Aus DVB-T wird DVB-T2 - und ja, es geht nicht mit Ihrem alten Gerät

Eigentlich wollte RTL ja mit diesem DVB-T aufhören. Am Rande eines Treffens "der Marktbeteiligten" vorgestern in Berlin wurde aber offiziell bekannt, was schon seit einiger Zeit im Umlauf ist: Zumindest auf der DVB-T-Insel Berlin wird es weiterhin RTL-Programme zu sehen geben. In München und Südbayern zum Beispiel sind die RTL-Programme bereits nicht mehr per DVB-T zu empfangen.

Eingeladen zum Treffen hatte der Koordinator Netze, Technik, Konvergenz der Medienanstalten, Thomas Fuchs und Vertreter von ARD, ZDF, RTL, ProSiebenSat.1, VPRT und Media Broadcast waren zu einem ersten runden Tisch zum Thema Zeit- und Frequenzplanungen für den Umstieg von DVB-T auf DVB-T2 erschienen. RTL macht bei DVB-T nur "mit Focus auf DVB-T2" weiter, denn nur unter gewissen Rahmenbedingungen, so waren sich alle Beteiligten einig, sei die terrestrische Fernsehverbreitung zukunftsfähig und attraktiv. Andre Prahl, Bereichsleiter Programmverbreitung bei der Mediengruppe RTL Deutschland zum Thema: "Die geplante Einführung von DVB-T2 eröffnet dem digitalen terrestrischen Fernsehen eine echte Zukunftsperspektive. Als privatwirtschaftlicher Fernsehanbieter können wir unter Kostengesichtspunkten unsere Verbreitung über die digitale Terrestrik nur dann fortsetzen, wenn es gelingt, diese mittelfristig wirtschaftlich profitabel zu gestalten. Mit der angestrebten Verbreitung unserer HD-Programme über eine DVB-T2 Plattform rückt diese Option in greifbare Nähe."

Zu den "gewissen Rahmenbedingungen" gehört sicher, dass die herkömmliche DVB-T - Technik weder zukunftsfähig noch attraktiv ist. Die mäßige Bildqualität und die geringe Senderauswahl sorgen dafür, dass die Mehrzahl der DVB-T Empfänger wohl Zweitgeräte im Garten oder Laptops mit Empfangsmodul sind. Dem nicht geringen Aufwand für den Betrieb der Sender stehen marginale Zahlen erreichter Zuschauer gegenüber. Nach dem Digitalisierungsbericht der Medienanstalten haben im Jahr 2013 elf Prozent der deutschen TV-Haushalte Fernsehen über DVB-T empfangen. Das wären knapp 4,2 Millionen- aber nur für die Hälfte, insgesamt 2,1 Mio. Haushalte, ist DVB-T der einzige Fernsehempfangsweg.

DVB-T2 ermöglicht den Empfang von mehr Programmen in besserer Qualität, insbesondere in HD. Das digitale Antennenfernsehen braucht also eine neue Perspektive und man war sich darüber einig, dass dieser Übertragungsweg nur durch den Umstieg auf Dauer erhalten und weiter entwickelt werden kann.

Eine schrittweise Einführung von DVB-T2 wird deshalb  jetzt ab Mitte 2016 angestrebt und soll nach den jetzigen Planungen im Jahr 2020 abgeschlossen sein. HEVC soll als einziger Kodierstandard Verwendung finden. Am Ende der Umstellung auf DVB-T2 sollen dann auch Kapazitäten freiwerden, mit denen die Mobilfunkunternehmen die Breitbandziele der Bundesregierung umsetzen können. Denn eigentlich war schon vom Abschalten zugunsten der an Frequenzmangel leidenden Mobilfunker die Rede.

Hubschraubermontage für DVB-T am
Olympiaturm München. Foto: Media Broadcast
Media Broadcast, als Betreiber der DVB-T Sender finanziell nicht ganz uninteressiert, appelliert schon einmal an Politik und Regulierung, jetzt schnell "verlässliche Rahmenbedingungen" für den Wechsel auf DVB-T2 zu schaffen. Wolfgang Breuer, Vorsitzender der Geschäftsführung dazu: "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und den Grundstein für eine attraktive digitale Terrestrik der Zukunft gelegt. DVB-T2 ist marktreif, und Media Broadcast ist bereit für die Umstellung auf den neuen Standard. Jetzt ist es an Bund, Ländern und Regulierungsbehörden, den Wechsel zu ermöglichen. Das bedeutet konkret: Sichern der Frequenzen im 700-MHz-Band zumindest bis zum Abschluss der DVB-T2-Umstellung, langfristige Planungssicherheit für das verbleibende Rundfunkspektrum und Umsetzen des medien- und telekommunikationsrechtlichen Prozesses. Wir vertrauen darauf, dass die Bundesregierung zu ihren frequenzpolitischen Zusagen im Koalitionsvertrag steht und freuen uns auf einen zügigen und weiterhin konstruktiven Dialog mit Ländern und Regulierungsbehörden."

In der Pressemitteilung von Media Broadcast zum Thema steht übrigens, dass die Mediengruppe RTL in der Übergangszeit bis zum Start der neuen Plattform im DVB-T2 Standard die "unverschlüsselte" DVB-T-Verbreitung ihrer Programme für zunächst zwei weitere Jahre fortführen wird. Danach strebt RTL eine Verbreitung seiner HD-Programme über diese Plattform im DVB-T2 Standard an. Aber "unverschlüsselt" fehlt im zweiten Satz. "HDplus", die Pay-TV-Kasse für schärferes Privatfernsehen, soll sicher nicht durch kostenfreien Antennenempfang abgelöst werden.

Für RTL, HDplus und Media Broadcast werden also wohl Lösungen gefunden. Für die DVB-T-Zuschauer aber nicht. Denn ein DVB-T-Empfangsmodul kann kein DVB-T2 empfangen. Ohne neues Gerät wird der Bildschirm ab 2020 wieder mal dunkel.

Kommentare

  1. Hubert Staudenmaier10. Juni 2014 um 11:26

    Ich muss mich schon sehr wundern. Da wird DVB-T als Überallfernsehen gefeiert, eine Riesenlüge! Die Sender viel zu schwach, ein großer Antennenaufwand, selbst wenn man in Sendernähe wohnt, eine kümmerliche Anzahl an Sendern, und ab 2016 gibt es plötzlich DVB-T2 und man kann die alten Geräte wegwerfen? Verschlüsselt= gegen Gebühr. Und: nur 4,2 Millionen Haushalte nutzen DVB-T, aha, im Schnitt 2 Personen, also fast 10 Millionen Leute, die offenbar keine Rolle spielen. Und: machen wir uns nichts vor: HD-Fernsehen braucht mehr Antenneneingangssignal, also Überallfernsehen wird gar nicht überall gehen. Und wie lange wird DVB-T2 halten? Es gibt schon höhere Auflösungen! Also Planung in Deutschland wieder mal Null. Und alte Geräte in den Müll. Vielen Dank, ARD, ZDF, RTL usw.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Aktuell meist gelesen: