RTL Group übernimmt SpotXchange - Online Video wird Kerngeschäft

Foto: RTL Group
Eigentlich sollte neulich hier ein Beitrag über die kommenden Programm-"Höhepunkte" im RTL Fernsehen stehen. Die wurden im Juli für Öffentlichkeit und Werbekunden präsentiert. Aber da bleiben die "Länderpunkte" weiterhin aus. Es wäre der gleiche Beitrag geworden wie im vergangenen Jahr. Die aktuellen Quoten der aktuellen "Bachelorette" sind "geht so". Gepflegte Langeweile, wohin man auch blickt.

Weit interessanter sind dagegen derzeit die Aktivitäten des Konzerns, der RTL Group. Die CashCow traditionelles, lineares TV läuft, irgendwie, und die Luxemburger Zentrale richtet ihren Blick offenkundig immer mehr in Richtung Internet, on demand, Video und "New TV". Da wird auch mal ein wenig Geld in Experimente mit offenem Ausgang investiert. Und schon ein wenig mehr Geld steht zur Verfügung, um im neuen Video-Universum YouTube die Stars und vor allem die Werbeplätze auch international nicht allein Newcomern wie Mediakraft zu überlassen.

Ein richtiger digitaler Paukenschlag wurde aber heute verkündet. Für 107 Millionen Euro sichert sich die RTL Group 65 Prozent der Anteile und eine Anwartschaft auf die komplette Mehrheit am Onlinevideo-Vermarkter SpotXchange mit Sitz in Denver. SpotXchange ist eine internationale Größe in diesem Geschäft und spielt in der gleichen Liga wie die vor kurzem von Facebook übernommene Plattform LiveRail oder Googles DoubleClick. “Programmatic Video Advertising”, die automatisierte Einschaltung von Werbespots, per "real time bidding" individuell zugeschnitten auf den einzelnen Zuschauer- das ist die Kernkompetenz von SpotXchange. Und genau diesen Weg wird wohl der klassische TV-Werbespot in der Zukunft gehen.

Der Krieg um die Fernsehwerbung wird kommen. Internet-Giganten wie Google, Facebook oder Amazon haben den riesigen Markt als ihre zukünftige Einnahmequelle im Blick und die RTL Group will die Herausforderung offenkundig annehmen. Mit für 2014 erwarteten 35 Milliarden Online-Video-Views ist der Konzern zwar noch lange kein echter YouTube-Herausforderer- aber doch schon eine internationale Größe, ein ernst zu nehmender Mitspieler auf diesem Markt.

"Die RTL Group ist das führende europäische Medienunternehmen bei Online-Video-Abrufen." So Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch in ihrem Statement zum Geschäft. "Der nächste logische Schritt in unserer Strategie ist der Schritt in den Bereich der digitalen Monetarisierung."

Interessante Zahlen zum Markt enthält diese Präsentation zum Deal. So soll der globale Markt für Online Video-Werbung 2013 8,1 Milliarden US-Dollar groß gewesen sein. 5,4 Milliarden davon wurden traditionell verkauft, 2,7 Milliarden automatisiert. Für 2018 erwartet man mehr als das dreifache, 24,8 Milliarden, wovon noch 9,4 Milliarden traditionell verkauft werden und 15,4 per Computerprogramm. Während also 2013 der traditionelle Verkäufer noch zwei Drittel der Umsätze generierte, soll es 2018 nur noch ein Drittel sein.

Das könnte so stimmen. Dann wird der TV-Werbemarkt aber ein ganz anderer sein, als wir ihn heute kennen. Es wäre toll, wenn nicht nur US-Unternehmen ihn unter sich aufteilen.

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