SmartTV Nutzung versechsfacht sich - in nur einem Jahr

Screenshot: ard-zdf-onlinestudie.de
So hat es mit den Tageszeitungen und dem Internet auch mal angefangen. Einst hieß es: "Wer will schon zu Hause auf Computern lesen- das fühlt sich doch an wie Arbeit im Büro." Von der besonderen "Haptik" und "Anmutung" des Zeitungspapiers war die Rede...

Insbesondere "Haptik" habe ich mir gemerkt- ein Wort, welches ich nie zuvor gehört hatte. Wir lernen bei Wikipedia , wo sonst: "Als haptische Wahrnehmung (griech.: haptόs „fühlbar“, haptikόs „zum Berühren geeignet“) bezeichnet man das aktive Erfühlen von Gewicht, Größe, Konturen, Oberflächentextur usw. eines Objekts durch Integration aller Hautsinne und der Tiefensensibilität. Die Gesamtheit der haptischen Wahrnehmungen erlaubt es dem Gehirn, mechanische Reize, Temperaturreize und Schmerz zu lokalisieren und zu bewerten." Loriot hätte wohl gesagt: "Ach."

Ich stelle mir gerade vor, ich hätte so etwas als Marketing-Fuzzi in den 80er Jahren, also vor dem Internet, so einem dieser typischen knorrigen Alt-Zeitungsverleger als seinen USP verkaufen wollen. Wahrscheinlich hätte er mich aus dem Fenster geworfen. Jetzt kommt die Zeit, in der auch Traditionszeitungen Insolvenz anmelden.

Vielleicht geht es den Fernsehsendern ja eines Tages auch so. Im Vorjahr klangen die Nachrichten über diese Smart-TV ja noch beruhigend. Zwar wurden sie schon oft gekauft- der Kundschaft leuchtete allerdings nicht recht ein, warum man sich vor dem Programm durch verfrickelte Menüs quälen sollte, statt wie bisher einfach nur eine Taste zu drücken. Aber an der SmartTV-Bedienbarkeit wird mit Hochdruck gearbeitet. Das ist das, was die beruhigenden Nachrichten oft vergessen. Eine neue Technologie ist in der Welt, die bessere Möglichkeiten bietet, Konsumentenbedürfnisse zu befriedigen. Wenn diese Möglichkeiten nicht sofort genutzt werden, bedeutet das nicht dass diese Technologie scheitert. Es kann auch der Beginn eines Entwicklungs- und Lernprozesses sein.

Jedenfalls ist jetzt die ARD/ZDF-Onlinestudie 2013 da. 29 Prozent der Online-Haushalte (77,2 Prozent der Erwachsenen ab 14 Jahren) hatten 2013 einen internetfähigen Fernseher. Die Zahl derjenigen, die über ihr TV-Gerät auch tatsächlich ins Internet gehen, hat sich binnen eines Jahres von 2 Prozent 2012 auf 12 Prozent 2013 versechsfacht. 6,5 Mio. Personen rufen damit zumindest ab und zu mit ihrem Fernsehgerät Inhalte über das Internet ab.

Rechnet man die anderen Bildschirme zu den Fernsehern dazu, nutzen 43 Prozent der Onliner, das sind rund 23 Millionen, regelmäßig Fernsehsendungen und andere Videos im Netz - dies entspricht einem Zuwachs von 6 Prozentpunkten. Unter den 14- bis 29-Jährigen schauen bereits drei Viertel (76%) wöchentlich Bewegtbilder im Netz an. Originäre Fernsehinhalte, also TV-Sendungen, werden von 16 Prozent der Onliner mindestens einmal wöchentlich live oder zeitversetzt genutzt. Unter den 14- bis 29-Jährigen sind es bereits 27 Prozent. Parallel zur Reichweite steigt die Sehdauer. Rund 5 Minuten, das sind zwei Prozent des täglichen Fernsehkonsums, werden über das Internet ferngesehen: 3 Minuten linear und 2 Minuten zeitversetzt. Bei den 14- bis 29Jährigen entfallen bereits 12 Minuten des Fernsehkonsums (linear oder zeitversetzt) und anteilig 8 Prozent auf das Internet.

Haben Fernsehsender eigentlich so etwas wie eine eigene Haptik?

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