Online-Video: Deutsche Werbekunden schlafen weiter

Grafik: VPRT
22% Wachstum erwartet der VPRT, der "Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V." laut seiner aktuellen Prognose zum deutschen Medienmarkt 2014 für den Bereich "der in Streamings eingebundenen Online-Videowerbung". Das hört sich toll an- was wächst in diesen Zeiten schon noch mit Jahresraten über 20%.

Bevor aber wieder von "Boom" und Weltherrschaft die Rede ist: 22% sind weit weniger als 2,7%. Mathematisch erklärt: Entscheidend ist die Ausgangsbasis. Online-Videowerbung erreicht bei 22% Zuwachs nun 244 Millionen Euro, Also in Geld sind das ungefähr 25 Millionen Zuwachs. Klassische Fernsehwerbung wächst um 2,7% auf dann 4,2 Milliarden. Das sind dann in Geld aber gut 100 Millionen mehr. Das heißt: Wenn die Zahlen stimmen, wird der effektive Einnahme-Unterschied sogar noch größer.

Das ist auch nicht verwunderlich- die Preise für Online-Videowerbung orientieren sich noch immer eher am Preisniveau der Internet-Werbung insgesamt. Also billig. Fernsehwerbung aber ist nach wie vor teuer. Das aber wiederum ist verwunderlich. Denn die statistische Abrechnung, wer erreicht wurde und wie viele, ist online doch angeblich viel exakter als bei den GfK-Quoten. Das heißt also, beim Online-Video weiß man theoretisch wesentlich genauer, was man für sein Geld bekommt.

Ja, die zwei ins rote verrutschten Pixel da rechts oben in der Grafik sind die Online-Videowerbung. So lange die Werbekunden es offensichtlich so wollen, wird sich daran auch nichts ändern. Denn für die Agenturen ist es gut, so wie es ist. Für die Jahre 2015 bis 2020 erwarten die für die VPRT-Prognose befragten Experten einen "anhaltenden Audio- und Bewegtbildboom über alle Plattformen, fortschreitende Fragmentierung, weitere Markteintritte und eine zunehmenden Wettbewerbs- und Innovationsdruck."

Im Online Pay-TV von Netflix bis Amazon wird das zutreffen. Das werbefinanzierte Angebot an Programm und "Innovationen" wird sich aber weitgehend auf billigen Ramsch und Drittverwertungen beschränken müssen. Wo bleiben die Agenturen mit Ideen? Bitte Windows Excel herunterfahren, raus auf die Straße treten und nachschauen, wo die Zielgruppe wirklich ist. Die hat so ein Ding in der Hand, schaut die ganze Zeit drauf und es ist kein Kabelfernseher.

Die Welt bewegt sich, die Werbung in Deutschland sollte es endlich auch tun.

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