BILDplus oder BILDminus? Bei Anruf Abo oder Ipad auf Kredit.

Foto: Axel Springer
Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass es BILDplus gibt. Deutschlands große Boulevard-Zeitung ist seit letztem Sommer mit ihrem digitalen Bezahlangebot am Start und BILDplus ist mehr als Zeitung im Internet- BILDplus ist eigentlich ein Netz-TV mit Zeitung. Deshalb wurde hier die Springer-Idee, statt traditioneller Kaffeemaschinen die hart umkämpften und teuren Fernsehbilder der Fußball-Bundesliga zum Abo im Internet dazuzugeben, auch ausführlich gewürdigt.

Ein Jahr- also Zeit, darüber nachzudenken, ob BILDplus ein Erfolg ist. Gerade hat Springer seine Halbjahresbilanz vorgelegt. Ja, sagt da Springer CEO Mathias Döpfner in der Telefonkonferenz zu den aktuellen Konzernzahlen und nennt die ausgewiesenen 209.000 BILDplus-Abonnenten sogar einen "spektakulären Erfolg". Auf den ersten Blick stimmt das. Keine Zeitungs-Paywall, kein Digitalabo in Deutschland kann auch nur annähernd auf ähnlich viele zahlungsbereite Nutzer verweisen.

Auf den zweiten Blick ist die Lage differenzierter. Das reine "BILDplus" kostet 4,99 Euro im Monat. Die Bundesliga dazu noch einmal 2,99 obendrauf. Zwar gibt es auch teurere Angebote, aber da ist die BILD-Zeitung mit inbegriffen. Das hieße also Abonnement-Einnahmen in Höhe von etwa 1,5 Millionen im Monat. Theoretisch. Denn nicht alle Abonnenten bezahlen so viel.

So gibt es "BILDplus" auch in Kooperation mit Mobilfunkanbietern auf deren gebrandete Handys, seit längerem bei Vodafone, seit kurzem auch bei klarmobil, mobilcom-debitel oder BASE. Für weniger oder gar deutlich weniger- "Vertriebskooperation" nennt man so etwas. Da muss man also den einen oder anderen Euro abziehen von den 1,5 Millionen. Für knapp 480 Euro, in 24 Monatsraten zahlbar, gibt es ein Apple Ipad Air bei BILD, 16GB Wifi. Inklusive 24 Monate "BILDplus Premium". Und Bundesliga. Das Ipad allein kostet im Apple Store ohne BILDplus: Knapp 480, genau 479 Euro.

Nach den  Marketingkosten und den Kosten für die Bundesliga-Rechte wird also nicht viel von den 1,5 Millionen für den Springer-Verlag übrig bleiben. Wenn überhaupt etwas. Das macht nichts- die anderen Digitalgeschäfte wie zum Beispiel Rubrikenportale boomen. BILDplus aber braucht noch Zeit, sich zu entwickeln. Der endgültige Durchbruch ins digitale Zeitungsgeschäft wäre wohl erst bei siebenstelligen Abonnentenzahlen geschafft. Exklusive Bilder aus der ersten Liga des amtierenden Fußball-Weltmeisters werden auch für Internetauftritte in Zukunft eher noch wertvoller und damit teurer werden. Wie viele der 209.000 BILDplus-Abonnenten eigentlich gar keine Abonnenten sind, sondern nur ihr Ipad zinsfrei abzahlen, muss auch noch abgewartet werden.

Springer geht mit "BILDplus" den einzig möglichen und richtigen Weg in die digitale Zeitungszukunft- mit Abonnements und attraktiven Web-TV-Inhalten. Ob es aber ein Erfolg ist, werden wir erst in einigen Jahren wissen. Denn noch droht die Gefahr, dass es keine digitale Zukunft für Zeitungen gibt.

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