NIX statt NRW TV: Wenn ein Privat-TV-Profi Lokalfernsehen macht

Screenshot: YouTube / NIX TV
Einst brachte er uns die Länderpunkte. Und wurde dafür geliebt und gehasst. Geliebt von den Zuschauern, die sich gut unterhalten fühlten. Gehasst von der Konkurrenz, deren Amtsstuben-Fernsehen im Stil und Geist der 50er Jahre er Zuschauer und, noch schlimmer, damit vor allem Wichtigkeit einfach wegnahm. Helmut Thoma, mittlerweile 75, langweilt sich wohl im Ruhestand und macht wieder Fernsehen. Lokalfernsehen bei "NRW.TV". Und er macht es richtig. Und er wird dafür wieder geliebt und gehasst werden.

Foto: helmut-thoma.de
Sein Erfolgsrezept: Er nimmt sich nicht wichtig. Typisches Zitat: "Der Zuschauer darf seine Regierung wählen, also auch sein Fernsehprogramm. Ich wundere mich auch hin und wieder über die Wahl, aber der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler." Genau an dieser Auffassung ist sicher auch sein erster Anlauf "Volks.TV" gescheitert. Statt auf die erwarteten Partner ist er bei den LokalTV-Machern wohl eher auf Leute gestoßen, die mit der Welt hadern, weil weder Zuschauer noch Werbekunden Geschmack an ihren tollen Würmern  Programmen finden. Sich einfach konsequent verweigern, sie und ihre Wichtigkeit gebührend zur Kenntnis zu nehmen.

Jetzt hat er mit NRW.TV einen Sender, den er regieren kann. Und schon geht's los mit allerlei dollen Ideen. Und auch das Unverständnis der klassischen Fernsehleute ist ihm sicher. Einfach herrlich vor allem "Meedia", die seine erste wirklich neue Kreation "NIX TV" als "Jugendprogramm" bezeichnen und es als solches "lächerlich" finden. Nein, "NIX TV" ist kein "Jugendprogramm". Weil: Die Zeit, als "Jugend" nach einem "Programm" suchte, das war so irgendwann letztes Jahrtausend. Dann kam "Giga". Dann kamen die YouTube-Stars, wie die von "Mediakraft", die "die Jugend" einfach vor einer Kamera in ihrer Sprache volllaberten und mehr oder weniger lustige Faxen machten. Und mit dem "Social" in den neuen "Media" kam deren Erfolg. Der Wurm schmeckte dem Fisch. Und nix anderes versucht jetzt "NIX TV", nur dass zusätzlich zu YouTube oder Facebook die Möchtegern-Stars halt im lokalen Fernsehstudio sitzen, wenn sie loslegen.

Ob das Erfolg hat? Vielleicht. Es hängt davon ab, ob Typen vor der Kamera auftauchen, über die dann auf den Schulhöfen geredet wird. Aber die Chancen sind nicht schlecht. Im Gegensatz zum klassischen Lokalfernsehen, dessen "lokale News" über frisch renovierte Autohäuser oder wohltätige Scheck-Übergaben lokal höchst wichtiger Persönlichkeiten den Fischen schlich und ergreifend völlig egal sind.

Und einmal ins Rollen gekommen, holt Thoma weitere Programmbausteine aus seinem altbewährten Erfolgsbaukasten, die mit Sicherheit auch zumindest für Diskussion sorgen werden: "Josefine Mutzenbacher" kommt zurück. Ja genau die. Man wolle bei "NRW.TV" dafür sorgen, "dass im deutschen Lokalfernsehen auch endlich nachts wieder etwas los sei". Allein dafür vergibt Netz-TV schon einmal fünf Länderpunkte. Dazu dann noch weitere echte Perlen deutscher Filmkunst wie "Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut" mit Roy Black und Uschi Glas und auch Karl Dall wird mit extremsten Jugendsünden wie "Sunshine Reggae auf Ibiza" auf eine noch weitgehend unschuldige neue Generation losgelassen.

Ist das jetzt noch Lokalfernsehen? Keine Ahnung. Aber wen interessiert das, wenn sich herausstellt, dass es sich rechnet? Statt aus der tiefsten Provinz heraus zu versuchen, die Welt zu regeln, ist Thoma einfach auf der Suche nach einem funktionierenden Geschäftsmodell. Als Jungunternehmer sozusagen, mit 75. Und wirkt dabei um vieles jünger als viele andere Lokalfernseh-"Macher", die Tag für Tag ohne Fische vom See zurückkommen und über die Ungerechtigkeiten dieser Welt klagen.

In Sachsen übrigens soll privates Lokalfernsehen jetzt stärker mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. Wenn Josefine Mutzenbacher das noch erlebt hätte...

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