"Youku Tudou"- ein Sack Reis aus China, mal näher betrachtet

Screenshot: youku.com
Was halten Sie eigentlich von Youku Tudou? Sie wissen nicht, was das ist? Komisch. Im August meldete Youku Tudou eine halbe Milliarde Nutzer. Monatlich. Das ist halb so viel wie YouTube, die machen die Milliarde voll. Aber schon 2007 glaubte Tudou, der eine Teil des chinesischen Doppel-Videoportals, größer zu sein als YouTube. Zumindest bei den ausgelieferten Videominuten. Es gibt dort sehr viel mehr längere Stücke als beim Marktführer und es wird auch länger zugeschaut.

YouTube selbst kann da auch nur zuschauen, die YouTube-Nutzung ist in China gesperrt. Das ist sehr ärgerlich. Denn China, nicht Deutschland, wie einige zur Netflix-Premiere in dieser Woche immer noch glaubten, ist für Hollywood der wichtigste ausländische Markt. Im Juni zum Beispiel startete mit "Transformers 4" die aktuelle Folge für eine der großen Hollywood-Marken in die chinesischen Kinos. Die 210 Millionen Dollar teure Filmproduktion erbrachte dort in den ersten fünf Tagen Erlöse in Höhe von 135 Millionen US-Dollar- 14 Millionen mehr als auf dem US-Heimatmarkt.

Warum hierzulande niemand Youku Tudou kennt, ist relativ leicht verständlich. China ist groß, China ist weit, jeden Tag fällt da irgendwo ein Sack Reis um. Es gibt dort auch noch mit dem von der Suchmaschine Baidu betriebenen "iQiyi" (keine Ahnung wie man das aussprechen sollte) ein weiteres riesiges Video-Portal und alle zusammen beschäftigten sich bisher ausschließlich mit sich selbst und dem gigantischen chinesisch-sprachigen Markt.

Kann uns das egal sein? Nein. Denn da ändert sich etwas, schrittweise und langsam. Mit chinesischem Lächeln und asiatischer Vorsicht tasten sich diese Giganten langsam auch auf dem globalen Weltmarkt voran. Selbst zu uns kommt mit Wuaki.tv demnächst ein Streaming-Angebot mit japanischen Wurzeln und ist dann so etwas wie der erste asiatische Anbieter in unserer Fernseh-Parallelwelt der Bergdoktoren, fröhlichen Nonnen und von Rosen umrankter Fürstenhäuser.

In jedem Fall kann man sicher sein, dass bei Amazon, Google oder Netflix aufmerksam zugehört wird, wenn der Youku-Tudou CEO Victor Koo Variety ein Interview gewährt und dort seine Firma als einen "Hybrid aus Netflix und YouTube" bezeichnet. ( Youku ist für die Spielfilme und Serien, Tudou nach YouTube-Vorbild für die User-Videos zuständig. )

"Wir haben Partnerschaften mit allen Hollywood-Studios und TV-Sendern" sagt Herr Koo da artig und erzählt, dass die BBC-Produktion "Sherlock" ein großer Erfolg für seine Plattform in China war. "Das ist eine Art von Inhalten, die die Chinesen nie zuvor gesehen haben." Bereits 2009 hätte Youku-Tudou selbst damit begonnen, zu produzieren. Viele Web-Serien und Reality-Shows der Plattform liefen jetzt im chinesischen Staatsfernsehen CCTV.

Der Konkurrent mit dem unaussprechlichen Namen hat übrigens jetzt auch ein eigenes Filmstudio.

Auf dem chinesischen Markt für Filmproduktionen sind mittlerweile Erlöse von 16 Milliarden Dollar pro Jahr zu verteilen. "Sesam öffne dich", so hieß es einst bei "Ali Baba und die vierzig Räuber" und der Weg zu den Schätzen war frei. Alibaba heißt seit dem Frühjahr auch ein Hauptaktionär von Youku-Tudou, für schlappe 1,22 Milliarden US-Dollar hat sich der chinesische E-Commerce-Gigant bei Herrn Koo eingekauft.

Ja, der Alibaba, von dem gerade alle hören. Weil der wiederum heute mit seinen Aktien an die Wall Street geht. Und dort höher bewertet wird als Facebook. Satte 168 Milliarden ist Alibaba nach Meinung der Börsianer wert. Das ist mehr als die 150 Milliarden von US-Konkurrent Amazon. In welche Höhle Alibaba-Chef Jack Ma seine neuen Schätze wohl tragen wird?

Nun, nach Hollywood zum Beispiel. Ein "chinesisches Netflix" würde ihn interessieren, dort wo Netflix noch nicht ist. Oder vielleicht nicht hin darf, so wie YouTube. Auch Alibaba-Mitbesitzer Yahoo darf auf Geldsegen hoffen. Die investieren zur Zeit am liebsten in, wer hätte das gedacht, Internetfernsehen und Filme. Alibaba selbst will mit den Börsen-Milliarden auch seine weitere Expansion finanzieren. Da ist nicht mehr von China die Rede, sondern von den USA und - von der EU.

Auch von Gaming und ähnlichem ist zu hören. E-Commerce, Gaming, Film, Fernsehen- die Kombination kommt mir bekannt vor. Ach ja, Alibaba-Konkurrent Amazon und sein Fire-TV.

Alles hängt mit allem zusammen, sagt Buddha. Die Welt des Fernsehens wird neu verteilt und Deutschland ist nicht dabei.

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