Endlich offiziell: Netflix ab September in Deutschland

Foto: Netflix
Es wird Zeit, dass sich was ändert. So geht es jedenfalls nicht weiter. Letzten Samstag habe ich es mal wieder versucht. Einfach einen Film gucken. Geht gar nicht. "Long Weekend" wurde da auf Pro 7 angeboten, eine Art Mystery-Thriller mit ein wenig Horror für Umweltschützer. Jamie Blanks Remake des gleichnamigen Originals aus dem Jahre 1978 ist aber eigentlich ein zwei Personen-Drama. Eine zurückhaltende, atmosphärische Inszenierung baut ganz langsam Spannung und Spannungen vor einer grandiosen Natur-Kulisse auf. Wenn man sie denn lässt. Denn immer wenn man gerade in Gefahr läuft, von der Geschichte gefesselt zu werden, kommt die Werbung.

Und die Werbung ist lang. Oft gar keine bezahlte Werbung mehr, mit der der Sender vielleicht Kohle für mehr und bessere Filme verdienen könnte. Da reiht sich Trailer an Trallala, stielt kostbare Lebenszeit und macht jedes Filmvergnügen unmöglich. Sonntag Abend gab es auf dem gleichen Sender die Free-TV-Premiere von Ridley Scott's "Alien"-Prequel "Prometheus". Eines der Kino-Ereignisse der vorvorigen Saison. Zum Glück hab ich das auf DVD. Eine typische Stimme des Publikums auf twitter:


Fernsehen ist kein Kommunismus und die Sender müssen Geld verdienen- keine Frage. Jedenfalls Privatfernsehen. Aber auf der Suche nach immer noch mehr Rendite hat man da das Publikum und seine Bedürfnisse längst aus den Augen verloren. Nach "fest" kommt "ab" haben mir kluge Handwerker einst in der Lehrzeit zum Thema Schrauben beigebracht und was die großen deutschen privaten TV-Sender betrifft, ist bei mir immer mehr "ab".

Alternativen öffentlich-rechtlich? Nö. Der gefühlt 48.000ste Mord in einem Vorstadthaus, den Kommissarinnen und Kommissare mit seelischen Problemen aufklären. Degeto-Groschenheft-Welten mit englischen Landlords, italienischen Liebhabern, starken blonden Frauen, die schwarze Babys in Afrika retten- oder halt was mit Nonnen. Nonnen! Die letzte, die ich leibhaftig gesehen habe, stand hinter mir an der Supermarkt-Kasse und hat die Taschenbuch-Ausgabe eines dieser sehr blutigen Skandinavien-Krimis gekauft. Wahrscheinlich wegen dem Fernseh-Programm.

Etwas Neues muss her. Dringend. Netflix kommt nach Deutschland. Nun sogar schon pünktlich zur Funkausstellung im September. So hat es das US-Streaming-Portal gestern offiziell mitgeteilt.

Geschenkgutschein
Foto: Netflix
Es soll sogar zu Weihnachten schon Geschenkgutscheine in den Läden geben, mit denen wir uns endlich mal wieder einen fesselnden Film am Stück schenken können. (Siehe Foto)

Okay, auch Netflix wird uns nicht alle und nicht immer glücklich machen. Geschenkgutscheine gibt's auch von Apple oder Google Play. Dort gibt es auch gute Blockbuster, ja, aber oft auch zu Preisen, für die ich auch eine Kinokarte oder DVD kaufen kann. Bei Netflix scheint jemand am Ruder zu sein, der ein neues Fernsehen bauen will, eines, welches er selbst auch gern schauen möchte.

Im Geschäftsbericht für die Aktionäre gibt es dort jedenfalls vor dem Teil "Marketing" den größeren Abschnitt "Content", der mit Stolz über bereits getane und kommende Eigenproduktionen berichtet. Wahrscheinlich haben die Netflix-Macher das Gefühl, Programm könnte für ihr Geschäft von großer Bedeutung sein.

Über "House of Cards" liest man da, ja, über viele Emmy-Nominierungen auch, aber vor allem wird stolz über neu begonnene und vor dem Start stehende Produktionen berichtet. "Hemlock Grove" ist gerade fertig geworden und "On Air". Die vierte und letzte Stafffel "The Killing" kommt in den nächsten Wochen. Rund um die Welt seien Teams in der Produktion damit beschäftigt, die Werke der besten Drehbuchautoren in Szene zu setzen.

Für "Marco Polo" wird gerade in Kasachstan und Malaysia gedreht. In New York ist Marvels "Daredevil" als erste Serie von "Marvel Television" in Arbeit. Die Wachowsky-Brüder (ja, die von Matrix) machen "Sense8". Netflix hat Drehbücher, die Legenden wie eine Jane Fonda und einen Sam Waterston vom Hollywood-Pool zurück an den Set locken können. ("Grace and Frankie")

Mittlerweile hat Netflix weltweit mehr als 50 Millionen Abonnenten. In den USA 36 Millionen- hochgerechnet auf Deutschland wäre das so etwa ein Potential von 8 bis 10 Millionen. Selbst die Hälfte, so sie denn für Netflix zu gewinnen sind, könnte das deutsche Fernsehen vielleicht ein wenig zur Rückbesinnung auf seine Zuschauer bringen.

Ich freu mich auf Netflix.

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