Tele 5, Netflix, Amazon: Geschichten vom Marketing


Es gibt eindeutig zu viel Fernsehen auf der Welt. Wer soll das alles schauen? Kann auf diesem Markt eigentlich der konservative, traditionelle Weg zum Erfolg noch allein funktionieren? Nur mit guten Produkten zu guten Preisen? Nein, ausgeschlossen. Kein Konsument ist auch nur noch annähernd dazu in der Lage, sich einen ausreichenden Überblick über Angebot und Preise zu verschaffen, um eine wirklich fundierte "Kaufentscheidung" treffen zu können. Das Marketing entscheidet also wesentlich über Erfolg und Misserfolg.

Gutes Marketing ist also wichtig. Wie zum Beispiel bei "Sharknado" und Tele 5. Da facebookt gestern "schleFaZ"-Präsentator Oliver Kalkofe für Tele 5 und seine sechsstellige Fangemeinde:



Sharknado, wer ihn noch nicht kennt, ist schon einmal ein Marketing-Lehrstück für sich. Der zweite Teil des fast schon dadaistischen Filmkunstwerks über fliegende Haie war bei der Premiere der befürchtete Erfolg. Jetzt gilt es, den Free-TV-Auftritt der Sharknados in der Tele5-Reihe der "schlechtesten Filme aller Zeiten" marketing-technisch optimal vorzubereiten. In der weniger romantischen Realität hat Tele5 die notwendigen Rechte für "Sharknado2" in weiser Voraussicht weit vor der Premiere bereits im Mai erworben.

"Sharknado", Tele5 und "schleFaZ" sind also ein Paradebeispiel für gutes Marketing. Marketing, dass verstanden hat, dass die reine Lehre der Programmacher vom "Publikum mit Anspruch" nur eine Illusion ist und dass statt dessen da draußen eine gelangweilte Meute wartet, die einfach nur gut unterhalten werden will. Und gut unterhalten kann auch ein Film, der fassungslose Fragen und Spekulationen über den möglichen Drogenkonsum von Produzenten auslöst, denen so etwas einfällt.

Noch ein Marketing-Beispiel. Immer, wenn von Netflix die Rede ist, ist "House of Cards" nicht weit. Nun veröffentlicht Netflix keine "Quoten" bzw. in diesem Fall Abrufzahlen. Jetzt gibt es eine Studie dazu, zwar nicht sehr repräsentativ, aber mit überraschendem Ergebnis. Gerade einmal 31%, also nicht mal ein Drittel aller US-Netflix-Abonnenten, haben schon einmal "House of Cards" gesehen. Zusammen mit "Orange Is the New Black" stellt "House of Cards" in diesem Jahr für Netflix 25 Emmy-Nominierungen. Bei der Kritik sorgen beide Serien also weiter für Begeisterung und damit für gute Presse, Berichterstattung und Bekanntheit, also Marketing. "Orange Is the New Black" konnte bei 44% der Netflix-Nutzer Interesse wecken.

Möglicherweise finanziert Netflix seine teuren Qualitätsproduktionen aus gutem Grund auch aus dem Werbeetat. Es wäre ein weiteres Lehrbeispiel für gelungenes Marketing.

Es gibt auch aktuelle Beispiele für schlechtes Marketing. So gibt es gerade einen offenen Protest-Brief von 909 US-Autoren an Amazon-Chef Jeff Bezos. Es geht um die Preispolitik des Konzerns bei E-Books, die mittlerweile zu handfesten Auseinandersetzungen mit US-Verlagen geführt hat. Zwar gibt es auch andere Meinungen dazu, dennoch bedeutet die Geschichte erst einmal jede Menge negative Berichterstattung. Amazon ist unbeeindruckt- und fängt den nächsten Streit mit Disney an. Auch in Sachen Arbeitnehmer und Gewerkschaften sind da ja noch einige wenig Popularität stiftende Fragen offen.

"Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert." Auch das war einmal so etwas wie ein traditioneller, konservativer Weg zum Erfolg. Im neuen Geschäft mit dem Fernsehen aus dem Netz gilt das nicht mehr. Marken und Marketing, das Image von Produkten wie Firmen sind die wichtigste Basis für Geschäfte mit Content, den man erst kaufen und dann kennen lernen soll. Wie zum Beispiel Filme und Serien. Wer wie Amazon zu schnell zu viel will und dabei seine Geschäftsgrundlage "Image" nachhaltig beschädigt, kann ganz schnell mit leeren Händen dastehen.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: