IFA 2014 - Götterdämmerung fürs Fernsehgerät ?

IFA 1985: Telefunken präsentiert den Videotext mit "Flutlicht-Fernbedienung" Foto: IFA
Es war die Berliner Funkausstellung 1939, die mit dem Fernseh-Volksempfänger E 1 das erste erschwingliche Fernsehgerät präsentierte. Beteiligt waren die Firmen "Fernseh AG" (Bosch/Blaupunkt), Loewe, C. Lorenz AG, "Süddeutsche Telefon- Apparate-, Kabel- und Drahtwerke A.G." (TeKaDe) sowie die Telefunken GmbH. Die Arbeitsgemeinschaft führender deutscher Rundfunkgerätehersteller hatte den "Einheits-Fernseh-Empfänger" entwickelt, damit auch der "normale Reichsbürger" die bereits seit 1935 in Berlin durch die "Reichs-Rundfunk-Gesellschaft" ausgestrahlten Sendungen emfangen könne. Der Empfänger war praktischerweise von vornherein nur zum Empfang eines einzigen Kanals in der Lage.

Zur Massenproduktion des E 1 kam es nicht mehr. Statt die Welt daheim in Bildern zu empfangen, sollten die normalen Reichsbürger statt dessen mit dem Gewehr in die Welt hinausziehen, um für den Führer den 2. Weltkrieg zu gewinnen. Es dauerte 11 Jahre, bis es im Jahr 1950 in Düsseldorf wieder eine Funkausstellung gab. Erst 1961, 22 Jahre später, traf man sich wieder in Berlin. Seit 1939 aber ist das Fernsehgerät der eigentliche Grund, warum viele Menschen Funkausstellungen besuchen.

75 Jahre später könnte die IFA 2014 ein Wendepunkt sein. Noch im Vorjahr waren die neuen UHD-TV-Geräte das eigentliche Messe-Highlight. Auch in diesem Jahr wird es bunte Wände aus riesigen Flachbild-Glotzen geben, aber es ist irgendwie anders. Das Fernsehgerät verliert an Bedeutung.

TV-Geräte der Marke Telefunken gibt es immer noch. Die kommen aber größtenteils aus der Türkei und haben außer dem Namen mit der einstigen deutschen Traditionsfirma nichts mehr gemeinsam. Marktführer bei Fernsehgeräten ist der koreanische Konzern Samsung. Der hatte heute aus Anlass der IFA die Presse zum großen "Unpacked"-Event der technischen Highlights ins Tempodrom geladen.

Samsung Note Edge Screenshot: YouTube
Nein, es gab keinen Fernseher zu sehen. Obwohl Samsung zweifellos auch tolle neue Fernsehgeräte hat. Aber die sind für das Samsung-Geschäft nicht mehr entscheidend.

Alle vorgestellten neuen Produkte hatten jedoch einen Bildschirm. Gezeigt wurden das "Phablet" Samsung Galaxy Note 4, dessen neueste Variante Note Edge mit abgewinkelten Oled-Screen, eine "smarte Uhr" (Gear S) sowie das Gear Virtual Reality Headset in Zusammenarbeit mit der Firma Oculus Rift.

Das Event wurde weltweit live per YouTube übertragen. Anschließend ging es unter romantischen Violinenklängen in den Showroom hinter der Bühne, wo die schönen neuen Dinge zum Ausprobieren gedämpft illuminiert auf edlen Vitrinen für Presse wie Blogger bereitlagen. Ziel dieser Veranstaltung für Samsung war es wohl, möglichst viele Spontan-Reaktionen wie diese zu erreichen:

Screenshot: Twitter
Denn diese Vorstellung hat natürlich auch damit zu tun, dass in den nächsten Tagen Großes von der Konkurrenz mit dem angebissenen Apfel erwartet wird. Apple lädt aber nicht nach Berlin, sondern nach Cupertino ins "Flint Center for the Performing Arts", wo vor 30 Jahren der erste Macintosh-Computer der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Und auch von Apple wird wieder kein Fernsehgerät erwartet. Denn Fernsehgeräte sind ein schwieriges Geschäft und nur noch ein Screen unter vielen. Vielleicht bald nur noch ein Nebengeschäft. Firmen wie Marvel wollen zum Beispiel jetzt auch Virtual-Reality-Inhalte für Samsungs Oculus Rift-Version produzieren. Die Brille soll praktisch ein 360 Grad-rundum-Fernseher werden und den gleichen Bild-Eindruck wie ein kinogroßer Fernseher simulieren. Aber die Funkausstellung beginnt offiziell erst am Freitag. Vielleicht kommt ja noch was.

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