Quo Vadis, Netzneutralität: Netflix zahlt jetzt auch an AT&T

Foto: Netflix
Eigentlich kämpft Netflix nach wie vor an der Seite der anderen großen US-Internetkonzerne bei der Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) für den Erhalt der Netzneutralität.
Nur ist es eben überall so: Behörden und Gesetze brauchen Zeit, viel Zeit, Zeit, die ein Streaming-Portal im gnadenlosen Konkurrenzkampf um Marktanteile auf einem digitalen Zukunftsmarkt einfach nicht hat.

Es läuft gut für Netflix derzeit. Die Abonnentenzahlen wachsen weiter, die Einnahmen steigen und die eigenen Produktionen begeistern das Publikum genauso wie die Kritiker. Ab September soll der deutsche Markt erobert werden. Der Heimatmarkt in den USA ist aber natürlich auch für die absehbare Zukunft die Geldquelle, die die Hauptlast der Finanzierung tragen muss. Wenn es irgend etwas gibt, was die Expansion des Streaming-Konzerns derzeit wirklich bremsen oder bedrohen kann, dann Geruckel und Wartezeiten beim Streaming wegen zu geringer Netzkapazität, um die für Video in HD oder gar UHD benötigten immensen Datenmengen beim Kunden wirklich "on demand" bereitstellen zu können.

Denn der Streamingkunde hat bezahlt und beansprucht dafür eine Leistung. Und wenn das "House of Cards" beim Binge-Watching einfriert, ist er sauer. Sauer auf Netflix, auch dann, wenn Netflix das Problem gar nicht selbst beeinflussen kann. Und kündigt oder will vielleicht sein Geld zurück.

Wohl aus diesem Grund ist Netflix im Februar eingeknickt und hat mit Comcast einen Vertrag geschlossen, der dafür sorgt, dass Netflix-Daten es etwas leichter haben zu den über 30 Millionen Internet-Kunden des Internet-Anbieters zu kommen. Gegen Geld, natürlich. Wodurch die Netflix-Daten im Comcast-Netz sofort beweglicher wurden. Woraufhin sich Netflix auch mit Verizon einig wurde. Und jetzt auch mit AT&T.

"AT&T" steht für "American Telephone and Telegraph". Im Prinzip ist "AT&T" so etwas wie die Telekom der USA, die Gesellschaft, die einst die Telefonleitungen des Landes nahezu monopolartig kontrollierte. Netzneutralität ist richtig und wichtig- aber die durch Streaming Video sehr, sehr dynamisch wachsenden Datenmengen im Internet werfen immer mehr die Frage auf, wie die reine Lehre der Netzneutralität denn in der Praxis aufrecht erhalten und umgesetzt werden kann. Die Infrastrukturanbieter müssen investieren, viel investieren, und dies ist aus ihrer nicht ganz verkehrten Sicht hauptsächlich durch Dritte verursacht, durch Anbieter wie Netflix, die das Netz mit immer größeren Datenmassen regelrecht zuschütten.

Das Thema wird noch für viel Gesprächsstoff sorgen, denn hier ist tatsächlich ein Regulierungsbedarf. Netflix bietet nur Inhalte, keine Infrastruktur und wird zum Beispiel in Deutschland mit der Telekom auf einen Infrastrukturanbieter treffen, der zugleich mit "Entertain" ein Konkurrent um Inhalte und Kunden sein wird. Jedenfalls hofft Netz-TV, dass das Telekom-Fernsehen ein Konkurrent wird. Denn wer, außer Entertain, sollte es aus Deutschland sonst sein.

Im Prinzip ist auch nichts dagegen einzuwenden, die Netflixe dieser Welt an den durch sie verursachten Investitionskosten auch zu beteiligen. Leider haben Infrastrukturanbieter die ungesunde Angewohnheit, dass einmal eingeführte Service-Kosten niemals wieder verschwinden und danach nur noch eine Richtung kennen, regelmäßig und nach oben. Und dadurch neue Märkte wie Streaming TV behindern oder gar zerstören könnten.

Denn Netflix investiert seine Einnahmen bisher am liebsten in attraktive Inhalte. Das macht die Attraktivität des Portals aus. Anbieter, die mit billigen Inhalten Geld für andere Zwecke verdienen wollen, gibt es wie Sand am Meer. Davor, dass "billige Inhalte" oder "richtig teuer" die einzig möglichen Geschäftsmodelle für Streaming Video werden, davor schützt derzeit wiederum nur die Netzneutralität.

Möglicherweise kalkuliert die Telekom bereits ein Angebot für Netflix...

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