Programmplanung öffentlich-rechtlich: Perlen vor Nachtwandler geworfen (2)

Er gilt als der mit Abstand teuerste Film aus deutscher Produktion. Mit etwas mehr als 100 Millionen Dollar Produktionskosten, Weltstars wie Tom Hanks, Halle Berry, Hugo Weaving, Susan Sarandon oder Hugh Grant vor und den Wachowskis sowie Tom Tykwer hinter der Kamera. Alles hängt mit allem zusammen, so will "Cloud Atlas" es uns zeigen, frei nach dem eihentlich bis dahin als eigentlich unverfilmbar heltenden Romanerfolg "Der Wolkenatlas" von David Mitchell.

Viele Kritiker hielten das verschachtelte Epos für ein Meisterwerk. Manche hielten es für misslungen. Aber dass aus Deutschland eine Independent-Filmproduktion dieser Größe und Qualität kommen könnte, galt bis dahin als nahezu undenkbar.

2012 kam er in die Kinos, 2014 nun ins Free-TV. Genauer gesagt, ins "Sommerkino" der ARD. Heute, am Mittwoch, ab 22.45 Uhr. Gegen halb zwei in der Nacht ist er dann fertig. Okay, da ist die eine oder andere drastische Gewaltszene drin. Der "Herr der Ringe" ist zum Beispiel da aber weit blutiger, und der darf 20.15 Uhr starten. Die Produktion von "Cloud Atlas" wurde vom Deutschen Filmförderfonds, dem Medienboard Berlin-Brandenburg und der Film- und Medienstiftung NRW in Millionenhöhe gefördert. Auch das hat ihn nicht vor dem "Versenden" im Werktags-Nachtprogramm geschützt.

Die Wiederholung des Fernsehfilms "Kehrtwende", einer WDR-Produktion zum Thema häusliche Gewalt mit Dietmar Bär, war wohl wichtiger. Und natürlich "Plusminus" und "Tagesthemen". Naja, die Quoten von "Cloud Atlas" sind wohl schwer im voraus einzuschätzen. Publikum, welches möglichst störungsfreies Eindämmern in der ARD-Primetime erwartet, hätte vergrault werden können. "Wenn ihr nicht einmal an Eure eigenen Produktionen glaubt, geht sterben!" las ich zu der Programmierung in einem Internetkommentar. Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer etwas Werbung für den Film - den gibt es zum Glück auch auf DVD oder in Streaming-Portalen:

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