Da geht noch was- die Deutschen zögern beim Zugriff aufs Online-Video

Grafik: Statista
Es war zu befürchten. Bei der Nutzung des neumodischen Mediums "Online-Video" sehen die Deutschen im internationalen Vergleich gar nicht gut aus. Kurz gesagt: Die Deutschen sind Online-Videomuffel. Das ist ein Ergebnis der TNS-Studie "Connected Life", für die insgesamt 55.000 Internetnutzer weltweit befragt wurden. Dabei ist der global wohl bekannteste Deutsche im Online-Geschäft mit Video groß geworden. Ganz groß, sozusagen.

Nur jeder zehnte deutsche Internetnutzer guckt täglich Videos im Netz. Dagegen ist die Begeisterung für Online-Videos in anderen Ländern deutlich größer. So sehen sich etwa 44 Prozent der russischen Onliner täglich Bewegtbild-Inhalte im Internet an, in China und Italien sind es 33 Prozent. Könnte es daran liegen, dass deutsches Fernsehen so gut ist, dass alle Bedürfnisse abgedeckt sind? Kurzes Nachdenken: Nein.

Die schlappen zehn deutschen Prozente sind übrigens tatsächlich der international niedrigste gemessene Wert. Okay, einige eher schwierige Länder, die andere Sorgen als Internetfernsehen haben wie Kongo oder Afghanistan, wurden wohl nicht befragt. Als globalen Durchschnitt hat TNS 25% ermittelt. Nicht in der Statista-Infografik aufgeführt, aber auch befragt wurden zum Beispiel unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate. Also im Prinzip Beduinen, die noch vor einer Generation vorwiegend im Zelt wohnten. Die schaffen 15%.

Es lässt sich nicht leugnen: Die Deutschen haben generell ein schwieriges Verhältnis zu so digitalem Kram. Klar, bei Amazon bestellen funktioniert prima und ist bequem. Wenn aber die Nachbarn dass dann auch machen und in der Stadt der Buchladen leidet, ist das nicht in Ordnung. Den tollen Film bei ProRTL anschauen? Nee- aller Viertelstunde, wenn es gerade spannend wird, kommt endlos Werbung. Aber 3 Euro fürs Ausleihen im Internet empfindet man wiederum als Geldverschwendung. Ich auch, das ist wohl genetisch mitteleuropäisch. Lieber für 15 Euro eine DVD kaufen, dann ist es ein seriöses Geschäft. Man hat danach ein materielles Produkt in der Hand, welches man anfassen kann.

Dabei ist Fernsehen, so hat die "Stiftung für Zukunftsfragen" für ihren "Freizeitmonitor 2014" herausgefunden, für 97% der deutschen die "liebste Freizeitbeschäftigung". Weit vor "Gedanken nachgehen", das tun 71%. Da liegen wir global aber bestimmt weit über dem Durchschnitt.

Die Deutschen und das Internet- irgendwie brauchen wir da so etwas wie einen Beziehungs-Therapeuten. Neulich hörte ich von einem studierten, intelligenten Menschen, mitten im Leben stehend, dass er "Facebook aus prinzipiellen Gründen" nicht nutzt. Wegen dem nicht geklärten Datenschutz. Okay, kann man machen. Wenn man dann aber hört, dass Verschlüsselungsprogramme für E-Mails geplant werden, für fünf Jahre alte Desktop-Rechner, die wegen mangelnder Plattenpflege ohnehin fast stillstehen- da stimmt etwas nicht.

Ja, wir gehen vielleicht Zeiten entgegen, in denen kein werbefinanziertes Fernsehen mehr geliefert wird, wenn man einen Schufa-Eintrag hat. Und die "Stiftung für Zukunftsfragen" ist "eine Initiative von British American Tobacco". Gefahren lauern praktisch überall. Aber Online-Videos tun nicht weh und sind bestimmt auch völlig harmlos. Und wenn nicht, dann liegt es am Inhalt. Eine unbekannte Galaxie spannender Inhalte wartet auf uns.

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