Und es geht doch: "Real Humans" - Europa kann Serie

Unboxing wie beim Iphone. Der "Hubot" ist da. Foto: ARTE France / © Johan Paulin
Ohne spannende Inhalte ist jede Fernsehrevolution sinnlos- und es sind die Serien, die derzeit das Fernsehen revolutionieren und neue Trends wie "Binge-Watching" in die TV-Welt bringen. Und eigentlich sind es nicht die Serien, sondern US-Serien. Von "Breaking Bad" ist da die Rede, "House of Cards", "Game of Thrones", "Hannibal", "Homeland", "The Blacklist" oder "Walking Dead". Niemand käme derzeit auf die Idee, aus Deutschland könnte eine Serie kommen, die Leute in nennenswerter Anzahl zum Binge-Watching animiert. Ja, eigentlich hat man bisher das Gefühl, so eine Serie könne überhaupt nur aus den USA kommen. Hollywood war schon immer auch Marketing-Weltmeister.

Zumindest aber aus europäischer Produktion sind solche Mega-Serien vielleicht doch möglich. Heute Abend startet eine um 21.45 Uhr auf Arte sogar schon in die zweite Staffel, so glaube ich. Es hat nur noch so richtig niemand bemerkt. "Äkta människor" kommt da, das heißt auf schwedisch "Echte Menschen" woraus sich marketingtechnisch geradezu zwangsläufig der deutsche Serientitel "Real Humans" ergibt.

Darüber hinaus kann eine schwedische Serie ihren Bekanntheitsgrad wohl nicht mit Werbe-Windmaschinen in vergleichbarer Größenordnung wie US-Produktionen fördern. Jedenfalls ist die erste Staffel im Frühjahr 2013 auf Arte komplett an mir vorbeigegangen. Diese wurde jedoch in den letzten Wochen auf Arte noch einmal wiederholt- und beworben. Da Arte exzellente HD-Reportagen und Filme ohne Aufpreis sendet, hab ich den Sender wie viele andere mittlerweile weiter vorn. So bekamen die "Real Humans" ihre Chance- und ich war begeistert.

Okay, aus Schweden kommen Wallander-Krimis auf und noch Düstereres wie "Millennium" vielleicht sogar über Hollywood-Niveau. Aber Science Fiction? Gut 40 Jahre sind Stanislaw Lems phänomenale "Sterntagebücher" nun schon alt. Seit der dort geschilderten "Waschmaschinen-Tragödie" hat wohl niemand mehr vergleichbar genial, visionär und zugleich unterhaltsam beschrieben, welche Folgen es haben könnte, wenn sie denn irgendwann unter uns sind- die Roboter, intelligente Maschinen, die vom Aussehen her nicht mehr von "richtigen" Menschen zu unterscheiden sind.

Erfinder Lars Lundström zeigt mit "Real Humans" gleichzeitig, dass grandiose Science Fiction auch ohne riesige CGI - Budgets machbar ist- wenn mann denn Ideen hat. Seine "Hubots" (Human Robots) sehen ja aus wie ganz normale Menschen. Der USB-Anschluß ist hinten am Hals in der Regel von den Haaren verdeckt, der Akku-Anschluss unter den Achselhöhlen. Nur bluten, bluten bei Verletzungen- bluten tun die Hubots in blau.

Verkauft werden die Hubots von ganz normalen Verkäufern in Anzügen, gern auch finanziert und das Auspacken daheim erinnert stark an das "Unboxing" eines neuen Iphone. Dann aber geht es los, im liebenswert-spießigen schwedschen Idyll, hintergründig, manchmal schon bösartig witzig und auch schon mal ein wenig splatterig.

Hätte das Drehbuch oder wenigstens die Idee bei ARD oder ZDF eine Chance gehabt? Da habe ich Zweifel. Unbedingt anschauen. Rückwirkend auch bei Watchever.

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