Y-Titty, daaruum: Medienwächter im Kampf gegen YouTube-Windmühlen

"daaruum" - einer von vielen "Mediakraft"-Kanälen. Screenshot: YouTube
Gegen Rotweinschläuche und staubige Hammelherden hat er gekämpft. Die schmutzigen Hammel erschienen ihm als mächtige feindlicher Heere. Wirklich bekannt wurde er durch seine Attacke gegen Windmühlen. Don Quijote de la Mancha, der Ritter von der traurigen Gestalt aus dem Roman von Miguel de Cervantes kämpfte stets vollendet ritterlich.

Also prinzipiell nie gegen schöne Frauen. Wie Nilam M. Farooq zum Beispiel. Die Berlinerin befüllt auf YouTube den Kanal "daaruum" mit Videos rund um Make-up, Fashion und Lifestyle. Knapp 600.000 Abonnenten und stolze 122 Millionen Videoabrufe lassen schnell ein Netzwerk vermuten. Und richtig: "daaruum" ist ein Kanal von vielen im Mediakraft-Imperium.

Die dunkelhaarige Schöne bekommt es jetzt, wie das ARD-Politikmagazin "REPORT MAINZ" aufgeregt vermeldet, mit der Bezirksregierung Mittelfranken zu tun. Sie werbe in ihrem Video „Morgen Routine und Haar Routine mit kürzeren Haaren“ für ein Haarmousse der Marke Schwarzkopf, ohne dies ausreichend transparent zu machen. Und wenn die Staatsgewalt einmal im Rollen ist, sind auch die noch größeren Mediakraft-Stars von Y-Titty dran: Sie hätten "in Videos auf ihrem Kanal unter anderem Produkte von Samsung, McDonalds und Coca-Cola präsentiert, ohne dies ausreichend als kommerzielle Zusammenarbeit mit den Firmen zu kennzeichnen". Ach.

Ach wie schön, in einem wohlgeordneten Land zu leben, in dem Bezirksregierungen sich um die ordnungsgemäße Verwendung von Haarmousse der Marke Schwarzkopf kümmern können. (Disclaimer des Autors: Die zweimalige Namensnennung der Firma erfolgte aus stilistischen Gründen ohne monetäre Vergütung.) 

Auch ist es schön zu sehen, dass investigative öffentlich-rechtliche Journalisten für die ARD-Politikmagazine an den wirklich großen Themen dran sind, auch dann, wenn es eigentlich nichts wirklich Neues zu berichten gibt. Außer vielleicht, dass Jürgen Brautmeier, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten nach Sichtung und Bewertung dieser Videos gegenüber REPORT MAINZ erklärte: "Wenn da Absicht dahinter steht und auch Geld fließt und ein Auftrag erteilt wird, dieses Produkt zu zeigen, das ist Schleichwerbung. So ist es auch bei den Youtube-Videos, die wir uns angesehen haben."

Ja. Ist es. Und nun? Das heißt im Marketing "Product Placement" und ist innerhalb gewisser Anstands-Grundregeln und weitgehend auch außerhalb völlig legal. Denn das Teufelswerk YouTube ist dem Teufelswerk Internet entsprungen. Und das tickt nach globalen Regeln- nicht nach den Regeln für deutsches Fernsehen, die die Landesmedienanstalten so gern in die Welt tragen würden. In eine Welt, in der es völlig normal ist, dass James Bond sein Auto von der Autofirma gestellt bekommt- mit noch einem gut gefüllten Geldscheinkoffer im Kofferraum drin.

Mediakraft bietet Werbekunden neben klassischen Spots ganz einfach , so REPORT MAINZ, auch Spezialwerbeformen wie "Product Placement" und "integrierte Werbung" (Branded Entertainment) an. Für die "redaktionelle Integration" in Youtube-Videos von Y-Titty oder daaruum verlange das Unternehmen 80 Euro für 1.000 Klicks. In einem schriftlichen Werbeangebot hieß es: "Bei Y-Titty garantieren wir auf 1 Video 650.000 Views, also 52.000 Euro brutto."

