UHD-TV - Verwirrung statt Standard am Beispiel HDCP 2.2

Screenshot: Amazon Prime Instant Video
Am Wochenende hab ich mal wieder Geld für dieses Hollywood ausgegeben. Das normale Fernsehprogramm war völlig trostlos und "Catching Fire", den 2. Teil der "Tribute von Panem", hatte ich noch nicht gesehen. Ja, ich gebe zu, ich habe eine Schwäche für triviale Science-Fiction und finde das vielteilige Epos (bisher) einfach toll.

Gegen 4,99 Euro kann man das Werk bei Amazon Prime Instant Video für 2 Tage in HD ausleihen. Das reicht völlig aus und funktioniert über die Amazon-App meines LG-Smart-TV ganz einfach und tadellos. Bei den meisten Filmen ist das Ausleihen ohnehin die beste Wahl, man hat den Film gesehen, und gut. Wie im Kino eben. Über das "DRM" (Digital Rights Management)  meiner Filme muss ich mir keine Gedanken machen. Sollte ich dennoch irgendwann auf die Idee kommen, eine Filmsammlung anzulegen, dann ist eine plötzliche Schließung bei Amazon auch ziemlich unwahrscheinlich. Bei anderen Anbietern hat es das schon gegeben - und die bezahlten Lieblingsfilme waren dann weg.

Damit ich als Gegenleistung für meine knapp 5 Euronen das weitere Schicksal der Katniss Everdeen in HD verfolgen kann, haben Amazon und mein LG-TV für mich das DRM-Thema und weitere Dinge wie "HDCP" automatisch geklärt. Ja, für Filme in HD muss "mein Display" "HDCP-kompatibel" sein. HDCP steht für High-Bandwith Digital Content Protection und die Amazon-Hilfe schreibt warnend dazu: "HDCP verhindert besonders die unerlaubte Vervielfältigung von High Definition (HD) Audio- und Video-Inhalten über verbundene Monitore, TV-Geräte und Displays, sowie weitere externe Geräte. Sie können Amazon Instant Video HD-Inhalte daher nur über Geräte streamen, welche die HDCP-Voraussetzungen erfüllen."

Keine Ahnung, was das ist, aber danke an die Konstrukteure von LG, dass sie offensichtlich daran gedacht haben. Vielleicht auch deshalb, weil ein Fernseher standardmäßig eben "HDCP" können muss, will der Hersteller ihn als "FullHD ready" bewerben. Wenn meine Internet-Anbindung durch die Telekom in guter Stimmung ist, kann ich nun überall HD gucken.

Nun ist es aber die Natur des Fernsehzuschauers, nie zufrieden zu sein. Jennifer Lawrence in noch schärfer hat gewiss ihren Reiz und es gibt ja schon überall UHD-TV-Geräte zu kaufen. Dumm nur, dass die Konstrukteure diese gebaut haben, bevor die technischen Standards für UHD-TV wirklich durchgehend geklärt waren. Da ist zum Beispiel diese Sache mit dem "HEVC". Das braucht man, um auch in der hochaufgelösten Zukunft eine Chance zu haben, solche Inhalte auch zu streamen- selbst bei gut gelaunten Internetverbindungen.

Das ist aber noch lange nicht alles. Der UHD-Fernseher braucht in der Zukunft auch HDCP 2.2. Das ist aller Wahrscheinlichkeit nach der kommende Standard, zu dem Amazon dann vielleicht schreiben wird: "Sie können Amazon Instant Video UHD-Inhalte daher nur über Geräte streamen, welche die HDCP 2.2.-Voraussetzungen erfüllen."

Wie das dann alles gehen soll, so in Zukunft mit dem UHD, ist trotz laufendem Fernseher-Verkauf nach wie vor nicht komplett geklärt. Als Käufer eines UHD-TV würde ich aber UHD-TV auch gucken wollen. HDMI 2.0 wäre zum Beispiel ein weiterer offener Punkt. Am unerklärlichsten für mich ist aber die Frage, wieso der Endkonsument sich mit diesen technischen Details befassen muss. HDCP habe ich zusammen mit meinem Fernseher gekauft, ohne zu wissen, dass es das gibt und dass ich es brauche. Von einem HD-Smart-TV erwarte ich kein "HDCP". Ich erwarte, dass er Filme in HD ganz einfach anzeigt. Ein Auto kaufe ich doch auch, um zu fahren. Also würde ich von einem UHD-TV erwarten, dass da alles drin ist, was UHD-Filme eventuell brauchen. Der Rest ist eigentlich Aufgabe der Fachleute, die das Ding bauen.

HDCP 2.2. ist dabei besonders brisant- HDCP-Fragen klärt ein im Fernseher fest verlöteter Chip. Da lässt sich nichts nachrüsten oder einfach updaten. So schöne Fernseher. Aber vielleicht doch noch kein Kauf.

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