YouTube versus TV: Wie ein Krieg um die Werbebudgets beginnt

Zum Schluss der Veranstaltung sang Pharrell Williams seinen gerade auf YouTube massenhaft gecoverten Mega-Hit "Happy"- ob wirklich alle nach diesem letzten April-Abend 2014 happy waren, lassen wir hier mal offen.

YouTube hatte zur "Brandcast 2014" in den Madison Square Garden geladen und mehr als 2000 Gäste waren gekommen. Besondere Gäste. Eingeladen waren vorrangig die Vertreter der US-Werbewirtschaft, die Entscheider über die Etats.

In New York sind gerade die "Digital Content Newfronts" im Gange- eine Veranstaltung des "Interactive Advertising Bureau". Bei privaten Fernsehsendern ist es ja schon lange Tradition, dass die neue Programmsaison in aufwändigen Gala-Veranstaltungen der Werbewirtschaft präsentiert wird, um die Lust am Buchen etwas zu befördern.

Mit den "Digital Content Newfronts" gibt es das für die großen Online-Video-Anbieter, die sich immer öfter selbstbewusst auch "TV" nennen, jetzt auch. So waren schon eine ganze Menge selbstbewusste Demonstrationen der neuen Herren der bewegten Bilder im Internet in New York zu sehen, AOL war vertreten genauso wie Microsoft, Vice oder Yahoo.

YouTubes "Brandcast" sollte der Höhepunkt der "Digital Content Newfronts" sein, und die Besucher wurden wohl nicht enttäuscht. "Die Idee, eine Marke ausschließlich mit TV zu bewerben ist nicht besonders gesund, wenn die Nielsen-Daten uns zeigen, dass YouTube unter den 18 bis 34-jährigen mehr Zuschauer erreicht und auch bei den 18 bis 49-jährigen das Kabel-TV noch übertrifft", so Pepsi-Marketingchef Frank Cooper an diesem Abend.

Den Google-Verantwortlichen wird es gefallen haben. Nach ersten Erfolgen wollen sie mit YouTube endlich den Durchbruch zu den wirklich großen Werbebudgets schaffen, die auch am US-Markt zum Großteil noch immer ins klassische TV gehen.

"Google Preferred"- das ist der neueste große Plan dazu. Denn YouTube sei im Vergleich zum klassischen TV zu schwer planbar, so mosern die Agenturen schon seit langem. Niemand wisse schließlich bei der YouTube-Kampagnen-Planung, welche Videos mit welchen Inhalten in drei oder sechs Monaten dann hinter der Werbung so laufen.

Google legt ja immer viel wert auf eine "positive Nutzererfahrung"- um die Agenturen glücklicher zu machen, gibt es also für den US-Markt nun "Google Preferred". "Preferred", also bevorzugt- schon der Name wird den Werbern gut gefallen. Genau bedeutet es, dass die erfolgreichsten 5% aller Kanäle in 14 verschiedenen Kategorien aus der "gewöhnlichen" YouTube-Werbung herausgenommen und den Agenturen zur Buchung im voraus angeboten werden. Im Prinzip also so, wie diese es aus dem bisherigen TV-Geschäft kennen. Und eine Garantie, dass gewünschte demografische Zielgruppen planmäßig erreicht werden, gibt es noch obendrauf.

Das setzt die Agenturen sehr clever unter Rechtfertigungs-Zwang. Auch die, die, aus welchen Gründen auch immer, an dieses YouTube-Thema noch nicht so recht heranwollen. Denn dass Google seine Angebote auch sehr gut direkt an die Werbekunden vermarkten kann- das wissen sie alle.

Der Krieg um die großen Werbetöpfe wird kommen, auch in Deutschland, und er wird gnadenlos sein. Ein paar Eindrücke vom "YouTube Brandcast 2014" gibt's hier:

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