UFA und divimove wollen mit "shootrs" YouTube-Stars für RTL aufbauen

Screenshot: divimove.de
Das wird man bei Mediakraft wohl nicht so gern hören. Divimove, so heißt es in der Pressemitteilung der UFA, sei das größte Multi-Channel Network Europas, da es mehr als 1.300 YouTube-Kanäle mit einer Reichweite von monatlich 300 Millionen Views unter seinem Dach versammele. Nun ja, für Mediakraft Networks bleibt dann ja noch (laut eigenen Angaben) der Titel "größter Online-TV-Sender im deutschsprachigen Raum".

Jedenfalls verkündeten die UFA und Divimove in dieser Woche "shootrs", ein gemeinsames Programm für ausgewählte YouTube-Talente. Durch Coachings, Workshops und Produktionssupport soll ihnen die Möglichkeit geboten werden, neue Formate zu kreieren und ihre Kanäle weiterzuentwickeln. Mit den YouTubern und "TV-Gesichtern" solle die "nächste Generation von Online-Video" entwickelt werden.

Die UFA gehört zu FremantleMedia- und FremantleMedia ist wiederum eine Tochter der RTL Group und dort zuständig für die Contentproduktion des Bertelsmann-Goldesels. Während bei RTL im klassischen Fernsehen Rendite statt Programminnovation im Vordergrund steht, investiert man bereits seit geraumer Zeit statt dessen gern in sogenannte "Multichannel-Netzwerke" auf dem neuen Bewegtbild-Planeten YouTube.

Mit „shootrs“ kooperiere nun in Deutschland "erstmals ein etablierter Content-Produzent in dieser Weise mit einem YouTube-Netzwerk bei der Erstellung gemeinsamer Inhalte". FremantleMedia sei schon jetzt der weltweit größte TV-Partner von YouTube mit 140 Kanälen in 20 Ländern und insgesamt sieben Milliarden Views im vergangenen Jahr, durchschnittlich rund 600 Millionen im Monat.

"Herausragende Talente" aus der Webvideobranche sollen nun gemeinsam mit dem Know-how von UFA und Divimove "die Professionalisierung des Online-Video-Marktes aktiv gestalten". Die UFA werde dabei ihre Erfahrungen bei Storytelling, Formatentwicklung und Bewegtbildproduktion einbringen  und diese mit den Kompetenzen von Divimove in den Bereichen Online-Video-Content, Reichweitenoptimierung und Vermarktung ergänzen. Produziert werde unter anderem in den digitalen Studios der UFA LABs in Berlin und Köln, auch anderen Divimove-Partnern sollen die Studios offen stehen.

"Durch die Kooperation mit der UFA schaffen wir unseren Netzwerk-Partnern die Möglichkeit, ihre kreativen Ideen frei und mit professionellen Mitteln umzusetzen“, so Divimove-Mitgründer und Geschäftsführer Philipp Bernecker. Hannes Jakobsen von Divimove dazu: "Unser Ziel ist es, in den nächsten Jahren gemeinsam mit unseren YouTube-Stars Content zu produzieren, der die Unterschiede zwischen den klassischen und neuen Medien hinfällig macht. Denn eine gute Geschichte ist eine gute Geschichte und ein charismatischer Star ist ein charismatischer Star - egal, auf welchem Bildschirm." 

Zu den ersten YouTube-Stars im "shootrs"-Programm gehören Julez ("Julez Welt"), die Modedesignerin und Entertainerin Melissa ("Breedingunicorns") sowie die Rapper und Entertainer Celo & Adbi, die mit zynischen und kritischen Kommentare zum Zeitgeschehen schon mehr als 90.000 Abonnenten fanden. MrHelfersyndrom verknüpft auf dem gleichnamigen Kanal Info und Entertaiment für Technikbegeisterte und Interessierte, ApplewarPictures-Mitglied Tense bringt bei "Tense Makes Sense" wissenschaftliche Inhalte aus dem verstaubten Bildungsfernsehen in die digitale Neuzeit. Und bei "GamianoTV" schenken sich die Gamer DebitorLP und TheDeadsheep nichts: Ob auf der Hochzeitsmesse oder hinterm Bildschirm, sie treten in immer neuen Herausforderungen gegeneinander an. Außerdem werden Formate mit Minecraft-Player Docm77, dem Rapper Kollegah ("BosshaftTV"), Sängerin und Beauty-Ikone Kim Gloss sowie dem Schauspieler und Comedian Daniele Rizzo ("therealDanieleRizzo") entwickelt.

Jens-Uwe Bornemann, Chef des UFA LAB und zugleich Vice President Digital Continental Europe des UFA-Mutterkonzerns FremantleMedia dazu: "Zusammen können wir Markenpartnern nun alles aus einer Hand anbieten: hervorragende Talente, maßgeschneiderte und relevante Inhalte und natürlich eine kritische Reichweite. Umgekehrt wollen wir durch die Zusammenarbeit aber auch besondere neue und frische Entertainment-Talente unter den YouTubern entdecken und neue Formate kreieren."

Das Modell, talentierten YouTubern professionelles Broadcast-Equipment und KnowHow zur Verfügung zu stellen, könnte das Zukunftsmodell für YouTube-Netzwerke sein. Denn die YouTuber der Zukunft werden mehr als eine bessere Vermarktung und Rechtemanagement brauchen. Die Konkurrenz um Videoabrufe und Abonnenten wird immer härter und nur für Kanäle und YouTuber mit beeindruckenden Zahlen stehen die großen Werbetöpfe bereit. Egal ob die Werbung nun eher, sagen wir mal, "embedded" gestaltet wird oder ganz einfach und direkt.

Wie originell die Ideen auch immer sein mögen: Das bisherige Erfolgsmodell "stell dich einfach vor die Kamera und labere los" hat irgendwann Grenzen. YouTube ist nicht nur auf dem Weg, neues Fernsehen zu machen. YouTube ist unterwegs, um die Plattform für das neue Fernsehen zu sein. Inhalte in neuer Dimension sind gefragt, Inhalte für deren Produktion Studios, Kulissen und moderne Medientechnik gebraucht werden.

Mediakraft ist auch am deutschen Markt nicht mehr allein im großen YouTube-Rennen.

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