"Yahoo Screen" ist da. So dunkel, wie die Strategie, die dahinter steht

Screenshot: de.screen.yahoo.com
"Können Sie mir erklären, was Yahoo eigentlich ist?" Zur "TechCrunch Disrupt" im Mai in New York musste sich Yahoo-Chefin Marissa Mayer vom TechCrunch-Gründer Michael Arrington diese etwas provokative Frage gefallen lassen. Eine wirkliche Antwort darauf bekam auch er nicht. Das spiele keine Rolle, so Marissa Mayer. Yahoo müsse sich darauf konzentrieren, Produkte zu entwickeln, "die die Menschen lieben und die ihnen einen Mehrwert bieten".

Tja. Ist es es das nun? Ich weiß nicht. Marissa Mayer glaubt daran, dass diese Produkte im Netz vorrangig Bewegtbild-Produkte sein werden. Das ist schon seit geraumer Zeit klar. Und mit Sicherheit auch nicht falsch. So hat man mit der Produktion hochwertiger Serien für das Netz begonnen. In einer Kooperation mit Live Nation gibt es in den USA sogar seit 1. Juli täglich ein Live-Konzert zu sehen.
Und es gibt jetzt "Yahoo Screen"- "noch mehr Videounterhaltung in übersichtlichem Design", so die Pressemitteilung.

Na ja, das Design ist relativ schwarz. Aber die Vielfalt des Angebots ist beachtlich. Sehr beachtlich. "Yahoo bietet jetzt noch mehr Videos aus den Themenbereichen Nachrichten, Lifestyle, Kino, Wissen, Comedy und aus der Welt der Stars. Durch die Partnerschaft mit der Musikplattform VEVO stehen mehr als 100.000 Musikvideos zur Verfügung - und täglich kommen neue dazu. Neben Live-Videos und Interviews bietet Yahoo auch aktuelle Musik-Clips von Cro über One Direction bis hin zu Katy Perry. Neu im Angebot sind auch Clips aus der "heute show" und dem Wirtschaftsmagazin "WiSo" sowie Highlight-Zusammenschnitte der Talkrunden mit Markus Lanz. Einen guten Einblick in Digitalthemen liefern die Videos der Technikexperten von CHIP mit Informationen zu den besten Gadgets und hilfreichen Tutorials. Kriminalist und Autor Stephan Harbort behandelt in der exklusiv für Yahoo Screen produzierten Serie "Criminal Insider" spektakuläre Kriminalfälle."

Soso, Markus Lanz, die "heute show" und "WiSo". Das öffentlich-rechtliche ZDF zeigt im Bereich "NewTV" seine Perlen statt als "Germanys Gold" immer mehr bei privaten Plattformen wie zum Beispiel auch bei Watchever. Aber der wohl interessanteste Teil kommt erst noch: "Das neue Yahoo Screen bietet auch zahlreiche Formate deutscher Internetstars, darunter Comedy von Y-Titty, ApeCrime oder TheClavinover. Jasminar, Daaruum, Alive4Fashion, MyStyle&Fashion oder Madame Tamtam zeigen in ihren Videos Neues aus den Bereichen Mode, Beauty und Lifestyle. Die Shows "Was Geht Ab" und "TopZehn" präsentieren News und Wissenswertes für eine junge Zielgruppe."

Das "Y" bei Y-Titty steht für YouTube. Das sind deutsche Stars der Google-Plattform. Die sicher nicht zu Yahoo gewechselt sind. Sondern dort eine zusätzliche Einnahmemöglichkeit suchen. Und genau da liegt das Problem. Zweifellos sind da viele Produkte dabei, "die die Menschen lieben und die ihnen einen Mehrwert bieten". Welchen auch immer. Aber das kostet Geld. Viel Geld. Wie kommt es wieder herein? Allein durch Werbung? Wird es eher ein Netflix oder ein neues YouTube? Netflix bekommt Abo-Gebühren und kann dadurch hochwertig selbst produzieren. YouTube produziert gar nichts, ist durch die gigantischen Abrufzahlen auch werbefinanziert profitabel und kann davon seinen Inhalte-Lieferanten noch ein paar Groschen abgeben.

Sicher werden Y-Titty & Co. auch bei Yahoo Zuschauer finden. Aber die gigantische YouTube-Community, die "Social Media"-Basis, auf der ihre unglaublichen YouTube-Abrufzahlen gründen- die ist dort nicht. Alle bewundern Netflix dafür, dass sie aufwändige Qualitäts-Serien produzieren und refinanzieren. Mit vielen und dadurch bezahlbaren Abonnements. Wie aber soll Yahoo Screen funktionieren?

Der Google-Weg zum Erfolg, den Marissa Mayer einst maßgeblich begleitete, bestand darin, etwas Großes zu bauen. Etwas, was die Menschen liebten und was ihnen einen Mehrwert bot. Erst danach suchte man den Weg, um damit Geld zu verdienen und fand mit "Adwords" so etwas wie eine unerschöpfliche Ölquelle, die alles, was danach kam, finanzierte. Yahoo ist eine Aktiengesellschaft. Das Geld, was Marissa Mayer für ihre neue Strategie ausgibt, kommt nicht unwesentlich auch vom chinesischen E-Commerce-Giganten Alibaba. Alibaba ist groß. Sehr groß und sehr profitabel. Yahoo hatte dort einst Anteile erworben, die jetzt nach und nach verkauft werden.

Bei Google bestimmen die Gründer ganz allein den Weg, auch nach dem Börsengang. Bei Yahoo nicht. Die Aktionäre murren. "Ich denke, dass viele große Yahoo-Aktionäre über ihre Leistung als CEO frustriert sind", so Eric Jackson vom Hedgefond "Ironefire Capital". "Es war immer klar, dass es keine einfache Aufgabe ist. Aber sie hat sich immer wieder selbst in den Fuß geschossen. Nach den letzten Akquisitionen für über 2 Milliarden Dollar ist zu befürchten, dass die Alibaba-Einnahmen verschwendet wurden."

Was auch immer Marissa Mayer mit Yahoo vorhat, sie muss es schnell tun. Und es muss schnell Einnahmen und Gewinne erzielen. "Yahoo Screen" ist ein interessantes Angebot. Aber es ist nicht das, was die Yahoo-Chefin jetzt braucht.

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