Spannend- die ZDF - APP zum Nachdenken kommt

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Foto: ZDF / reticula.net, Vincent Wicky
"Wer surft, der zappt nicht." So hatte ich die Sache mit dem "Second Screen" bisher noch nicht betrachtet. Als Alptraum ungeliebter WettenDass-Moderatoren oder Möchtegern-Quizduellanten ist der Second Screen ja mittlerweile etabliert. Mit tiefgründigen Studien wurde auch bewiesen, dass er der Werbung nicht schadet - sogar dann, wenn er dafür sorgt, dass keiner zuguckt. Den Second Screen mit Hilfe einer App in die Handlung eines Spielfilms zu integrieren, das ist dagegen neu. Das Ganze dann noch als "Vorgucker" für eine "begleitende Dokumentation" zum Thema Datensicherheit und NSA-Affäre zu nutzen - das klingt schon vor der Sendung unbedingt preisverdächtig.

Zu erleben ist das Event am 26., 27. und 28. Mai im ZDF, und ja, es scheint wirklich so, an diesen Tagen sieht man mit dem Zweiten besser. Mit einer Free-TV-Premiere im ZDF-"Montagskino", dem niederländischen Thriller "APP", geht es am 26. Mai um 22.15 Uhr los. Dort kann man die hübsche Anna (Hannah Hoekstra) beobachten, die nach einer feuchtfröhlichen Studenten-Fete auf ihrem Smartphone eine App namens "Iris" entdeckt, die Antworten auf alle Fragen verspricht. Vielleicht sogar auf die Frage, warum ultimative Traumfrauen eigentlich immer Anna heißen.

Aber "Iris" ist nicht nur allwissend. Die App drängelt sich immer stärker in das Leben der Studentin hinein. Intime Videoclips von ihr und ihrer besten Freundin Sophie tauchen plötzlich im Internet auf. Mysteriöse Anrufe versetzen Anna in Angst und Schrecken. "Iris" schleicht sich wie ein gefährlicher Virus mit tödlichen Folgen in das Leben all ihrer Freunde und Bekannten ein.

Mutige Zuschauer sollen vor Beginn des Films eine ZDF-App herunterladen, die unter dem Suchbegriff "App – Der Film" im App Store von Apple oder bei Google Play zu finden ist. Natürlich kann man auch so gucken. Für das komplette Erlebnis aber, welches man mit seinen Gebühren ja schon bezahlt hat, braucht man zusätzlich den mobilen "Second Screen"- mit App.

Die bietet dann mehr als die übliche Hintergrundinformation. Zu Beginn des Films aktiviert, läuft die App parallel zur Spielfilmhandlung und soll eine "dramaturgische Erzählfunktion" haben. Über Zeitungsartikel, SMS-Dialoge, Filmsequenzen und variierte Kameraeinstellungen, die so im Film nicht zu sehen sind, soll man tiefer in das Geschehen eintauchen. Man bekommt zusätzli­che Informationen und ist den handelnden Figuren oft ein Stück voraus. Der Zuschauer ist Mittäter, wenn Studenten mit ihren Handys einen Selbstmord filmen oder Nacktbilder der Protagonistin auch auf seinem Second Screen landen. Und er ist zugleich Opfer, da er genauso neugierig und experimentierfreudig, aber auch genauso naiv und sorglos die Möglich­keiten des Internets nutzt wie die Filmheldin.

So kann "APP" letztendlich zu einem  spannenden Spiel mit Seh- und Rezeptionsgewohnheiten werden, das in erster Linie Spaß machen, aber auch zum Nachdenken anre­gen soll

Zum endgültigen Nachdenken soll uns dann wohl die Dokumentation "Verschwörung gegen die Freiheit" von Elmar Theveßen veranlassen, die in zwei Teilen am 27. Mai um 20.15 Uhr und 28. Mai 22.15 Uhr nachgeliefert wird.

Wenn das ganze Projekt nur halb so spannend wird, wie es sich im Vorfeld anhört: Sendetermin merken und APP geht's!

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