Hurra, Netflix kommt - ist jetzt Revolution ?

Screenshot: www.netflix.com/global, aus Deutschland aufgerufen
Jetzt ist es endlich offiziell. Netflix kommt, und Netflix will noch in diesem Jahr auch die deutschen Smart-TV-Bildschirme stürmen. Einen genauen Starttermin gibt es zwar noch nicht, aber "later this year" heißt zumindest definitiv noch 2014. Und eine "signifikate" Expansion wird es sein. Deutschland, die Schweiz, Österreich, Frankreich, Belgien und Luxemburg sind jetzt dran, so verspricht es die Netflix-PR.

Und siehe da, von Deutschland aus aufgerufen, ist die Homepage bereits aktualisiert. "Genießen Sie Filme und Serien jederzeit und überall. Für einen günstigen monatlichen Pauschalbetrag" wird da versprochen und wer sich jetzt schon anmeldet, bekommt eine Mail, wenn es dann wirklich los geht.


Wie zu erwarten, gibt es ein ziemlich euphorisches Presseecho. Von einer "Fernseh-Revolution" ist die Rede und dass "die Konkurrenz zittert". Wird Netflix der Messias werden, der uns von schlechtem Fernsehen auf ewig erlöst? Da sind doch einige Zweifel angebracht.

Sicher, für andere Streamingdienste kommt da ein beachtlicher Wettbewerber auf den Markt. Aber Netflix kommt auf einen Markt, der anders ist als der US-Markt. Der deutsche Fernsehzuschauer zahlt hohe Rundfunkgebühren und bekommt dafür ein zwar viel kritisiertes, aber dennoch beachtliches und vor allem sehr umfangreiches Angebot.

In einigen Wochen ist Fußball-WM- da würden private Programmanbieter zum Beispiel wohl am liebsten abschalten und den Strom sparen. Wie von Gremien geleitete Behörden, so funktionieren öffentlich-rechtliche Sender- langsam, sehr langsam, aber wenn man nur lange genug wartet gibt es auch Ergebnisse und sogar Innovation. Und die Zahl der mehr oder weniger frei empfangbaren privaten deutschen TV-Sender wächst weiterhin scheinbar unbegrenzt. Selbst TV-Profis verlieren da mittlerweile langsam den Überblick.

Es wird daher sehr schwer wenn nicht gar unmöglich sein, ein nachhaltig profitables Geschäftsmodell für den deutschen Markt zu finden. Will Netflix dabei erfolgreich sein, muss es den normalen Zuschauer in großer Zahl erreichen- nicht nur den Serienfreak oder den Nerd, der seine Multimedia-Empfangsstation auf Linux aufsetzt. Die Zuschauer, die jetzt Fußball, "Tatort", DSDS oder Rosamunde Pilcher-Filme gucken. Bei Sat1 fand "House of Cards" kaum Zuschauer. Sicher war es dort ungünstig programmiert, aber viele der hochgelobten US-Serien behandeln auch sehr US-spezifische Themen. Werden die gleichen Zuschauer, die "House of Cards" im Free-TV uninteressant fanden, jetzt Monats-Abos abschließen um das Gleiche per Streaming doch noch anzuschauen?

Netflix wird nicht nur aufwändig auf deutsch synchronisieren und viele Rechte neu zukaufen müssen. Wer auf Dauer erfolgreich sein will, braucht auch exklusive Qualitätsinhalte zumindest vom europäischen Markt, muss diese wahrscheinlich sogar selbst produzieren. Das wird teuer, sehr teuer. Und läuft mittelfristig auf einen weniger "günstigen Pauschalpreis" hinaus.

Dazu kommt, dass die hiesigen Internetprovider die Zahlungen von Netflix an Comcast für bessere Datenanbindung auf dem US-Markt sicher mit Interesse zur Kenntnis genommen haben. Spätestens wenn 4k-UHD-Streaming häufig genutzt wird werden sie auch hier Rechnungen an Netflix schreiben wollen- Netztneutralität hin oder her.

Das reicht jetzt aber an Bedenkenträgerei- willkommen Netflix. Schön, dass ihr da seid. Konkurrenz belebt das Geschäft. Und es wird in jedem Fall spannend werden, sehr spannend.

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