Und noch einer: Auch Yahoo! will seinen Anteil vom Zukunftsmarkt Web-TV


Wissen Sie noch, was ein "Webkatalog" ist? Nein? Ja, wirklich: So klassisch wie beim Versandhaus hat das einst angefangen mit diesem Internet. Als das Web irgendwann mehr Seiten hatte, als die Nutzer sich merken konnten, kamen die Gründer von Yahoo!, David Filo und Jerry Yang auf die geniale Idee, diese in einem Katalog zu vermerken und dessen rasant wachsende Zahl an Internet-Adressen nach Kategorien zu ordnen.

Gedruckt wurde der zwar nicht mehr, brachte im Internet aber im Herbst 1994 fast aus dem Stand eine Million Anfragen und 100.000 Nutzer - der Yahoo!-Konzern war geboren.

1998 ging Googles Suchmaschine online. Google und Yahoo wurden zu Rivalen. Mit den Suchmaschinen kamen die Suchmaschinenoptimierer, die SEO's, und der Backlink für eine Webseite aus dem Yahoo-Katalog galt ironischerweise noch lange Zeit als sehr förderlich für gute Platzierungen bei Google.

Der Yahoo-Katalog verlor dann schrittweise an Bedeutung, wurde nicht weiter gepflegt und verschwand irgendwann. Der Versuch von Yahoo!, eigene, gegen Googles Suche und vor allem zur damit verbundenen Google-Geldmaschine Adwords konkurrenzfähige Produkte zu entwickeln, führte nicht zum Erfolg.

Heute stützt sich Yahoo! auf Microsofts Bing-Suche und ist mit 700 Millionen weltweiten Besuchern im Monat (2012) zu so etwas wie einem globalen Online-Medienkonzern geworden.

Obwohl immer noch Massen von Besuchern auf Yahoos Seiten strömen, gibt es ein Problem. Die Einnahmen, die hauptsächlich aus der Werbung stammen, schrumpfen durch den ständigen Preisverfall für klassische Bannerwerbung. Auch Marissa Mayer, 2012 direkt aus der obersten Google-Führungsetage als CEO zu Yahoo! gekommen, konnte das bisher nicht ändern. Um Gewinne zu erzielen, muss gespart und geschrumpft werden.

Woher sollen neue, bedeutende Umsätze kommen? Wenn es um Werbegelder geht, richten sich alle Blicke aus dem Silicon Valley derzeit auf den milliardenschweren TV-Werbemarkt. Im Search Engine Advertising, dem bisherigen großen Werbegeschäft im Netz, traut sich wohl niemand mehr ernsthaft gegen Google anzutreten.

Der Erfolg von Netflix mit "House of Cards", von Amazon mit seinem Prime Video und dem neuen "Fire TV", rasant steigende Abrufzahlen bei den kostenpflichtigen Abrufangeboten von HBO & Co. - das hat sie alle elektrisiert. Nun will auch Yahoo! das Web-TV zu seinem Investitionsschwerpunkt machen.

Zwar gibt es schon ein Yahoo!-Web-TV-Angebot, in Deutschland ist da unter anderem die BBC-Serie "The Office" mit Untertiteln zu sehen, die einst dem deutschen "Stromberg" als Vorbild diente. Oder auch das eine oder andere professionell gemachte Lifestyle-Content-Werbevideo:



Ein konkurrenzfähiges Angebot für das zukünftige Netz-TV ist das aber nicht. Und man braucht zwischen Serien wie "Game of Thrones", "Walking Dead", "Homeland" oder eben "House of Cards" auf dem US-Markt ein wirklich starkes Angebot- die Konkurrenz ist mittlerweile unglaublich hart.

Yahoo will jetzt mit eigenen Web-Serien auf diesem Markt punkten- keine Billigproduktion kurzer "Webvideos", sondern richtige Serien mit Inhalt und Budgets bis zu einer Million Dollar pro Folge.

Auch Microsoft, einst als Möchtegern-Übernehmer von Yahoo! abgeblitzt, arbeitet an Web-TV-Serien für seine Xbox.

Zumindest in den USA steht ein goldenes Zeitalter für Produzenten bevor.

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