Kein "Respect", nirgends. ZDF disst bei "Deutschlands Beste" das Publikum

Screenshot: ZDF Mediathek
Die Geschichte von der Ranglisten-Manipulation im ZDF (und es ging um "Deutschlands Beste"!!) kann man überall lesen. Darüber gibt es eigentlich nichts zu bloggen. Das ist irgendwie selbsterklärend.

Aber "dissen"? Das ist so ein Verb, welches man als, sagen wir mal Ex-Jugendlicher, vielleicht erst noch lernen muss. Also, "dissen" kommt eigentlich von "diss", dieses wiederum ist Hip-Hop-Jargon, sehr konservative Menschen würden Gangsta-Rap sagen. Es steht jedenfalls für das englische "disrespect", zu deutsch "nicht respektieren" und kann unter Umständen viel schlimmer sein, als es sich auf Deutsch im ersten Moment anhört. Alles klar?

Nein? Oh je. Dann braucht es eine etwas längere Erklärung, warum "dissen" im Fall ZDF, "Deutschlands Beste" und Rangliste der bessere Begriff ist- und schlimmer als "Manipulation".

Als ich ganz klein war, war das Filmgenre "Western" noch richtig en vogue. Fasziniert schaute ich damals auf die grandiosen Landschaften, durch die gute wie böse Cowboys und Indianer in den Sonnenuntergang ritten und für mich stand fest: Da willst du auch mal hin. Leider war ich 10km weit auf der falschen Seite der Grenze geboren. Als aber die Wende kam und die Mauer fiel, gab ich den größten Teil meines Vermögens einem Reisebüro und fuhr für vier Wochen stilecht im Cabrio durch das Land zwischen San Diego und Yellowstone Park. Natürlich war auch Hollywood, L.A., ein wichtiges Ziel. Und was jetzt kommt, beide Geschichten, ungelogen, sind da wirklich passiert.

Ahnungslos wie wir waren, buchten wir für L.A. ein Hotel genau auf der Grenze zwischen Downtown und South Central. Und ahnungslos wie wir waren, gingen wir jeden Abend auf Erkundungs-Spaziergänge in der Umgebung. Eines Abends kamen uns drei Herren schwarzer Hautfarbe entgegen. Als sie uns sahen, fächerte sich das Trio so auf, dass wir nicht einfach vorbeigehen konnten. Sie sahen so aus wie ein billiges Filmklischee. Groß, breit, riesig. Goldkettchen. Gesichter, deren Auftauchen im Film stets die Szene kurz vor der Szene ist, in der die Stuntman übernehmen.

"Where you from?" fragte einer. Prima, so viel Englisch konnten wir damals schon. "Germany." "Where from Germany?" "Jena. East Germany." "East Germany?? Great! Now you are here. Now you are free." Seine Hand grub tief in der Hosentasche- und brachte eine schon leicht vertrocknete Apfelsine zum Vorschein. Die bekam ich geschenkt- und war entlassen. Er hatte wohl im Fernsehen die Bilder der Demonstrationen und vom Mauerfall gesehen. Dafür empfand er "Respect". "Respect" ist sehr wichtig in South Central L.A. Ostdeutsche waren dort wohl für eine kurze Zeit privilegiert.

Vor dem Hotel stand den ganzen Tag ein älterer Mann mit ebenfalls schwarzer Hautfarbe. In der Hand hielt er die meiste Zeit des Tages eine Ausgabe der "L.A. Times". Die "L.A. Times" war Anfang der 90er Jahre eine Zeitung, deren Ausgaben oft mehr als ein Kilo wogen. Sie länger in der Hand zu halten, war recht anstrengend. Das Hotel hatte dem Herrn eine schöne Uniform angezogen und seine Aufgabe war es vorrangig, die Tür der drei bis vier Autos aufzureißen, die am Tag dort vorfuhren. Obwohl er also eigentlich nichts zu tun hatte, las er die Zeitung nie. Dies fanden wir sehr merkwürdig. Wegen mangelnder Sprachkenntnis fragten wir ihn aber nicht, wieso. Kurze Zeit später sahen wir den Herren wieder, im Fernsehen. Einem findigen Reporter war es auch aufgefallen, und die Auskunft erstaunte uns sehr. Er könne nicht lesen, er habe es es nie gelernt. Es gäbe ihm nur ein gutes Gefühl, die Zeitung zu haben. Die "L.A. Times" würden doch sonst die lesen, die ein paar hundert Meter weiter in den Glastürmen arbeiteten. Die etwas geschafft hätten im Leben. Die, die den "Respect" der anderen haben. Die Zeitung in der Hand gäbe ihm das gute Gefühl, er gehöre dazu.

