Kahlschlag bei Microsoft: Xbox bald ohne "Entertainment Studios"

Foto: xboxone / Microsoft
Da springt er hinaus in eine unbekannte, feindliche Welt- für Halo 5 "Guardians" und für Microsoft. Ob das gut geht? Microsoft hat diese Woche verkündet, bis nächstes Jahr 18.000 Leute weniger beschäftigen zu wollen. Okay, dass bei Nokia nicht alles bleiben würde, wie es ist, war klar. Aber 12.500 Leute weniger allein bei Nokia klingt schon verdammt nach Abwicklung. Dafür hätte man die Firma nicht erst im April für mehr als 7 Milliarden Dollar kaufen müssen.

Völlig überraschend kam aber die Nachricht, dass die "Xbox Entertainment Studios" geschlossen werden. Aus der Sicht von Netz-TV liquidiert Microsoft damit eine reale Möglichkeit, den "Windows"-Konzern irgendwie doch noch in die digitale Zukunft zu retten.

Mit der "Xbox One" wollte Microsoft beim Konsumenten eigentlich den "Living Room", das vom Fernseher beherrschte Wohnzimmer, erobern. Die "Xbox Entertainment Studios" sollten Filme und Serien produzieren, Content, der Zuschauer wie Gamer gleichermaßen fasziniert- und Content nur für XboxOne-Besitzer. Mit der eigenen Produktion, dazu bei Bedarf noch Live-TV genauso wie on demand über die Xbox sollten klassisches Fernsehen, Games und Internet in einem irgendwann alle Entertainment-Bedürfnisse erfüllenden Microsoft-Gerät zusammenfinden.

Denn die Zukunft liegt in den Filmuniversen- oder wie auch immer man das nennen möchte und "Halo", obwohl erst einmal ein Game und kein Movie, ist ein exzellentes Beispiel dafür. Halo ist ein "Ego-Shooter", ja, aber Halo ist auch viel mehr. Da gibt es nicht nur "mich", die Kanone und die Bösen, die mir in virtuellen Welten auflauern, damit ich sie abknallen kann. Halo hat ein Drehbuch, Geschichten, Charaktere, es ist eine eigene Welt, ein Games-Universum. Es gibt "Halo"-Bücher und Filme.

"Halo 4" war genau deshalb ein Riesen-Erfolg, ein Erfolg, mit dem die "Xbox" im Kampf gegen Sonys Playstation erstmals wirklich punkten konnte. Der Content, nicht Prozessoren oder Programme brachte die Konsole nach vorn. Jetzt warten zahllose Gamer aus aller Welt mit großer Vorfreude auf das für den Herbst angekündigte "Halo 5". Microsoft selbst hat dagegen aus der "Halo"-Erfahrung wohl nichts gelernt.

Weil die neue "XboxOne" im Konkurrenzkampf gegen die preiswertere Playstation 4 nicht so recht aus den Regalen kam, entkoppelte Microsoft sie zuerst von der Kinect-Bewegungssteuerung, um sie billiger anbieten zu können. Das kam beim Kunden gut an- zu wenig Spiele-Entwickler waren bisher auf den "Kinect"-Zug aufgesprungen. Für die Controller im Konzern und ihre Excel-Tabellen sicher ein Erfolg. Aber "Kinect" als USP für seine Box kann Microsoft jetzt vielleicht wegwerfen. Jetzt werden die Entwickler möglicherweise gar nicht mehr wollen.

Microsofts Alptraum Google hat für sein neues "Android TV" den Schwerpunkt "Games" angekündigt. Zwar gibt es noch keine "Nexus"-Konsole und wird sicher auch keine geben- das macht langfristig aber nichts, denn mit immer besseren Internetverbindungen wandert das Spiele-Geschäft ohnehin mehr und mehr direkt in die Cloud. Und im Preiskampf, liebe Microsoftler, sind die Asiaten traditionell besser.

Jetzt auch noch das Ende für die "Xbox Entertainment Studios". Zwar werden angefangene Projekte wie Steven Spielbergs "Halo"-Serie noch fertig gestellt, aber das war es dann auch. Der Kampf um Leute, die Entertainment-Universen erschaffen können, die das Publikum wirklich bewegen, ist hart und wird in Zukunft noch härter werden. Ob Microsoft da noch einmal richtig ins Geschäft kommt, bleibt zweifelhaft.

"Im Kern ist Microsoft die Firma für Produktivität und Plattformen in einer "Mobile first" und "Cloud-first" - Welt." So der neue Microsoft-CEO Satya Nadella. "Wir werden die Produktivität neu erfinden, um jede Person und jede Organisation auf dem Planeten dabei zu unterstützen, mehr zu tun und mehr zu erreichen."

Das mag der Plan sein. Was aber, wenn die Controller der Firmenkunden in aller Welt feststellen, dass es Excel-Tabellen bei Google (fast) kostenlos gibt und man dann keine Universen mehr hat, die die Fantasie der Privat-Konsumenten ansprechen können?

Kommentare

Aktuell meist gelesen: