YouTube zahlt 60% mehr an Partner in nur einem Jahr

Screenshot: YouTube / VideoDay
Lady Gaga und Kylie Minogue werden erst im Oktober in der Kölner Lanxess Arena auftreten. Schon an diesem Freitag jedoch und vor allem am kommenden Sonnabend ist dort mit möglicherweise noch größerem Fan-Auflauf zu rechnen. Auftreten werden Stars mit so klingenden Bezeichnungen wie "Digges Ding", Rotpilz oder SexyJulia. Naja, zumindest Namen wie "Die Aussenseiter", LeFloid, Kollegah, Y-Titty oder Daaruum wird der eine oder andere schon einmal gehört haben.

Köln erwartet die "VideoDays 2014".

Europas größtes YouTuber-Treffen startete 2010 mit 400 Besuchern als kleine Zusammenkunft im Rahmen der "Gamescom". In den Jahren danach waren die "VideoDays" stets überfüllt und ausverkauft, egal in welch immer größerer Location das Event auch stattfand. Im Vorjahr kamen etwa 10.000 in die Lanxess-Arena. In diesem Jahr könnten es 15.000 werden, die ihre Stars aus dem Netz einfach mal live erleben oder ein Autogramm ergattern wollen.

Das Phänomen YouTube ist mit althergebrachtem Medien-Denken nach wie vor schwer greifbar, aber unzweifelhaft da. Einige etablierte TV-Player glauben immer noch, es wegreden zu können. Andere versuchen irgendwie mit in das Geschäft einzusteigen. Oder ganz einfach vorhandene TV-Inhalte per YouTube weiter zu verwerten. Ein wirklich zuverlässig funktionierendes Zukunftskonzept gegen den globalen Angriff der Plattform auf die lukrativen TV-Werbemärkte steht aber noch aus.

Dieser Angriff kommt von zwei Seiten. Einerseits nimmt man den Fernsehsendern die lukrativste, die von allen Werbern so heiß umkämpfte jugendliche Zielgruppe weg. Die da oben im Foto, wenn sie nicht in Köln sind, dann gucken sie wahrscheinlich YouTube. Und anscheinend werden es immer noch mehr.

Vielleicht aber noch viel folgenreicher ist die durch astronomische Abrufzahlen entstehende Explosion der statt teurem TV alternativ buchbaren Plätze für Spots. Targeting wird da immer wichtiger, auch da ist das Internet natürlich vorn und vor allem wird das gigantische Überangebot irgendwann zwangsläufig zu fallenden Preisen führen. Und damit den Markt für immer verändern.

Susan Wojcicki heißt seit einem halben Jahr die YouTube-Chefin und Re/code hat mit ihr darüber ein Interview geführt. Um zu erfahren, dass die YouTube-Chefin im Dezember ihr fünftes Kind erwartet. Mmh. Wäre das eigentlich in Deutschland für die Chefin eines Multimillarden-Medien- und Marketingunternehmens möglich? Aber eigentlich ging es um die zuletzt oft thematisierte angebliche Unzufriedenheit vieler Stars unter den YouTube-Partnern mit den Werbeeinnahmen. Weshalb diese nach neuen Möglichkeiten oder gar anderen Plattformen suchen würden.

Dazu eine selbstbewusste Antwort von Susan Wojcicki: "Wenn Sie ein Content-Ersteller sind, suchen sie nach zwei Dingen. Sie suchen nach Promotion und Vertrieb sowie nach Einnahmen. Wir bieten beides. Bei uns schauen mehr 18-35-jährige zu als in jedem Kabel-TV-Netzwerk. Wir haben eine Milliarde Nutzer. Wenn Sie sich die Partner-Einnehmen anschauen, liegen die 60% über dem Vorjahr. Aus der Sicht eines großen Video-Netzwerks arbeiten wir auf einer Menge verschiedener, bewährter und funktionierender Wege zusammen. Unser "Google Preferred" ist so ein Weg, auf dem die größten ein oder fünf Prozent zu mehr Werbe-Dollars kommen, und wir bieten es ihnen. Wir schalten selbst Anzeigen, um sie als Marken zu bewerben, wie bei "Vice" oder "Epic Rap Battles". Weil wir erkannt haben, dass Promotion ein wichtiger Bestandteil des Ganzen ist."

Das Ergebnis: "Wir sehen einen erheblichen Anstieg der Bekanntheit der Marke und einen erheblichen Anstieg beim Traffic." So nicht gesagt, aber als Botschaft doch unüberhörbar: Wir haben die Zuschauer. Und ohne Zuschauer gibt es auch nicht mehr Geld.

Der YouTube-Aufstieg geht weiter. 60% mehr für die Partner bedeutet auch 60% mehr für YouTube- und trotz vielerlei Unkenrufe steigende Marktanteile am Werbemarkt. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar, im Gegenteil, es ist erst ein Anfang.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: