"TunedIn" insolvent? "Second Screen": Das Wohnzimmer- Mysterium (3)

Screenshot: tunedin.de
"Die spinnen, die Römer." Das war beim guten alten Asterix die Erklärung für einfach alles. Vielleicht hat er der italienischen Hauptstadt ja auch Unrecht getan, sei es wie es sei, wir auf jeden Fall haben jetzt Berlin. Das ist nämlich die "Startup-Hauptstadt". Als Provinzler müssen wir uns das so vorstellen: Echte Berliner sitzen den ganzen Tag im "Szeneviertel" mit dem Laptop im WLAN-Cafe und arbeiten am nächsten großen Ding, das die Internet-Welt verändert. Ähh.. "Laptop" hätte ich jetzt nicht sagen dürfen, das entlarvt schon wieder den Provinzler, sie sitzen natürlich "mit dem Mac".

Im Gegensatz zu den Schwaben, die nur aus Geldgier arbeiten und fürs Netz Software entwickeln, die jede IT-Abteilung weltweit gerne nutzt und das dann für Millarden ins Ausland verkaufen, kommen aus Berlin neben Soundcloud und Zalando gern auch mysteriöse Ideen wie "TunedIn", also Dinge, die die Welt vielleicht eher doch nicht braucht.

Jedenfalls, so meldet es die "Gründeszene" heute, hat "Tunedin" Insolvenz angemeldet. Obwohl doch erst vor 17 Monaten der Axel-Springer-Verlag eingestiegen war. Aber, so ein Sprecher, "der Second-Screen-Markt hat sich nicht so entwickelt, wie wir geplant hatten."

Aha. Was zum Teufel ist der "Second-Screen-Markt" ? Okay, Second Hand-Märkte kennt  jeder. "Second Screen" ist doch aber der Begriff für den zweiten Bildschirm, den viele jetzt beim Fernsehen nutzen, weil der eine allein ihnen zu langweilig ist. Weil sie da "WettenDass"- Moderatoren mal so richtig beschimpfen können. Bestenfalls ist der "Second Screen" auch noch das Objekt mysteriöser Studien oder lustiger Ideen von Marketing-Leuten. Aber ein Markt? Zum Geld verdienen? Das ist doch wohl ein Missverständnis- oder?

"Das Startup bietet eine App, die es Fernsehzuschauern ermöglicht, über ein mobiles Endgerät Zusatzinformationen zum Gesehenen zu konsumieren sowie sich mit anderen Zuschauern über das Fernsehgeschehen auszutauschen", so lernen wir im "Gründerszene"- Beitrag zur Übernahme durch Springer im Februar 2013. Aha. Also so etwas wie ein mono-thematisches Facebook. Oder Twitter. Oder What's - App auch immer.

Wie eigentlich kommt jemand auf die Idee, Publikum in Massen dazu bewegen zu können, die etablierten Diskussionsplattformen der Social Media-Giganten und Fernsehsender zu verlassen und bei ihm weiter zu diskutieren? Ganz einfach: Er hat Fernsehen nicht verstanden. Denn die Attraktion, die das Publikum vom "First" auf den "Second Screen" zieht, ist nicht die Sendung. Wenn die so spannend wäre, bräuchte er ja keinen "Second Screen". Die Attraktion sind die anderen Zuschauer. Mit denen gemeinsam man dann so schön auf die Lanzen's dieser Welt einprügeln kann.

Der "Second-Screen"-Diskussionsteilnehmer sucht keine "Sendungen". Er sucht Bestätigung, Bestätigung seiner Meinung durch andere. Und die Anderen, die sind bei Facebook oder Twitter.

Da ist kein "Markt". Nirgends. Aber der, der dem Springer-Verlag so etwas als geldwerte Beteiligung verkaufen konnte, also der, der sollte nicht lange arbeitslos sein.

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