RTL - Fallobst statt Rising Star

Screenshot: rtl.de
Unten in der Stadt wirbt ein großes Plakat noch immer für die neue "interaktive" Casting-Show. Groß. Bunt. Unübersehbar. Direkt an der Hauptstraße. Teuer. RTL hat keine Kosten gescheut. "In zehn Liveshows entscheidet IHR zusammen mit der Promi-Jury um Anastacia, Gentleman, Joy Denalane und Sasha, wer der "Rising Star" 2014 wird." So wurde es versprochen.

Morgen Abend, am Donnerstag, ist der siebte Sendetermin- und Schluss. In einem Marathon-Finale endet das aufwändige Projekt vorzeitig.

Am Samstagabend schalteten gerade einmal 1,11 Millionen Zuschauer "Rising Star" ein, der Marktanteil lag damit bei 4,1 Prozent - in der "werberelevanten" Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen waren es noch 5,9 Prozent. Der Wunsch von "Rich" fürs Finale ging vielleicht vorfristig in Erfüllung. Möglicherweise hat es schon "richtig geknallt" beim Sender.

Es hätte so schön sein können. "Das Konzept vereint ein noch nie dagewesenes Votingverfahren mit den klassischen Elementen einer Musik-Castingshow. An Stelle von Telefon-Votings stimmt der Fernsehzuschauer zuhause mittels einer kostenlosen, mobilen App in Echtzeit während der Performance ab - sichtbar für den Künstler und das Publikum. Der Zuschauer entscheidet genauso wie die Promi-Jury live, wer in die nächste Runde kommt, wer aussteigen muss und wer der "Rising Star" wird. Die größte Macht haben aber Zuschauer und User."

Was ist passiert? Wo liegt der Fehler? Die Ratlosigkeit der Verantwortlichen bei Deutschlands (noch) marktführendem Privatsender lässt sich fast mit Händen greifen.

Dabei ist es doch so simpel und einfach. Vielleicht ist es aber tatsächlich so: Das Silodenken prägt die deutsche Medienwirtschaft. Auch bei RTL. Casting war so lange und immer erfolgreich. Man kann sich offensichtlich nicht vorstellen, dass es auch einmal anders werden könnte. Man kann sich andere Programminhalte als die, die schon lange im Silo kreisen, offensichtlich nicht mehr vorstellen. Ja, das Konzept war nicht schlecht. Die Show wurde aufwändig und professionell produziert. Offenkundig glaubt aber ein großer Teil des Publikums mittlerweile genug Casting gesehen zu haben.

Der sinkende "Rising Star" ist auch kein gutes Vorzeichen für die bevorstehende nächste "DSDS"-Staffel. Es besteht akute Gefahr, dass nicht mehr Deutschland den Superstar sucht, sondern zu wenige. Heino als Juror soll es nun retten. Das passt.

Denn schon vor gut einem Jahr gab es schon viele Gründe, hier das Verschwinden der Länderpunkte bei RTL zu bedauern. Netz-TV damals: "Aber irgendetwas stimmt nicht mehr. Auf meiner Fernbedienung wandert der Sender von Jahr zu Jahr weiter nach hinten- dabei gehöre ich nicht zu den üblichen "Programmjammerern" welche meinen, gutes Fernsehen könne nur werbefreies Staatsfernsehen sein und Privatfernsehen sei ohnehin nur eine schlimmer, unnützer Auswuchs der kapitalistischen Markt-Hölle. Was ist es? Ganz einfach: Auf der Suche nach Frischluft im TV-Programm wird der Zuschauer heute im RTL-Programm nicht mehr fündig.... Nach dem Abschied von Helmut Thoma haben wohl die Controller die Macht bei RTL übernommen- man sucht die Zukunft des Senders in Excel- Tabellen statt überraschenden Programm-Ideen."

Jetzt kommen neben den öffentlich-rechtlichen Konkurrenten und ProSiebenSat1 auch noch die großen US-Streamingportale als Konkurrenten um die Zuschauer hinzu. Und setzen, wie Netflix oder Amazon auf Inhalte in großer Vielfalt und Qualität. Am liebsten auf Inhalte, von denen der Zuschauer sagt: "So hab ich das noch nie gesehen." Inhalte, die nicht unbedingt die "werberelevante" aber dafür die "werbeinteressante" Zielgruppe anziehen. Die, die nach der Rundfunkgebühr noch Geld zum Einkaufen übrig hat. Schwierige Zeiten kommen.

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