Und es geht doch: "Gomorrha" - Europa kann Serie (2)

© Beta Film
"Das ist ja wie Sodom und Gomorrha." So pflegte Oma einst zu sagen, wenn sie auf Dinge, Vorgänge oder Verhältnisse traf, die nach ihrem sehr traditionellen Welt- und Ordnungsverständnis so nicht sein sollten. Sodom und Gomorrha waren laut dem alten Testament Städte, die Gott unter einem Regen aus Feuer und Schwefel versinken ließ, da sie der Sünde anheim gefallen waren. Zum Glück guckt Gott wohl heute nicht mehr so genau nach. Sonst müssten Fernsehstudios sicher oft mit Asbest gebaut werden, auch wenn das gesundheitsgefährdend ist. Nun kommt "Gomorrha" nach Deutschland, ohne Feuer und Schwefel, und diesmal wird Gomorrha von TV-Fans mit Vorfreude erwartet.

Denn "Gomorrha" ist jetzt eine Serie fürs Fernsehen. Und Fernsehserien sind die Romane des neuen Jahrtausends, Fernseh-Ereignisse, die neue Trends wie "Binge-Watching" hervorbringen und eigentlich immer aus den USA kommen. So wie "Breaking Bad", gerade nochmaliger "Emmy"-Gewinner, "House of Cards", "Game of Thrones", "Hannibal", "Homeland", "The Blacklist" oder "Walking Dead" und "Die Sopranos".

Aus Deutschland kommt da nichts vergleichbares mehr- aber manchmal wenigstens noch aus Europa. Wie eben zum Beispiel auch "Gomorrha", eine Serie aus Italien. "Vergesst die Sopranos, hier sind die Savastanos"- so überschrieb "Der Spiegel" seine Serienkritik, denn in der ersten Staffel wird vom Untergang des Clans erzählt, dem der Pate Pietro Savastano vorsteht. Und das will etwas heißen. Noch weit mehr als vom Publikum werden "Die Sopranos" von der Filmkritik geliebt.

"Gomorrha ist ein Filmereignis von knallharter Authentizität und filmischer Unmittelbarkeit, dass die Menschen und deren Schicksale hinter der neapolitanischen Camorra eindringlich porträtiert", so schreibt die Pressemitteilung des Mitproduzenten Beta-Film. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Roberto Saviano, der weltweit über 10 Millionen mal verkauft wurde.

Mehr als 1,2 Millionen Zuschauer sahen sich in Italien jede "Gomorrha"-Folge an. In Großbritannien, wo "The Independent" so etwas wie "einen Touch von Tarantino" beim Zuschauen verspürte, gilt die Serie als bester Serienstart des Jahres. Auch im Vergleich zur "großen" US-Konkurrenz. Gedreht wurde an visuell attraktiven Originalschauplätzen in Neapel, Barcelona, Mailand und Ferrara - "die antagonistisch miteinander verwobenen Schicksale zweier mächtiger Familienclans als explosive Mischung aus schmutzigen Intrigen, gebrochener Loyalität und der schier haltlosen Gier nach Macht" kommen offensichtlich auch beim nicht-italienischen Publikum gut an.

Ab 10. Oktober darf sich nun Deutschland auf das Serien-Event freuen. Die aus zwölf Episoden bestehende erste Staffel ist immer freitags, um 21.00 Uhr, auf Sky Atlantic HD zu sehen. Zum Start gibt es zwei Episoden in Folge, danach eine pro Woche. Parallel dazu ist "Gomorrha - Die Serie" auch über Sky Go im Web abrufbar. "Wir freuen uns, mit ’Gomorrha – Die Serie’ einen weiteren Meilenstein der TV-Serien präsentieren zu können", sagt Marcus Ammon, Senior Vice President Film bei Sky. "'Gomorrha – Die Serie' besticht durch ihre realistische und schonungslose Erzählweise und wird zu Recht mit HBO-Produktionen wie ’The Wire’ oder ’Die Sopranos’ verglichen."

Na dann, unbedingt anschauen. Es war ohnehin zu befürchten, dass es auch ein weniger romantisches Italien als rund um Commissario Brunettis Büro in Venedig geben muss. Auch ein weniger ehrenhaftes als bei der Heirat von Michael Corleone auf Sizilien. Moderne Zeiten eben. Gott guckt wohl nicht mehr so genau nach. Free-TV-Premiere für "Gomorrha" ist übrigens im Frühjahr nächsten Jahres bei Arte- wo auch sonst. Es wird, so wurde es bereits bestätigt, auch eine zweite Staffel geben.

Update 12.11.2015: Da so wahnsinnig viele nach Informationen zur Staffel 2 suchen- es wird gedreht:

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