Wir haben damals gelernt: Amerika ist viel sicherer, als man uns glauben machen wollte. Es ist das "Land of free", mach, was immer Du willst. Aber erwecke niemals den Eindruck, keinen "Respect" vor deinem Gegenüber zu empfinden. "Respect" ist etwas fundamental wichtiges. Cowboys gingen damals mit den Colt auf die Straße, vor dem Saloon, wenn sie "disrespect" empfanden. Und auch heute glauben nicht wenige US-Bürger, "disrespect" sei ein Problem, nach dessen Lösung eigentlich nur einer den Platz wieder verlassen kann.

Präsident Obama jedenfalls kennt das Problem bestimmt sehr genau, welches seine Spione hier in Deutschland heraufbeschwören. Auch da geht es um "Respect". Zwar wird selbstverständlich über alles professionell hinweggelächelt, aber nach dem in South Central L.A. gültigen Ehrenkodex müsste er eigentlich schon Post von Frau Merkel haben, mit einem Vorschlag für Ort, Zeit und die zu wählenden Waffen. Ob die Leute vom ZDF immer wissen, was sie so anstellen, ist dagegen zweifelhaft.

Zumindest von Claus Kleber gibt es einen Entschuldigungs-Tweet an Peter Klöppel von RTL:
Und sogar das ZDF-eigene "Heute Journal" berichtete von den Vorgängen rund um die Ranking-Show und verkürzte die offizielle ZDF-Mitteilung "Erstellung der Ranglisten bei „Deutschlands Beste“ fehlerhaft" in das viel leichter verständliche "Ranglisten waren manipuliert".

Zuerst wurde gegenüber den Zweiflern nur darauf hingewiesen, dass die Online-Umfrage überraschenderweise von Fanclubs verfälscht gewesen sei. Das Internet ist ja trotz zahlloser "Multimedia"- Experten im Haus doch noch Neuland. Dann kam heraus, dass die Redaktion auch die Ergebnisse von "Forsa" und "Hörzu" ebenfalls so lange weiter "bearbeitet" hatte, bis es irgendwie passend erschien.

Jetzt könnte man berechtigterweise fragen, ob das Land keine dringenderen Probleme hat. Es gibt da aber nicht zum ersten Mal irgendwie hinter-fragwürdige Vorgänge. Auch die Geschichte von Markus Lanz und Sahra Wagenknecht passt zum Beispiel dazu. Es scheint da beim ZDF ein grundlegenderes Problem zu geben, dass sich vielleicht nicht mit der von Programmdirektor Norbert Himmler angekündigten "Prüfung arbeitsrechtlicher Konsequenzen" oder "spezifischen Regeln für Voting-Shows" lösen lässt.

Da fehlt ganz einfach der "Respect" gegenüber den Leuten "da draußen", außerhalb des "öffentlich-rechtlichen" Raumschiffs. Egal ob es nun eine "Linke", deren Wähler und Wählerinnen, Leser einer Programmzeitung oder Umfrageteilnehmer bzw. Online-Voter sind.

Da gibt es ein "wir" im Glaspalast, ein "wir", dass offenkundig dem Zuschauer gegenüber keinerlei "Respect" mehr entgegenbringt. Okay, Deutsche sind vielleicht leidensfähiger, siehe Obama versus Merkel. Aber, liebe ZDF-Leute, wenn es irgendwann zum Duell kommt, könnt ihr nicht gewinnen. Als gedisster Gebührenzahler steht mir die Wahl der Waffen zu. Wie wäre es mit Lastschrift-Rückgabe bei der Position "Rundfunkbeitrag"?

Kommentare

  1. Manche Leute haben Probleme...und offenbar viel Zeit.
    Ich kenne die Sendung gar nicht und habe dadurch ein Problem weniger. Und mehr Zeit.
    Für ein gutes Buch zum Beispiel.

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  2. Für ein gutes Buch habe ich bei dem Bisschen, was mir mntl. zur Verfügung steht, leider kein Geld mehr übrig. Das geht leider alles in die sog. Demokratie(ZWANGS)Abgabe... :((

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