Sky wird britisch. Medien-Monopoly mit Rupert Murdoch

Foto: BSkyB
300 Millionen Euro Steuer-Ersparnis in Deutschland. Das verspricht die Präsentation zur Übernahme von Sky Deutschland und Sky Italia durch die britische BSkyB. Von "signifikanten Synergien" ist da die Rede. Tja. Steuerrechtlich kann ich dass nicht beurteilen. Wie immer bei solchen Milliarden-Transaktionen wird aber wahrscheinlich betont werden, dass alle davon nur profitieren können. Ich glaube das nicht. Für den Medienstandort Deutschland dürfte der Zusammenschluss der europäischen Pay-TV- Sender von Rupert Murdoch unter dem Dach der britischen BSkyB möglicherweise eine mittelschwere Katastrophe sein. Nicht nur wegen 300 Millionen weniger an Steuereinnahmen.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Mit Murdoch schien es möglich zu werden, einen rentablen deutschen Pay-TV-Sender zu bauen- etwas, woran vorher Leo Kirch und dann Premiere krachend gescheitert waren. Jetzt entsteht daraus ein europäischer Pay-TV-Riese mit rund 20 Millionen Abonnenten und Sitz in London. Zwar war Sky Deutschland zuletzt der am stärksten wachsende unter den dreien, die jetzt zusammengeschlossen werden. BSkyB ist aber immer noch etwa sechsmal so groß wie Sky Deutschland und schreibt Gewinne in ungefährer Höhe der Münchner Gesamteinnahmen.

Sicher wird die Welt in München nicht morgen einstürzen. Der wirkliche Chef sitzt aber in Zukunft in London- und seine Sicht auf die Dinge wird dann naturgemäß eine andere sein als beim Ausblick auf das Panorama von Unterföhring. "Synergien" entstehen sehr oft durch Zentralisiererung von Managementfunktionen. Am Wort "zentral" erkennt man, wohin im Regelfall zentralisiert wird.

Sky Deutschland ist auch die wichtigste Finanzquelle der deutschen Bundesliga. Die Liga des Weltmeisters ist gerade dabei, ihren internationalen Marktwert zu erkennen und zu monetarisieren.
Dabei trifft sie oft auf einen großen Konkurrenten, der auf diesem Gebiet schon viel besser aufgestellt ist- die britische Premier League, bei der wiederum BSkyB die Kasse füllt. Auch das wird eine interessante Konstellation. Vielleicht wird irgendwann in London mit entschieden, welcher Verein sich einen Götze leisten kann und welcher nicht.

Für Rupert Murdoch wiederum ist es das ultimative Geschäft. Er kauft als 40% BSkyB-Hauptaktionär quasi bei sich selbst ein. Bezahlt wird über die Ausgabe neuer BSkyB-Aktien und das Geld fließt zum Großteil in die USA in seine 21st Century Fox. Die wiederum soll den Konkurrenten Time Warner übernehmen, ein erstes Angebot über 80 Milliarden US-Dollar hatte Time Warner vor zwei Wochen abgelehnt. Es wird also mehr Geld gebraucht.

So etwa 10 Milliarden US-Dollar kann Rupert Murdoch jetzt drauflegen. Im schon jetzt reichlich großen Imperium werden auch hier und da noch ein paar weitere bisher übersehene Groschen zu finden sein. Sollte er Erfolg haben, würde wohl so etwas wie ein Lebenstraum Wirklichkeit. Im Alter von 83 Jahren könnte Murdoch Herr über einen globalen, riesigen Medienkonzern in bisher unbekanntem Ausmaß sein.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: