HDplus - zusätzlich Geld für auch kein UHD-TV ?


165 cm Bildschirmdiagonale und eine Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixel. Das bietet der "MEDION® LIFE® X18017 (MD 30728) 65“ ULTRA-HD-TV" - ab diesen Mittwoch im Angebot für 2.499,- Euro. Eventuell noch rechtzeitig zur Fußball-WM wird ein nicht ganz so großer UHD-TV zum 999,- Euro-Kampfpreis erwartet. Der rasante Preisverfall für die ganz scharfen Fernseher geht ungebremst weiter- aber da gibt es ein kleines Problem: Wer das schöne Gerät für teures Geld erwirbt, hat dann einen UHD-TV. Theoretisch. Aber er wird zu Hause dann kein UHD-TV einschalten können. Es gibt kein UHD-TV-Programm. Es gibt nur UHD-Fernsehgeräte.

Auch zur Fußball-WM in Brasilien, dem TV-Ereignis des Jahres wird es, ähnlich wie vor kurzem bei der US-"Superbowl" zwar erste Experimente mit dem neuen Standard geben. Aber niemand überträgt so etwas. Wozu auch? Denn nicht einmal herkömmliches HD-Fernsehen, der Vorgänger von UHD-TV, ist bisher wirklich als durchgängiger Sende-Standard durchgesetzt.

Die notwendige Infrastruktur für die noch schärferen Bilder kostet Geld. Viel Geld. Investitionen. Richtiges Geld also, welches zum Beispiel die privaten Fernsehsender im Zweifelsfall doch lieber an ihre Aktionäre ausschütten als es in Programme und technische Infrastruktur zu investieren. Die wegweisende private Idee dazu heißt HDplus. Der Zuschauer soll es bezahlen.

"ARD und ZDF können diese Kosten bei der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs von ARD und ZDF (KEF) anmelden. Für den Zeitraum 2013 bis 2016 sind so 218,1 Millionen Euro für die Entwicklung und Etablierung von HDTV von der KEF gebilligt worden." so heißt es etwas wehmütig bei HDplus. Mmh. Im Vergleich zu den RTL-Werbeeinnahmen oder den Kosten für Fußball-Rechte erscheinen gut 50 Millionen pro Jahr doch recht tragbar. Zwar werden dadurch die Programminhalte nicht besser, aber das gibt es dann in durchgängig schöneren Bildern.

Mittlerweile sind die öffentlich-rechtlichen mit ihren "KEF-Zuweisungen" da auch ganz gut vorangekommen. ARD und ZDF sowieso, arte als HD-Pionier fast von Anfang an, die digitalen Nischen von ZDFneo bis einsplus und auch die Regionalprogramme gibt es jetzt zumindest in HD.

Bei RTL HD, ProSieben HD oder Sat1 HD dagegen bleibt der Bildschirm schwarz und mein Fernseher beschuldigt mich, ich hätte "kein CI-Modul". Ich will kein "CI-Modul". Ich will fernsehen. "Die wichtigste und häufigste Gruppe an CI-Modulen bilden die Conditional Access Modules (CAMs), die wiederum eine Smartcard aufnehmen können und/oder einen Chip eingebaut haben. Diese dienen der Entschlüsselung empfangener DVB-Daten (in der Regel Bezahlfernsehen oder -radio)" - so unterrichtet mich Wikipedia. Ich soll also bezahlen, um die endlosen Werbeunterbrechungen schärfer sehen zu können.

"HD+ bleibt auf Kurs und startet erfolgreich ins Jahr 2014" meldet die zuständige HD Plus GmbH. Das Unternehmen zähle zum 31. März 1.496.315 zahlende Kunden. Gegenüber dem Vorjahresquartal sei das ein Zuwachs von 392.614. Im ersten Quartal 2014 habe sich die Zahl der Kunden um 83.761 gesteigert. Weitere 1,2 Millionen Haushalte würden HD+ in der kostenlosen Testphase nutzen und sich innerhalb der kommenden zwölf Monate entscheiden, ob sie das HD+ Senderpaket gegen ein "Serviceentgelt" weiter empfangen wollen. Seit Mitte April seien nun auch n-tv HD, RTL NITRO HD, ProSieben MAXX HD und TLC HD über Satellit dabei. Damit zähle das HD+ Senderpaket nun 20 Sender. "Wir sind mit dem Start ins neue Jahr äußerst zufrieden", so Wilfried Urner, Vorsitzender der HDplus Geschäftsführung. "Das Wachstum sowohl bei der Zahl der Kunden auf knapp 1,5 Millionen als auch beim Senderangebot belegt die Attraktivität und große Nachfrage nach hochauflösendem Fernsehen."

Ich weiß nicht. Ich will eigentlich UHD-TV. Und das ohne zusätzliche Kosten.

Ab 6. Mai soll eine HD+ Verlängerung 60 Euro im Jahr (aktuell: 50 Euro) bzw. im Abo-Modell bei 12 Monaten Mindest-Vertragslaufzeit 5 Euro im Monat kosten. Ich gehöre zu den störrischen Fernsehzuschauern, die sich dann doch lieber hochaufgelöste Dokus auf arte anschauen und bei den Privaten mit fehlendem HD leben können. Stattdessen könnte man das Geld ja in Amazon Prime Video investieren. Oder in Watchever. Oder Fußball-Bundesliga bei Sky. Obwohl dann schon wieder so ein Modul...

Vielleicht warte ich doch lieber auf Netflix. Denn Netflix und Amazon wollen auch in 4K UHD-TV-Qualität streamen. Wird das dann bei den Privatsendern HD Doppelplus?

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