Vice News ist jetzt 2,5 Milliarden wert, CNN entlässt

Screenshot: vice.com/de
Naja, vorbehaltlos unterschreiben würde ich die Werbebotschaft oben nicht. Aber wenn Journalismus und Nachrichten eine digitale Zukunft haben, dann ist diese derzeit wahrscheinlich zuerst bei Vice zu erahnen. Zumindest auf deren internationalem YouTube-Kanal. Die deutsche Textversion von Vice verbreitet auch oft mit Klicktrends, Genderthemen oder allerlei sonstigen "ich muss jetzt was schreiben obwohl eigentlich nichts passiert ist"- Artikeln zum Teil eher noch den mittlerweile doch etwas öden Charme von Huffington Post und Facebook.

Der eigentliche Grund des Vice-Erfolgs ist der durchaus ernsthafte Versuch, die Fernsehnachrichten ins digitale Zeitalter zu bringen. Denn ja, auch wenn sich viele es im Moment noch kaum vorstellen können: So wie wir es kennen und für "normal" halten, mit "Tagesschau" oder "heute", so geht es nicht ewig weiter. TV-Nachrichten werden wohl ein "on demand"-Event werden, ohne feste Anfangszeiten um 20 Uhr und, noch wichtiger, mit "on demand"-Themen. Themen, die der Zuschauer auswählt, keine Redaktion.

Ob es normal werden sollte, dass Opfer von Flugzeugabstürzen in Nahaufnahme gezeigt werden, muss noch ausdiskutiert werden. Dass Vice allerdings zum Beispiel mit der Dokumentation über den "islamischen Staat" der ISIS in Irak und Syrien Maßstäbe gesetzt hat, ist unbestritten.

Rupert Murdoch war wie oft der erste, der den richtigen Riecher hatte und vor ziemlich genau einem Jahr 5% der Vice-Anteile für seine 21st Century Fox einkaufte. Er bezahlte dafür 70 Millionen Dollar- das bedeutet, der Wert von "Vice" wurde vor einem Jahr auf etwa 1,4 Milliarden geschätzt.

Das Investment ist offenkundig, was im Medienbereich in diesen Tagen schon allein eine bemerkenswerte Nachricht ist, eine sehr rentable Geldanlage. Denn Vice hat jetzt weitere Anteile verkauft, diesmal 10%. Käufer ist der Fernsehsender "A&E Networks". Der gehört zu Disney und der Hearst Corporation und wird ab September auch in einer deutschen Ausgabe bei uns zu empfangen sein. Und "A&E Netwoks" bezahlt diesmal 250 Millionen Dollar für die 10%- taxiert den Wert von Vice also jetzt auf 2,5 Milliarden. Ein schöner Wertzuwachs in nur einem Jahr.

"A&E" versendet in den USA Programmperlen wie "Ducks Dynastie", wie Vice dazu passt, muss die Zukunft zeigen. CNN-Eigentümer TimeWarner wollte laut "New York Times" sogar mit 40% bei Vice einsteigen, taxierte den Wert des neuartigen Medien-Imperiums aber nur mit 1,5 Milliarden. Der Deal scheiterte jedoch nicht nur an den unterschiedlichen Wertvorstellungen.

"Wir haben mit vielen unterschiedlichen Partnern geredet", so Shane Smith, Vice’s charismatischer "Chief Executive". "Das Wichtigste, nach dem wir gesucht haben, war komplette Unabhängigkeit. Jeder wollte Mehrheits-Anteile oder große Anteile. Wir wollten keine großen Anteile abgeben."

Shane Smith kann also jetzt mit neuen Dollars in der Tasche seinen eigenwilligen Weg mit Vice weitergehen. "Das ist eine Schatzkiste für den Krieg", so seine Interpretation. Vice ist wöchentlich für 30 Minuten beim HBO-Channel auch im Fernsehen zu sehen, verkauft eifrig seine einmaligen Bilder an Sender in aller Welt und sogar von einem 24-Stunden-Nachrichtenfernsehen ist schon die Rede.

Auf jeden Fall hat Vice jetzt genug Geld für neue Inhalte, die für Diskussion sorgen werden. Das Ziel eines eigenen, globalen und unabhängigen Nachrichten-Netzwerks für alle Plattformen, die einen Screen haben, von Mobil bis TV, hat Shane Smith weiter fest im Blick.

CNN, einst der internationale Goldstandard für Fernsehnachrichten, baut dagegen Personal ab. Lisa Dejardin, bis vor kurzem noch Reporterin für CNN im "House of Cards", dem Washingtoner Kapitol, verabschiedet sich mit einem Video- und der Nachricht, "viele andere seien besorgt um ihre Jobs":

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