LiveRail - Übernahme: Facebook kämpft mit um die Fernsehwerbung


Ist Facebook eigentlich ein Fernsehsender? Nein, natürlich nicht. Facebook ist kein Fernsehsender. Facebook ist die führende, globale Social Media - Plattform. Oder vielleicht doch?

Wer regelmäßig seinen Nachrichten-Stream bei Facebook durchscrollt, hat sicher bemerkt, dass die Bilder laufen lernen. Videos sind dort immer öfter nicht mehr nur als das übliche Bild mit dem Dreieck als Startknopf zu sehen. Sie laufen von selbst los, sobald sie im sichtbaren Teil des Bildschirms auftauchen. Ein klein wenig ist das schon wie das Zappen mit der TV-Fernbedienung. Nur dass zwischen den einzelnen Sendern noch sehr viele Texte und richtige Bilder kommen.

Facebook hat gerade "LiveRail" gekauft. Bei LiveRail ist man, wie in der Branche üblich, "extremely excited". LiveRail ist eine Plattform, über die Werbekunden ihre TV-Spots vor, nach oder in Videos im Netz platzieren können. Sogar "the world’s largest programmatic platform for video publishers" nach eigener Einschätzung. "Wir glauben, dass das Fernsehen in den kommenden Jahren sich in immer größerem Maße ins Internet verlagert und das Fernsehmacher wie Werbetreibende den Zuschauern auf diesem Weg folgen werden. Als wir unsere Gespräche mit Facebook über eine Zusammenarbeit begannen, wurde schnell klar, dass wir eine gemeinsame Vision zur Zukunft der digitalen Werbung haben." schreibt LiveRail weiter im Blog- Beitrag zur Facebook-Übernahme.

Diese "gemeinsame Vision" wird, das ist nicht schwer zu erraten, viel mit der Verlagerung von TV-Werbung ins Netz zu tun haben. Da käme ein richtig großer Kuchen neu in die Verteilung. Und mit dieser Vision sind die beiden nicht allein. Mit DoubleClick "Partner Select" ist mit Google auch der Hauptrivale von Facebook im Kampf um die Herrschaft im Netz gerade erst so richtig an den Start gegangen. Wer fehlt noch? Na klar, Amazon. Amazon hat begonnen, mehr Werbespots als Unterbrecherwerbung in seinen kostenfreien "Instant-Videos" zu verkaufen. Im gebührenpflichtigen "Amazon-Prime" SVOD - Angebot ( noch ? ) nicht.

Da passt es doch auch ins Bild, wenn CBS meldet, für Online-Gucker 20% mehr von den Werbekunden zu bekommen als für klassische Fernsehzuschauer. Die Reaktions- und Erinnerungswerte beim Zuschauer seien besser und die Zielgruppe insgesamt jünger.

Facebook wird mit LiveRail insgesamt einen besseren Zugang zu den großen Bewegtbild-Werbetöpfen bekommen. Dabei geht es nicht nur um Werbespots direkt im Facebook-Stream oder in Videos im Facebook-Stream. Wenn LiveRail Werbespots auf Webseiten und SmartTV ausspielt, könnten diese einen Facebook-Button bekommen, so dass der Zuschauer sie kommentieren, liken und teilen kann. Was die Werbekunden, so es denn geschieht, sicher "extremely excited" stimmen dürfte.

Extremely excited, aber in deutlich negativerer Richtung, ist man mittlerweile zu diesem Thema auch beim Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT). Im W&V - Interview forderte jetzt VPRT-Chef Tobias Schmid die Politik dazu auf, die Regeln für TV-Unternehmen zu lockern. "Man kann nicht zwei Leute in die Arena lassen, aber nur dem einen eine Eisenkugel ans Bein binden". Die zeitliche Begrenzung von Werbung sei abzuschaffen. Auch die Werbebeschränkungen im Umfeld von Nachrichten und Kindersendungen sollen weg. "Wir sind daran gebunden, YouTube nicht".

Der Kampf um die Werbe-Milliarden und damit um die Existenz-Grundlage vieler Fernsehsender hat jetzt wirklich begonnen. Die Sieger stehen noch nicht fest. Noch bekommt das Internet nur winzige Krümel vom großen Kuchen. Aber egal ob Facebook, Google oder Amazon- sie alle schmieden heftig an großen Messern und Tortenhebern.

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