Preis-Kampf der Titanen: Die Netflix-Spiele sind eröffnet

Screenshot: www.skysnap.de
Hier steht immer noch "Netflix wird schon bald in Deutschland verfügbar sein". So ganz stimmt das nicht. Auf dem deutschen Streaming-Markt ist Netflix schon angekommen, auch wenn es noch bis Mitte September dauern wird, bevor die ersten Bilder zu deutschen Abonnenten durchs Netz streamen.

Niemand weiß bisher wirklich, was Netflix denn eigentlich als Programm-Angebot zum Start für die deutschen Abonnenten zu bieten hat. Auch der Abo-Preis ist noch ein streng gehütetes Geheimnis. Aber alle schon am Markt vertretenen Player erwarten anscheinend von Netflix Großes. Das Netflix zielstrebig, gnadenlos und mit allen Mitteln nach ihren Kunden greift, etwa so, wie Frank Underwood nach den Schreibtischen der Macht im Weißen Haus.

Also bereiten sich alle irgendwie vor. Aber rein betriebswirtschaftlich ist auf dem deutschen Markt für Video-Streaming, so wie er jetzt aufgestellt wird, noch kein wirklich nachhaltiges Geschäftsmodell zu erkennen.

So dachte man bisher, dass wohl Amazon mit seinem "Prime" Video-Angebot der billigste Anbieter im Markt wäre. Wer bei Amazon jährlich 49 Euro Mitgliedsgebühr bezahlt, bekommt zur versandkostenfreien Lieferung das Video-Streaming dazugeschenkt. Okay, für Amazon-Vielbesteller ist das immer noch am billigsten. Aber Snap, das Online-Angebot von Sky, kann jetzt auch noch weniger: "Täglich neue Filme und Serien" gibt es dort jetzt für "unschlagbare" 3,99 Euro im Monat. Abwarten. In den USA hat Amazon schon mit werbefinanziertem Streaming experimentiert.

Snap, so lesen wir da, umfasse aktuell über 5.000 Titel, inklusive Box-Sets kompletter Staffeln preis-gekrönter Serien wie "Die Sopranos" oder "Sex and the City". Von "Game of Thrones" gibt es die erste Staffel und  von "Boardwalk Empire" Staffel 2. "The Walking Dead" (Staffel 1 und 2) kommt im September. Dank "umfassender Kooperationen mit den Hollywoodstudios sowie zahlreichen Independents" sei eine "großartige Vielfalt" an Filmen gesichert, die Blockbuster wie "Sherlock Holmes", "Alice im Wunderland", "Inception", "R.E.D." und eine große Auswahl an Kinderprogrammen mit "exklusiven Highlights von Disney" umfasse. Täglich kämen bei Snap neue Filme hinzu, wodurch immer neue Inhalte entdeckt werden könnten.

Für Sky mag das alles betriebswirtschaftlich noch Ergebnisse erzielen. Und wenn nicht: Rupert Murdoch kann es sich leisten. "Snap ist als eigenständiges Angebot der perfekte Einstieg in die Welt von Sky für Film- und Serienfans", so erklärt die Pressemitteilung. Und das wird dann teurer, so ergänzen wir das mal. Aus Gründen, Sky weiß es besser als andere, sind Abonnements in Deutschland schwerer verkäuflich als tibetanische Wunderarzneien. Wenn unterm Strich aus dem günstigen Snap-Angebot dann ein paar Abonnenten für "richtiges" Pay-TV herausspringen, lohnt es sich vielleicht doch.

Auch für Amazon ist "Prime" vielleicht sinnvoll, da das vermutliche Endziel weniger betriebswirtschaftlich ist. Es geht wohl mehr um den Traum, irgendwann der letzte übrig gebliebene Verkäufer für einfach alles zu sein.

Und die anderen? Da wird es sehr schwierig werden. Vielleicht ist die bisherige Google-Strategie, auf Einzelverkauf von Inhalten statt auf Abos im Play-Store zu setzen, die bessere Lösung. Denn bei der Schlacht um die Abo-Preise gerät langsam aber sicher das Produkt aus dem Blickwinkel. Okay, jeder Anbieter hat wohl einige wenige wirklich attraktive Inhalte im Abonnement. Der große Rest aber ist oft Wühltisch-Massenware, schon tausendfach irgendwo "versendet", und wenn nicht, dann bestimmt aus Gründen.

Zu den Grundlagen des Marketing-Wissens gehören die verschiedenen Punkte, mit denen man sein Produkt auf dem Markt von Mitbewerbern abgrenzen kann. Der Preis, ja, ist ein ganz wichtiger. Aber nur einer von mehreren. Netflix aber wird den Markt von zwei Seiten her angreifen. So funktionierte zumindest die bisherige Erfolgsstrategie. Das Abonnement wird nicht teuer sein, ja. Aber das Produkt selbst enthält bei Netflix viele attraktive Inhalte, die kein anderer sonst hat. Inhalte, die Netflix selbst eifrig produziert und die, mal genau hinschauen, die Basis des gesamten Netflix-Marketings sind.

Dieses Netflix-Marketing ist bisher überall sehr erfolgreich gewesen. Wissen Sie, was Netflix in den USA kostet? Nein? 8,99 Dollar im Monat- davon habe ich in der Netflix-Werbung noch nie gehört. Aber jeden Tag höre ich von "House of Cards" oder "Orange is the new black" und wie toll das doch alles sei.

Das letzte, was ich als Kunde brauche, ist ein neues Abonnement. Erst wenn Inhalte da sind, die mich neugierig machen, interessiere ich mich für deren Preis. Und wenn der dann auch noch stimmt, werde ich vielleicht schwach. Die Inhalte werden die Marktanteile im neuen Streaming-Geschäft entscheiden.

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