Netflix ist da. Und die Welt dreht sich weiter.


Netflix ist da. Die Sonne scheint. Alles ist wie immer. Nein, das Wetter ist neu. Kann das sein?
"Wir sind stolz darauf, die Zukunft des Fernsehens nach Deutschland zu bringen", so Reed Hastings, Mitbegründer und Chief Executive Officer von Netflix. "Die deutschen Verbraucher haben nun sofortigen Zugriff auf eine tolle Auswahl an Serien und Filmen - jederzeit und überall." Ist Netflix die Zukunft des Fernsehens?

Naja, Netflix allein würde mir zum Beispiel nicht ausreichen. Ich gebe zu, dass der Inhalt einen auch nicht unbedingt dazu zwingt sich ein weiteres Abo, wie günstig auch immer, ans Bein zu binden. Aber man kann ja jeden Monat damit aufhören...

"Wir müssen den Menschen beibringen, dass sie ihr Fernsehprogramm selbst gestalten können. Und dass es ein Leben ohne Werbung gibt - auch vor 20 Uhr", sagt Hastings im Gespräch mit dem Wall Street Journal. Hmmh. Offenkundig hat man sich bei Netflix intensiv mit den deutschen Gepflogenheiten beschäftigt.

Die erste Resonanz auf das Angebot ist überwiegend wohlwollend. Auch zumindest die ersten zwei Staffeln "House of Cards" sind schon "drin". Ein schönes Beispiel dafür, dass nicht alle Berichte im Vorfeld auf Fakten gründeten. Technisch ist das Angebot ebenfalls top. Bis auf einige wenige, die am Morgen Anmeldeprobleme hatten, scheint alles reibungslos zu laufen.

Ab heute geht es für Netflix Deutschland hinaus aus der Welt der Euphorie und hinab in die Mühen des Wettbewerbs um jeden Abonnenten. "Wir brauchen etwa zehn Prozent der ans Internet angeschlossenen Haushalte in einem Land, um die Gewinnschwelle zu erreichen", so Hastings. Hehe- gerechnet hat er auch schon. Ob er schon ahnt, wie schwer das wird in einem Land, in dem jeder schon knapp 18 Euro "Rundfunkgebühr" bezahlt? Und vielleicht Kabel-TV? Und Sky, denn Bundesliga muss sein? Und dann vielleicht noch Amazon Prime Video, weil das Portogebühren spart? Wo es auch noch Maxdome, Mediatheken, Watchever und what ever gibt? Zehn Prozent der Haushalte in diesem beinharten Wettbewerbsumfeld wären wohl ein grandioses Ergebnis.

Entscheiden werden Preis und Leistung, also die Inhalte. Bei beidem ist Netflix für einen Anfang sehr gut aufgestellt. Denn es ist davon auszugehen, dass sich die Bibliothek ständig weiter füllt- mit Eigenproduktionen genauso wie mit zugekauften Rechten und vor allem mehr HD und später auch UHD-Inhalten. In fünf bis zehn Jahren, so glaubt man bei Netflix, könnte eine Marktposition ähnlich der in den USA auch in Deutschland erreicht werden.

Der Hauptanteil der Netflix-Inhalte sind natürlich US- und internationale Produktionen. Interessant wird es sein, zu sehen, inwieweit es Netflix schafft die Deutschen davon zu überzeugen, dass Originale besser als synchronisierte Versionen sind. Hier sei der deutsche Markt "ein wenig speziell", so Neil Hunt, Chef der Netflix-Produktentwicklung gegenüber dem "Wall Street Journal". Der Aufwand für die Synchronisation sei aber relativ gering. Für die DVD-Vermarktung hätten die meisten Produktionen bereits entsprechende Tonspuren und für Netflix-Eigenproduktionen plane man die Synchronisation gleich mit ein.

"Wir glauben aber, dass viele Menschen auf Untertitel umstellen, wenn sie erst mal herausfinden, wie schön es ist, die Originalstimme der Schauspieler zu hören." Richtig. Ich glaube aber, dass sie dann dennoch wieder auf die synchronisierte Fassung zurückgreifen. Fernsehen ist ein Leanback-Medium. Die Dialoge von "House of Cards" im Original zu verstehen verlangt sehr gute Englisch-Kenntnisse und ständiges Mitlesen ist bei dem Tempo sehr anstrengend. Egal wie es kommt- Netflix will als guter Dienstleister immer beide Versionen bereitstellen.

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