So geht Internet. So geht Werbung. Und das beim SPIEGEL..

Screenshot: spiegel.de
Überraschung des Tages: Leute, die begriffen haben. Und das bei der klassischen Presse. Und nicht bei Springer. Wahrscheinlich werden die klassischen "Qualitätsjournalisten" beim Spiegel hohen Blutdruck bekommen, wenn sie das sehen, und sich anschließend in der Kantine zu konspirativ jammernden Runden über die schreckliche neue Internet-Welt im Allgemeinen und den Verfall aller Werte im Besonderen versammeln.

Denn diese Werbefuzzis haben ihnen da schon wieder so etwas schrecklich innovatives untergejubelt. Wer gerade den SPIEGEL online aufruft, sieht dort zwei Herren. Noch viel schlimmer: Zwei Herren, die sich bewegen. Also Bewegtbild. Und noch viel, viel schlimmer: Das, von dem "Qualitätsjournalisten" glauben, es sei am wichtigsten, sieht man gar nicht mehr. Das große Thema. Das mit der sorgfältig formulierten Überschrift.

Der sichtbare Teil der SPIEGEL-Startseite besteht aus Werbung. Nur aus Werbung. Okay, Werbung stört, aber irgendwie muss ja Geld ins Haus kommen. Und es ist innovative Werbung. Werbung, die begriffen hat, dass Internet auf Bildschirmen "ausgedruckt" wird. Und dass sich die Bilder dort bewegen können. Sogar "live". Werbung, die deshalb viel mehr Erkenntnisse über die Zukunft der Zeitung im Internet zeigt als Millionen Sitzungen, Kongresse und Studien vorher.

Es ist ein Live-Bild. Die Bauklötzchen-Firma LEGO ermittelt, wer den Volvo L350F Radlader schneller aufbauen kann- "Profi" Pascal oder "Herausforderer" Martin. Aus Lego-Steinen natürlich. Das ist nur nervige Werbung, ja. Aber so wie es gemacht wurde, dürfte es etliche Besucher von den qualitätsjournalistischen Texten weglocken.

Sorry, liebe Textschreiber beim Spiegel. Das Internet ist auf Screens. Auf Screens können die Bilder laufen lernen, Menschen miteinander reden und digitale Animationen wundersame neue Welten zeigen.

Ja, es kann auch Texte zum Lesen zu den Leuten bringen. Eine Zeit lang war dies sogar der wichtigste Bereich im Internet. Aber nicht, weil die Konsumenten dies so wollten. Bewegte Bilder brauchen mehr Daten. Das Internet und die vielen angeschlossenen Geräte von Smartphone bis Fernseher mussten erst die notwendige Leistungsfähigkeit entwickeln, so dass das nun alles unkompliziert möglich wird.

Jetzt ist es so weit. Es wird keine Zukunft für Zeitungen im Internet geben. Es wird Nachrichten im Internet geben. Die werden auch noch Texte haben. Der Löwenanteil der Texte wird allerdings Off-Ton unter Bewegtbildern sein. Der Rest wird wahrscheinlich vorgelesen. Aber so etwas mit Buchstaben, wie ihr es euch vorstellt, zum selbst lesen- so etwas wird nur noch eine Minderheit immer seltener nutzen.

Das ist sicher ein Verlust. Und was für einer- auch "Netz-TV" ist schließlich aus Text. Aber die Zukunft blickt eher schon über Bewegtbild hinaus Richtung Virtual Reality auf mehr oder weniger schönen Brillen von Google Glass bis Oculus Rift. Kann man nicht ändern. Ist so.

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