Wenn Buddha lächelt. Amazon Fire TV.

Das Lächeln des Jeff Bezos. Foto: Amazon
Buddha lächelt. Immer. Ist Ihnen das auch schon aufgefallen ? Eine gewisse Ähnlichkeit ? 
Amazons Idee für das Fernsehen im Netz ist jetzt da. Zumindest für den US-Markt. Wir müssen ja immer elend lange ein wenig warten. Macht nichts- das gibt auch Zeit, um nachzudenken. 

Ein "Amazon Fire TV" ist es geworden. Und auf den ersten Blick ist das nur eine ganz gewöhnliche Set-Top Box. 

Einer dieser schmucklosen Kästen, die zu Millionen irgendwo in der Nähe des Fernsehers stehen und mit ihrem Kabelkram für staubige Schmuddelecken im Wohnzimmer sorgen. "Bitte beim Saubermachen nicht drankommen! Ein Tag Arbeit und 30 Wutanfälle, bis es wieder funktioniert!!" Kein Mensch hat da wirklich Lust drauf.

Oder doch?

Der erste Knaller ist wohl der Preis. Da steht 99 Dollar. Das ist der Preis. Lieferung frei Haus inklusive.

Screenshot: amazon.com
Ja, es gibt viele billige Set Top Boxen. Aber da ist kein Quad-Core Prozessor drin. Amazon FireTV hat einen solchen. Und Spracherkennung beim Suchen. Also wirklich Rechenleistung.

Was kostet ein vergleichbarer Quad Core Prozessor eigentlich beim Einkauf am Weltmarkt? Kann das überhaupt kostendeckend sein?

Gut, der Game-Controller, der das Ding dann zu einer abgerüsteten Xbox One für Sparsame macht, kostet 40 Dollar extra. Wirklich billiger ist eh nur Googles Chromecast. Der kann aber (noch) nicht spielen und ist ohnehin ein grundsätzlich anderes Konzept.

Das Lächeln des Jeff Bezos bezieht sich ja vielleicht auch auf diesen interessanten Vergleich von "FireTV" mit relevanten Mitbewerbern, den Amazon auf seiner US-Webseite gleich passend dazu gestellt hat:

Screenshot: amazon.com
Amazon sieht sich da selbst vorn, in Preis und Leistung- und nicht nur wegen dem Dolby Digital Plus Surround Sound, der für richtige Heimkino-Fans auch ein nicht zu unterschätzendes Feature ist.

Wird lineares Fernsehen sterben oder nicht? Darüber wird derzeit viel diskutiert. Ein Hauptargument für die Befürworter des "klassischen Fernsehens" ist dabei der "leanback-Effekt", also das nachvollziehbare Zuschauer-Bedürfnis wenigstens ab und zu nur einen Knopf drücken zu müssen, um sich dann von einem "Programm" einfach nur unterhalten zu lasse. Filme, Serien oder Unterhaltungsprogramme zu sehen, auf die man selbst sonst so gar nicht gekommen wäre.

Haben Sie schon einmal bei Amazon ein Buch gekauft, das sie vorher nicht kannten? Ein Wunder wäre es nicht. Denn, wer einmal mit dem Buchkauf bei Amazon angefangen hat, bekommt Empfehlungen für weitere Bücher die ihn interessieren könnten. Und diese Empfehlungen werden mit der Zeit immer besser- die Daten, die wir bei Amazon hinterlassen, ergeben ein erschreckend genaues Bild unserer Interessen und Vorlieben.

Was bei Büchern so gut funktioniert, könnte man natürlich auch für andere Inhalte verwenden. Und siehe da:

"You shouldn’t have to wait 10 seconds for a video to buffer every time you press “Play”. ASAP (Advanced Streaming and Prediction) learns what movies and shows you like and gets them ready for you to watch. The more you use Fire TV, the more accurate ASAP becomes, dynamically adapting to your viewing habits."

"Amazon Fire TV" hat "ASAP". Advanced Streaming and Prediction- die Box wird voraussehen, was wir aus einem riesigen Angebot als Nächstes sehen wollen. Und es, während wir noch beim vorherigen Programm sind, zum sofortigen und verzögerungsfreien Start bereitstellen. Und je mehr wir Fire TV nutzen, um so besser wird es wissen, was wir wirklich wollen. Wenn wir das wirklich wollen...

Screenshot: amazon.com
Und was ist aus der Geschichte "Jeff Bezos kauft die Washington Post" geworden? Der renommierten Zeitung mit dem umfangreichen Angebot an Video-Nachrichten? Überraschung! Fire-TV hat eine kostenlose "Washington Post"-App, die so etwas wie Amazon-TV-Nachrichten zuliefert. Natürlich nur, wenn wir das wollen. Und natürlich ist Amazon offen für alle Inhalte, nicht nur die eigenen. Jeder kann seine TV-Nachrichten-App entwickeln und auf Fire-TV bringen. Huffington Post TV ist schon da, andere werden folgen.

Ähnlich wie beim normalen Amazon-Shopping wird "ASAP" unsere Interessen sicher völlig neutral interpretieren- auch andere Inhalte-Anbieter als Amazon haben ganz bestimmt ihre faire Chance. Bestimmt auch dann, wenn sie größer werden und mehr Geld verdienen als Amazons eigene Angebote. Ganz bestimmt.

Und wenn man Fire-TV gedanklich nur noch ein kleines Stückchen weiterentwickelt- zum Beispiel in Richtung Werbespots mit direktem Bestell-Link ins Amazon-Angebot und im nächsten Schritt "Digital Product Placement", dann wird einem irgendwie schwummrig. Aber das liegt nur an den Räucherstäbchen für Buddha.

Update 13-04.: Techcrunch hat ein schönes Unboxing- und Vorführvideo:

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