Schnittfehler im System. Die öffentlich-rechtliche Ukraine

"De Bambergische Peinliche Halsgerichtsordnung 085" - Scan der Original-Buchvorlage. Quelle: Wikimedia
Da hat sie aber noch einmal Glück gehabt. Der Straftatbestand der Majestätsbeleidigung wurde in Deutschland, so lernen wir von Wikipedia, unter Kaiser Wilhelm II.  ( oha! ) faktisch abgeschafft.

Sonst hätte Gesine Lötzsch vom ZDF gewiss "schwere straff erfaren" so wie "De Bambergische Peinliche Halsgerichtsordnung" das eigentlich vorsah. Denn sie hat wohl eindeutig Majestäten beleidigt. Nein, eigentlich noch schlimmer. Sie hat die ZDF-Berichterstattung kritisiert. Zur Ukraine.

Nun ist Gesine Lötzsch, was wir auch aus Wikipedia entnehmen können, 1984 in die SED eingetreten und wurde aus der DDR 1987 zu einem "Auslandssemester" zum Studium in die Niederlande entsandt. Tss... tss... Und noch das eine oder andere mehr. Also vielleicht nicht unbedingt die ideale Jeanne d’Arc der demokratischen Pressefreiheit. Andererseits ist Gesine Lötzsch Bundestagsabgeordnete für "Die Linke". Und seit kurzem sogar Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages. Also auch nicht irgendwer. Schon ein wichtiger Amtsträger für unsere Republik. Deshalb ist es interessant, wenn sie jetzt vom ZDF sogar per offizieller Pressemitteilung heruntergeputzt wird. Und so wohl auch noch nicht dagewesen.

"Das ZDF weist Versuche, seine Krisenberichterstattung über die Ukraine zu diskreditieren, zurück. Das ZDF hat sich immer wieder kritisch mit den Gruppen des "rechten Sektors" in der Ukraine auseinandergesetzt, die Russland-Politik der NATO kritisch analysiert und etwa den russischen Botschafter in Berlin mehrfach in die Talksendung „maybrit illner“ eingeladen. Der Fernsehrat hat in seiner letzten Sitzung die Berichterstattung des ZDF aus der Ukraine und Russland ausdrücklich gewürdigt und unterstützt."

Naja- nicht der ganze Fernsehrat. Gesine Lötzsch sitzt da drin- für "Die Linke". Und nervt mit Fragen zur Ukraine-Berichterstattung. Und trifft damit offensichtlich einen mittlerweile ziemlich wunden öffentlich-rechtlichen Punkt.

Denn mit Donnerhall schallt es zurück vom Lerchenberg. ZDF-Chefredakteur Peter Frey "stellt klar", so lesen wir Gebührenzahler da: ( nein, besser erst mal die Hacken zusammen ) "Mit Kritik an seiner Berichterstattung setzt sich das ZDF selbstverständlich auseinander. Ich habe Fragen von Frau Lötzsch weder unbeantwortet gelassen noch kritisiert. Die Fragen in der Plenarsitzung des ZDF-Fernsehrats bezogen sich auf einen Schnittfehler bei einer Übersetzung im "heute-journal" sowie auf das Zeigen von verfassungswidrigen Symbolen in der "heute"-Sendung vom 8. September 2014. Ich habe die Situation genutzt, um meine Mitarbeiter, die oft unter Einsatz ihres Lebens über Krisen in der Welt berichten, gegenüber Vorwürfen zu verteidigen. Zu beiden Fragen von Frau Lötzsch habe ich Stellung genommen."

Und der Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats, Ruprecht Polenz, ergänzt: "Der Bericht im Handelsblatt stellt den Verlauf der Sitzung auf den Kopf. Wie zuvor der zuständige Programmausschuss Chefredaktion hat auch der Fernsehrat die Krisenberichterstattung des ZDF zur Russland-Ukraine-Krise und zum Gaza-Krieg ausdrücklich anerkannt und gelobt. Es gab lediglich eine einzige - und vom Handelsblatt ausführlich zitierte - andere Meinung."

Na dann ist ja alles in Ordnung. Ich bin sicher völlig allein mit dem Eindruck, dass die lobenswerte Berichterstattung "unter Einsatz des Lebens" im wesentlichen aus Hörensagen aus dem Studio bestand und man schon bei Vice gucken musste, um wirklich Authentisches zum Thema zu sehen.

Ein "Schnittfehler" eben. Da ist das ZDF ja noch einmal davongekommen. Bei der ARD ging es da bis an die "journalistische Ehre". Da hatte doch der Programmbeirat seine Meinung zum gleichen Thema geäußert. Natürlich streng intern. Was dann irgendein böser Mensch an diese "Internetzmedien" durchsteckte. Dort konnte man dann erstaunt Worte wie "fragmentarisch", "tendenziös", "mangelhaft" und "einseitig" zur öffentlich-rechtlichen Ukraine-Berichterstattung lesen. Dies, und dass es herauskam löste Empörung bei den ARD-Verantwortlichen aus. Die abgelieferte journalistische Leistung fand man selbstverständlich ebenfalls lobenswert.

Was fällt einem dazu noch ein? Schauen wir doch lieber einen schönen Film oder eine Serie. Aber auch da ist neuerdings ja irgendwie der Wurm drin. Allgemeine Ratlosigkeit... Vielleicht geht nur noch die perfekte Lösung- frei nach Bertolt Brecht:

Die Lösung

Nach dem Auseinandersetzungen in der Ukraine
ließen öffentlich-rechtliche Intendanten Flugblätter verteilen.
Auf denen zu lesen war, dass das Publikum Das Vertrauen seiner Intendanten verscherzt habe.
Und es nur durch verdoppelte Anstrengungen zurückerobern könne. 
Wäre es da Nicht doch einfacher, 
die Intendanten lösen das Publikum auf 
und wählen ein anderes?

Wir schalten zurück zum Journalismus.

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