risikokapitalgeber", so Arunachalam über Alibaba. "Sie nehmen sich eine Beteiligung, investieren und lassen das Unternehmen kontinuierlich wachsen. Sie sind sehr geduldige Investoren."

Geld verdient Peel im Gegensatz zu manch anderen Startups auch schon. Fernsehsender werben in der App für ihre Programme. Druck von Seiten Alibabas, seine E-Commerce-Angebote in die App zu bringen, gebe es nicht. Vielleicht wird es bald gar keinen Druck brauchen. Vielleicht wäre es bald auch für Peel nur ein logischer nächster Schritt.

Signor Valmano ist nur ein erstes Zeichen. Auch der Kampf um die TV-Spots zwischen YouTube und den Sendern ist erst ein Anfang. Werbung im digitalen Fernsehen wird anders werden. Ganz anders. Nicht Programme und Quoten werden über die Einnahmen entscheiden, sondern Kontrolle. Kontrolle über die Kunden und deren Daten. Im Silicon Valley weiß man das.

Deshalb ist die Fernbedienung so wichtig. Es ist die Schnittstelle für die Daten. Und irgendwann stellt sich vielleicht die Frage: Wer fernbedient wen.

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