"Vice News" zeigt die Bilder. Alle. Auch vom Flug MH17. Wollen wir das?

Screenshot: YouTube / Vice News
Für seine lockeren Sprüche ist er bekannt. Shane Smith, einer der Gründer von "VICE Media" und so etwas wie "das Gesicht des Senders". Das CNN "in die Scheiße geraten", ein Desaster sei. Das seine "Vice News" der "24-Stunden-Nachrichtenkanal für das Web" sein werden.

"Viele meinen, dass Nachrichten kein Geld verdienen, weil junge Menschen sich nicht für die Nachrichten interessieren. Offensichtlich sind jungen Menschen die News egal- deshalb sind wir erfolgreich.... Ich weiß, es klingt verrückt, aber sagen wir mal hypothetisch, sie werden die Standard-Quelle für Nachrichten auf YouTube. Sie erhalten Milliarden Video-Abrufe und monetarisieren es. Dann sind Sie das nächste CNN." Mit einiger Sicherheit ist es das, was Shane Smith mit "Vice News" anstrebt.

Als Arbeitslosenprojekt gründeten drei junge Männer vor gut zwanzig Jahren in Quebec das Szenemagazin "Voice of Montreal". Das "o" in Voice ging bald verloren, aus "Voice of Montreal" wurde "Vice". Heute ist Vice Media ein weltweit tätiges Unternehmen mit zahlreichen Tochterfirmen. Rupert Murdoch höchstselbst hat Anteile erworben.

Bewegtbild ist heute die zentrale Säule des Vice-Konzepts. Auch etwas klassisches Fernsehen, ja, aber der Schwerpunkt liegt mehr und mehr im Netz. Sechs Millionen Abonnenten und rund 650 Millionen Video-Abrufe zählte Vice Media für 2013 auf seinen diversen YouTube-Kanälen.

Auch eine deutschsprachige Webpräsenz gibt es schon, allerdings meist nur mit den vorhandenen englischsprachigen Videos. Und bei "Vice News" sind nicht die TV-Nachrichten-Berichterstatter zu sehen, die wir sonst so kennen. Der legendäre "Anchorman" vom Typus Ron Burgundy kehrt im Netz nicht zurück. Stattdessen begeben sich junge Reporter gern direkt ins Geschehen- dahin, wo es dreckig, gefährlich und vor allem nah dran ist. Und erzählen dann einfach, was sie dort sehen.

Das hat bei kriegerischen Konflikten wie gerade im Gaza-Streifen eine fesselnde, so bisher selten gesehene Authentizität. Aber es wirft auch Fragen auf. Bei Vice sind vorrangig die jüngeren. Das bedeutet dann letztendlich: Während die "erwachsene" Generation noch nach den Regeln deutscher Landesmedienanstalten jugendschutzgerecht durch "Tagesschau" oder "Heute" informiert wird, bekommen die Kinder dann im Web die Welt so zu sehen, wie sie ist. Ohne Filter.

Mit mehr als 2 Millionen Abrufen innerhalb kurzer Zeit ist der Vice News-Bericht von der Absturzstelle des abgeschossenen "Malaysia Airlines"- Fluges MH17 der aktuell meist gesehene. Und da wird mit der Kamera draufgehalten, auch auf die Körper wehrloser Absturzopfer, so wie sich das kein herkömmlicher Fernsehsender trauen würde.

Okay, es gibt einen kurzen Warnhinweis vor dem Video. Nein, man muss nicht erklären, schon 18 zu sein, wie bei den YouP... dieser Welt. Wenigstens die Werbung scheint noch abgeschaltet. Ob von Vice selbst oder durch YouTube- wir hoffen mal, ersteres.

Ist das die digitale Nachrichtenzukunft ? Und wenn ja, ist das gut ? Demnächst dann gar als YouTube Live - Übertragung ? Da besteht Handlungsbedarf. Und zwar bitte nicht auf Bundes- oder gar Landesebene.

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