Schöner scheitern- Bundesliga bei BILD

Screenshot: YouTube / Bundesliga bei BILD
Khihihi. "Wir haben Angst vor Google" schrieb Springer-Chef Mathias Döpfner in einem aufmerksamkeitsstarken "offenen Brief" im April in der FAZ. "Ich muss das einmal so klar und ehrlich sagen, denn es traut sich kaum einer meiner Kollegen, dies öffentlich zu tun. Und als Größter unter den Kleinen müssen wir vielleicht auch in dieser Debatte als Erste Klartext reden."

Zur Erinnerung: Der Springer-Verlag ist maßgeblicher Vorantreiber des sogenannten "Leistungsschutzrechtes" in Deutschland, mit dessen Hilfe Google zu Zahlungen verpflichtet werden soll, wenn die Suchmaschine im Netz beim Suchen Verlage findet. Oder wegen Wettbewerbsverzerrung verklagt werden soll, wenn sie keine findet.

Nach der bisherigen Meinung des Springer-Verlags hat das Internet zwei große Konstruktionsfehler. Der erste ist das Angst machende Monopol von Google und der zweite die sogenannte "Kostenloskultur". Dass es also von Anfang an in diesem Internet jede Menge spannende Inhalte für lau statt für Abonnements gibt.

Da ist es nur konsequent, wenn Springers Flaggschiff BILD jetzt seine Bundesliga-Web-TV-Bilder, die einst die User zum "BILDplus"-Abonnement locken sollten, jetzt kostenlos auf Googles Videoplattform YouTube anbietet. Der Springer-Verlag darf das, er hat die Rechte für das Internet teuer eingekauft. Die Bundesliga selbst darf es in Deutschland nicht.

"Wir freuen uns, dass die Community ab sofort Bundesliga-Highlights auf YouTube anschauen kann. Der BUNDESLIGA bei BILD-Kanal bietet eine großartige Möglichkeit, Fußballfans zu erreichen und die Fußballbegeisterung in Deutschland mit Gleichgesinnten zu teilen" so YouTubes Manager für "Sports Partnerships", Christoph Heimes. Da wird auch schon einmal das ganz große Banner geschaltet:

Screenshot: YouTube
Wer jetzt denkt, "HIER ABONNIEREN" soll zum Zeitungsabonnement locken, nein, ruhig draufdrücken, dahinter gibt es das kostenlose YouTube-Kanalabo. Möglicherweise ist das leichter verkäuflich als BILDplus.

Eigentlich dachte ich noch vor kurzem, der Springer-Verlag habe dieses digitale Geschäft irgendwie verstanden. Aber vielleicht verstehe ich es ja nicht. Man kann es sich auch schönreden, so wie Stefan Betzold, Managing Director Digital BILD KG: "Mit der YouTube-Präsenz eröffnen wir einen zusätzlichen Ausspielkanal für unsere Inhalte. Wir wollen damit noch stärker jüngere Zielgruppen für BILD und unser Bundesliga-Angebot begeistern. Fußball-Fans der YouTube-Generation bietet der zusätzliche BILD.de-YouTube-Kanal Highlight-Clips mit der passenden Bundesliga-Show, die auf den Punkt und mit viel Humor den Spieltag aus BILD-Sicht zusammenfasst."

Okay, aber wenn ich die Zielgruppe wäre, die bei BILDplus dafür monatlich Abonnement-Gebühren bezahlt, fände ich das, sagen wir mal, irgendwie komisch. Auch wenn ich dort weiterhin "exklusiv die Vollversion der Spielzusammenfassungen in einer Länge von sechs Minuten – und das schon ab 40 Minuten nach Spielende" habe, statt des kostenlosen Angebots ab Montag 0.00 Uhr.

Dass es seit November um die gleiche Zeit kostenlose Bilder auf Bild.de gibt, könnte ich als BILD-Zeitungsleser ja noch irgendwie verstehen- aber YouTube? Die Bilder von Bundesliga-Toren sind umkämpfte, kostbare und teure Premium-Inhalte. Vielleicht die "most Premium" Inhalte am deutschen Markt überhaupt. Wer selbst nicht mehr wirklich daran glaubt, diese Inhalte zahlreich gegen Bares verkaufen zu können, muss sich die Frage gefallen lassen: Was dann?

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