REPORT MAINZ lägen außerdem Aussagen und Protokolle vor, wonach Jan Schlüter, Mitglied der Geschäftsführung von Mediakraft, Youtuber auffordert, für alle in den Videos thematisierten Produkte eine finanzielle Gegenleistung von den Herstellern zu beanspruchen: "Mediakraft möchte eine Geschlossenheit erreichen, keine kostenlosen Product Placements zu bewerben." Positives Beispiel für gelungene Produktplatzierung sei Daaruum mit ihrem Video "Pickel S.O.S.". In diesem Video wirbt daaruum für das Produkt „Normaderm Hyaluspot“ der Marke Vichy.

Die für die Überwachung von Mediakraft zuständige Bezirksregierung Mittelfranken hat nun auf Grund der Recherchen ein "Prüfverfahren" eingeleitet. Die Behörde sieht die Art und Weise der Produktdarstellung kritisch. Ein Gesetzesverstoß scheine gegeben. Konfrontiert mit diesen Vorwürfen erklärt Mediakraft in einer zusammenfassenden Stellungnahme: "Der gesetzliche Grundsatz der Trennung von Werbung von redaktionellen Inhalten wird von uns und unseren Partnern beachtet. Die Kennzeichnung erfolgt auf klare Weise."

Der Werbekonzern Ströer hat gerade mit "DieAussenseiter" einen der ganz großen YouTube-Acts unter Vertrag genommen. Wozu auch immer- die Kennzeichnung wird mit Sicherheit auf klare Weise erfolgen.

Kommentare

  1. Lustig finde ich es immer, wenn sich jemand -- wie hier -- darüber aufregt, dass jemand anderes sich vermeintlich über etwas "aufregt".

    Und nu, Herr Mock?

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    1. Nun ja. Besteht nicht eigentlich das ganze Internet daraus, dass jemand sich über etwas aufregt worüber sich dann jemand aufregt damit sich weitere darüber aufregen können ?

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  2. Apropos: Sie scheinen mehr mit dem Aussehen der Youtuberin beschäftigt zu sein als damit, welche Verantwortung Erwachsene Jugendlichen gegenüber tragen -- auch im Internet.

    Und als Frau kann ich sagen, dass ich Ihre "Kritik", man dürfe "eine schöne Frau" nicht kritisieren, als ziemlich sexistisch empfinde. Was ist das nur für ein Argument?

    Nennt man so was nicht auch positive Diskriminierung? Wo ziehen Sie den Strich? Angela Merkel darf kritisiert werden, weil sie nicht Ihrem Schönheitsideal entspricht? Oder müssen überhaupt Frauen anders behandelt werden als Männer.

    Aberwitzigen Text finde ich das! Aber solang's Sie in irgendeiner Weise glücklich macht... ;)

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    1. Mmh. Ich habe nirgends geschrieben, dass man schöne Frauen nicht kritisieren dürfe. Und wie kommen Sie darauf, dass Angela Merkel nicht meinem Schönheitsideal entspricht? Ich habe nur die Meinung einer Figur der Weltliteratur (Don Quichote) zitiert. Die Idee, es könne diskriminierend sein, wenn der edle Ritter nicht mit gleichem Engagement gegen schöne Frauen kämpft wie gegen Windmühlen- darüber muss ich noch nachdenken. Wie dem auch sei: Es geht um nichts anderes als die Tatsache, dass unsere Mediengesetze aus dem analogen Zeitalter im Kampf gegen die neue digitale Welt sehr an den guten alten Don erinnern. An die "Verantwortung Erwachsener gegenüber Jugendlichen" zu erinnern, ist aller Ehren wert. Aber in der realen Welt leider in der Regel ohne Belang.

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