LG zeigt TV-Displays der Zukunft: OLED, einrollbar und transparent

Flexibles Oled-Panel von LG. Foto: LG
Das wäre doch mal ein Highlight gewesen für das gerade stattgefundene "IFA Innovations Media Briefing" in Berlin, welches die Vorfreude auf die bald beginnende Funkausstellung wecken sollte. Aber LG zeigte seine beeindruckenden "Next-Generation"-Displays erst einmal nur in Korea, per Pressemitteilung.

Von der bevorstehenden Funkausstellung gab es aus dem TV-Bereich noch nichts wirklich aufregendes zu berichten. Nichts, was man nicht schon zur CES in Las Vegas oder gar schon im Vorjahr in Berlin hätte sehen können. Die neuen Displays von LG sind wohl auch noch nicht reif für eine Konsumenten-Ausstellung. Aber sie zeigen, so glaube ich, einen ersten Blick in eine spannende Fernsehzukunft.

Keine Wand frei? Dann eben ein Fenster. Foto: LG
Zwei neue 18-Zoll-OLED-Displays für TV-Geräte wurden da am Donnerstag vorgestellt. Das eine Panel ist flexibel und lässt sich wie eine Zeitung einrollen, das andere ist transparent. Der Fernseher der Zukunft könnte damit zum Beispiel als Tapete an die Wand geklebt werden- so "curved", wie man es gern hätte. Oder auch ein "Schau"-Fenster sein, das bei Bedarf Bilder anzeigt. Natürlich alles in UHD und OLED-Farbbrillianz.

Die vorgezeigten Displays haben eine Auflösung von 1.200 mal 810 Pixeln, das transparente Display hat eine Durchlässigkeit von 30%. Sie sind mit 18 Zoll zu klein, um mehr zu sein, als ein erster Eindruck von einer möglichen neuen "Next-TV"-Generation von Fernsehgeräten. Ein Ausblick, der zeigt, wohin die Reise geht. "Wir sind sicher, bis 2017 flexible und transparente Ultra-HD-OLED-Panels mit mehr als 60 Zoll, Durchlässigkeiten von mehr als 40 Prozent und einem Krümmungsradius von 100R erfolgreich entwickeln zu können, die auf dem Display-Markt der Zukunft führend sein werden", so In-Byung Kang, "Senior-Vizepräsident" und Leiter der Forschungsabteilung bei LG Display,

Foto: LG
Die für mich interessanteste Frage wurde aber noch nicht beantwortet: Brauchen derartige Displays überhaupt noch ein Fernsehgerät, um es "hineinzusetzen"? Seit einst die Bildröhren zu flimmern begannen, baut man weltweit Fernseher immer nach dem gleichen Prinzip. Man nimmt das Teil, dass das Bild anzeigt und baut irgendwie einen Kasten darum, der die restlichen Bauteile aufnimmt die das Hauptelement mit Strom versorgen und ihm sagen, was es tun soll.

Ist das eigentlich notwendig? Heutzutage führt diese Bauweise letztendlich dazu, dass zusätzlich zum Fernsehgerät allerlei "Set-Top-Boxen" den "Living Room" (so heißt das Wohnzimmer jetzt) verunzieren. Nur um dem Fernseher zu sagen, was er tun soll, weil er selbst das gerade gewünschte Angebot nicht "inside" hat. Nach und nach rüsten dann die TV-Gerätehersteller viele Dinge nach, worauf es wiederum dann neue Angebote gibt, die neue Set-Top-Boxen brauchen.

Wenn man die Set-Top-Box nicht abschaffen kann- warum nicht das Fernsehgerät? Es durch ein Display ersetzen, das direkt von der Set-Top-Box bespielt wird? Mit TV-Bildern, Internet, Games, Privat-Fotos oder was immer man sehen will?

Das wird den Fernsehgeräte-Machern nicht gefallen, wenn sie nur noch auf das Display reduziert werden. Aber wie wir aus dem Fall Loewe gelernt haben, konzentriert sich die Wertschöpfung bei modernen Fernsehgeräten ohnehin mehr und mehr auf das Display. Der Bau von schönen Rahmen oder Bedienungsknöpfen ist nicht mehr relevant. Im Panel, dem Bildschirm, steckt heutzutage der Wert des Gerätes, da drin stecken Hightech, Forschung, Entwicklung, große Investitionen in hypermoderne Fertigungsstätten und die Qualität des Displays entscheidet nahezu allein über Erfolg und Misserfolg im immer schwieriger werdenden Wettbewerb auf einem schrumpfenden und brutal umkämpften Markt.

Neben dem Display ist eigentlich nur noch die Software von Belang, insbesondere die Betriebssysteme. Die könnten auch in der Set-Top-Box sein statt im Fernsehgerät. Denn egal, ob LG's WebOS, Samsungs Tizen, Googles Android TV oder ganz jemand anders: Es wird nur wenige, vielleicht sogar nur ein Betriebssystem geben, welches sich als Standard für alle TV-Geräte durchsetzen wird.

Also, ich denke, der Fernseher der Zukunft ist gar kein Fernseher, auch kein "SmartTV"- er ist ein simples, aber dafür unglaublich brilliantes und wahrscheinlich sehr großes Display. Irgendein intelligentes Ding in irgendeiner Ecke der Wohnung wird das Display steuern und aus der Cloud mit den gewünschten Inhalten beliefern. Auch die Lautsprecher mit dem Super-Surround-Sound können weg in die Ecken. Mehr wird niemand brauchen.

Update 23.07.: Jetzt auch als Video. Beeindruckend:

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